Original von Tony Gold
An dieser Stelle is aber mal jut. Der Rettungsdienst muss nicht wirtschaftlich organisiert sein. Dass FSJler und Zivildienstleistende mit relativ wenig Gehalt zufrieden sind (sein müssen) und dass es so viele ehrenamtliche gibt, die für nochmal weit weniger Geld Rettungsdienst fahren, ermöglicht erst die so gute Ausrüstung der meisten deutschen Rettungsdienste (Ausnahmen bestätigen die Regel). Würde man im Rettungsdienst nun auf FSJler und Zivildienstleistende verzichten müssen, und womöglich noch auf Ehrenamtliche, und an Stelle derer hauptamtliche Rettungsassistenten stellen, so glaube ich würde entweder das gesamte Rettungswesen in Deutschland - immerhin global vorbildlich - zusammenbrechen oder wenigstens die Qualität rapide zurückgehen. Ergo sind wir absolut abhängig von Zivildienstleistern und FSJlern.
Im Übrigen : Das FSJ ist ja nu absolut freiwillig, hängt also auch schonmal eigentlich nicht mit einer Dienstpflicht zusammen.
Örm. Besonders bei der Berufsfreiheit ist deine Argumentation mehr als merkwürdig. Denn niemand wird ja dazu gezwungen in diesem Bereich zu bleiben - es wäre lediglich so dass Leistungsempfänger (und ich bin mir sicher kaum jemand hier hat noch nie eine sanitäts- oder rettungsdienstliche Maßnahme in Anspruch genommen) auch etwas für die erhaltene Leistung zurückgeben. Und warum Frauen im Übrigen hiervon ausgenommen sein sollen verstehe ich absolut nicht. Sonst schreit man immer "So eine Ungleichbehandlung". Wenn's aber mal um Pflichten und nicht um Rechte geht isses gleich ungerecht, denn man kann Frauen ja nicht zu etwas zwingen wozu Männer seit Jahren verpflichtet sind, ne.
Zunächst mal schummelst du wenn du so tust, als müsste ohne Dienstpflichtige jeder Rettungswagen mit zwei oder mehr Rettungsassistenten besetzt werden. Rettungssanitäter ist meines Wissens z. B. gar kein mit einer vollschichtigen Ausbildung verbundener Beruf, sondern erfordert nur einen nach Stunden bemessenen Lehrgang. Ebenso der Rettungsdiensthelfer.
Der Wegfall des Zivildienstes böte die Möglichkeit, im Rettungswesen Arbeitsplätze für Leute zu schaffen, die eine berufliche Betätigung ohne mehrjährige Ausbildung suchen, oder eine Teilzeitbeschäftigung oder eine Zuverdienstmöglichkeit. Auch sage ich ja nichts gegen freiwilliges ehrenamtliches Engagement, oder will dieses irgendwem verbieten.
Und natürlich muss der Rettungsdienst wirtschaftlich im Sinne von mindestens kostendeckend sein. Was glaubst du denn wo das Geld herkommen soll? Wenn der Rettungsdienst seine Kosten nicht wieder hereinholt, muss er irgendwie subventioniert werden. Sei es direkt durch finanzielle Zuschüsse oder eben indirekt durch die Bereitstellung z. B. für ihn zunächst preiswerter Arbeitskräfte. Auch das kostet aber irgendwann irgendwo Geld. Dienstpflichtige zahlen wie schon gesagt keine Steuern und Sozialabgaben, und haben weniger Geld für Konsum zur Verfügung. Man kann die Kosten nur verlagern, aber nicht gänzlich verschwinden lassen.
Deine Argumentation, dass Leistungsempfänger etwas für die erhaltene Leistung zurückgeben sollen geht schon in die richtige Richtung. Nur ist die Erbringng un- oder schlechtbezahlter Arbeitsleistungen als Lösungsansatz falsch. Richtig ist vielmehr, dass Rettungseinsätze eben adäquat bezahlt werden müssen. Wem das eigene Leben und die eigene Gesundheit nichts wert sind, dem ist ironisch gesprochen nicht zu helfen.
Falsch ist hingegen dein Versuch, die Dienstpflicht durch ihren temporären Charakter nicht als Verletzung der Berufsfreiheit zu qualifizieren. Dann wäre es ja auch keine Verletzung der Freiheit, jemanden "nur" vorübergehend einzusperren. Später würde er ja schließlich wieder freigelassen und könnte gehen, wohin er will?
Dass nur Männer einer Dienstpflicht unterliegen habe ich mir schließlich auch nicht ausgedacht. Demokratie ist nun mal nicht die Herrschaft von Vernunft und Gerechtigkeit, sondern von Meinungen und Stimmungen. Da ist automatisch im Vorteil, wer wie Frauen eine lautstarke und gefürchtete Lobby hat, die andere Leute eben nicht haben.
Landesministerin der Westlichen Inseln a. D.