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Original von Konrad Grimm
Wer hinsieht wird erkennen, dass diese Krise mehr als alles andere ein Demokratieversagen ist.
Warum sollte das der Fall sein? Die Krise findet ja auf einer Ebene statt, auf der es weder national noch international sowas wie Demokratie gibt: Der Privatwirtschaft.
Aber auch diese Analyse greift zu kurz. Es ist ein anthropologisches Problem - die Menschheit hat versagt!
So gesehen ist jedes Problem der Menschen ein "anthropologisches Problem", da die Menschheit an seiner Vermeidung gescheitert ist. Völlig zurecht gibt es für das, was Du da umschreibst, aber keinen richtigen Ausdruck, da die Feststellung trivial ist. "Anthropologisches Problem" ist jedenfalls die falsche Bezeichnung, das würde sich auf die entsprechende Wissenschaft beziehen.
 

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Kaiser
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Beitrag von Konrad Grimm »

Du hast recht. Probieren wir es mal nochmal:

Diese Krise hat viele Väter und Mütter. Die momentane öffentliche Wahrnehmung - die Politik als Retter im Chaos, den die böse Privatwirtschaft angerichtet hat - ist jedenfalls falsch.

Versagt haben viele. Zunächst mal die Federal Reserve Bank, die über viele Jahre eine Niedrigzinspolitik gefahren und für unheimlich viel unheimlich billiges Geld gesorgt hat. Dann eine US-Politik, der dieses billige Geld zur Förderung der Konjunktur und zum Aufbau der Ownership Society höchst willkommen war und die weiterhin jede Regulierung bei der Kreditvergabe verhindert hat. Weiterhin die Banken, die jede Vorsicht bei der Kreditvergabe außer acht gelassen haben, denn irgendwas mussten sie mit dem Geld ja tun. Weiter die Fondsmanager und Vermögensverwalter, die bedenkenlos investiert haben. Medien und Wirtschaftswissenschaftler spielen ihre Rolle, Anlageberater eine weitere. Und ganz zum Schluß sollte man den einfachen Bürger, der sich jetzt so groß empört, nicht aus der Verantwortung lassen: Er hat die Politiker gewählt, die das zugelassen haben, er hat sich die jetzt ins Depot gelegten Vermögenswerte ausgesucht oder jedenfalls die falschen Anlageberater.

Wer einen Hauptverantwortlichen will, der findet ihn in der politischen, nicht in der privatwirtschaftlichen Sphäre. Der Hauptverantwortliche heißt Alan "Lord of the Bubbles" Greenspan. Er trägt die meiste Verantwortung für diese Krise - ist zugleich aber nur ein Baustein.
Insgesamt würde ich mehr Verantwortung für dieses Desaster bei der Politik sehen als in den Konzernzentralen, ohne letztere in Schutz nehmen zu wollen. Auch in der deutschen Politik. Dass ein Peer Steinbrück für die KfW und ein Erwin Huber für die Bayern LB nicht ihren Hut nehmen mussten, ist ein schlechter Scherz.

Unter dem Strich bleibt Versagen bei sehr, sehr vielen einzelnen. Hieraus ein Systemversagen zu konstruieren ist zu einfach.
 

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Beitrag von Konrad Grimm »

Original von Lady Enigma
Irgendwie hab ich ein ganz dummes Gefühl bei der Sache.
Wenn nicht wirklich sichergestellt wird, daß so nicht weiter gemacht wird...
Heut früh sind ja die Kurse, solang ich das verfolgt hab, ziemlich gestiegen. OK. Aber wenn sich nun die nächste Blase in absehbarer Zeit bildet und es nochmal zum Knall kommt...
Die Zeitschrift "Smart Investor" sieht den Boden bei den Börsenkursen erreicht und prognostiziert einen neuen, gewaltigen Aufschwung an den Börsen. Das ist insofern glaubwürdig, als "Smart Investor" eigentlich zutiefst bärisch eingestellt ist.

Dementsprechend ist die Aussage auch klar: Eine "letzte große Aufwärtsschleife" sieht man voraus. Und dann? Der finale Knall.

http://www.smartinvestor.de/news/smarti ... ecnr=13284

Und das Spannendste daran ist: Die Angst vor dem "Crack up Boom" ist längst nicht auf die üblichen Crash-Propheten beschränkt. Selbst das in Bankenkreisen recht verbreitete Going Public Magazin hat das erst vor wenigen Tagen als sehr realistisches Szenario beschrieben.

Feiern wir also die letzte Party, wie sie fällt.
 

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Kaiser
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Beitrag von Konrad Grimm »

Wie schön. Der Bandulets Bruno ist meiner Meinung im Bezug auf das Elitenversagen - und natürlich auch auf den kommenden Staatsbankrott. Aber Vorsicht beim Anklicken, Link führt zur bösen "Jungen Freiheit".

http://www.jungefreiheit.de/Single-News ... a9b.0.html
 

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Original von Konrad Grimm
Diese Krise hat viele Väter und Mütter. Die momentane öffentliche Wahrnehmung - die Politik als Retter im Chaos, den die böse Privatwirtschaft angerichtet hat - ist jedenfalls falsch.
Soweit gebe ich Dir recht.
Und ganz zum Schluß sollte man den einfachen Bürger, der sich jetzt so groß empört, nicht aus der Verantwortung lassen: Er hat die Politiker gewählt, die das zugelassen haben, er hat sich die jetzt ins Depot gelegten Vermögenswerte ausgesucht oder jedenfalls die falschen Anlageberater.
Eher letzteren. So gesehen ist der "einfache Bürger" aber völlig aus der Verantwortung entlassen. Er musste sich für irgendwelche Leute entscheiden, deren Kompetenz er nicht vollständig beurtielen konnte. Andernfalls bräuchte er sie ja nicht.
Wer einen Hauptverantwortlichen will, der findet ihn in der politischen, nicht in der privatwirtschaftlichen Sphäre. Der Hauptverantwortliche heißt Alan "Lord of the Bubbles" Greenspan. Er trägt die meiste Verantwortung für diese Krise - ist zugleich aber nur ein Baustein.
Insgesamt würde ich mehr Verantwortung für dieses Desaster bei der Politik sehen als in den Konzernzentralen, ohne letztere in Schutz nehmen zu wollen. Auch in der deutschen Politik. Dass ein Peer Steinbrück für die KfW und ein Erwin Huber für die Bayern LB nicht ihren Hut nehmen mussten, ist ein schlechter Scherz.

Unter dem Strich bleibt Versagen bei sehr, sehr vielen einzelnen. Hieraus ein Systemversagen zu konstruieren ist zu einfach.
Mit Deiner vorhergehenden Aufzählung hast Du ja bereits deutlich gemacht, dass eigentlich fast alle Ebenen irgendwie involviert waren - außer eben die ganz normalen Bürger. Wenn Menschen auf diese Weise interagieren, ist es für mich eigentlich recht naheliegend, von einem System zu reden.
 

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Beitrag von Konrad Grimm »

Original von Montgomery Scott
Eher letzteren. So gesehen ist der "einfache Bürger" aber völlig aus der Verantwortung entlassen. Er musste sich für irgendwelche Leute entscheiden, deren Kompetenz er nicht vollständig beurtielen konnte. Andernfalls bräuchte er sie ja nicht.
Das würde ich so nicht stehen lassen. Es ist doch eigentlich recht offensichtlich, dass die Berater in den Banken und Versicherungen und mehr noch die allein von Verkaufsprovisionen abhängigen "Vermögensberater" diverser Strukturvertriebe vorrangig Verkäufer sind und keinesfalls vertrauenswürdige Berater. Trotzdem greift kaum ein Anleger auf die Dienste von Honorarberatern zurück.
Ich weiß ja, dass die Leute im Bereich Geldanlage ziemlich verarscht werden. Aber diesen Interessenskonflikt zu begreifen sollte doch nun wirklich nicht schwer sein.

Man kann den einzelnen Anleger nicht völlig aus der Verantwortung entlassen.
 

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Original von Konrad Grimm
Das würde ich so nicht stehen lassen. Es ist doch eigentlich recht offensichtlich, dass die Berater in den Banken und Versicherungen und mehr noch die allein von Verkaufsprovisionen abhängigen "Vermögensberater" diverser Strukturvertriebe vorrangig Verkäufer sind und keinesfalls vertrauenswürdige Berater. Trotzdem greift kaum ein Anleger auf die Dienste von Honorarberatern zurück.
Ich weiß ja, dass die Leute im Bereich Geldanlage ziemlich verarscht werden. Aber diesen Interessenskonflikt zu begreifen sollte doch nun wirklich nicht schwer sein.

Man kann den einzelnen Anleger nicht völlig aus der Verantwortung entlassen.
Dann besteht diese Verantwortung aber nur darin, dass er die ihm angebotenen Investitionsinstrumente überhaupt nutzt.
 

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Beitrag von Konrad Grimm »

Original von Montgomery Scott
Wenn Menschen auf diese Weise interagieren, ist es für mich eigentlich recht naheliegend, von einem System zu reden.
Und, in welchem System könnte sowas denn nicht passieren? Wenn in der sozialistischen Planwirtschaft die Planer versagen dürfte das Ergebnis noch verheerender ausfallen. Insofern sehe ich nicht, inwiefern es hier um eine Systemfrage geht.

Wenn wir über das System reden, dann vertuschen wir doch, dass es eigentlich in Wahrheit nur das Versagen zwar vieler, aber doch vieler einzelner war. Natürlich ist es einfacher, über das "System" zu reden. Denn wenn wir über die individuellen Versager reden, dann müssten wir uns ja die Frage stellen: Und woher kriegen wir jetzt eine bessere Führungsschicht? Und noch schlimmer: Wir können uns nie sicher sein, dass es nicht wieder passiert.
 

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Kaiser
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Beitrag von Konrad Grimm »

Original von Montgomery Scott
Dann besteht diese Verantwortung aber nur darin, dass er die ihm angebotenen Investitionsinstrumente überhaupt nutzt.
Und dass er es an der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt bei der Auswahl seiner Geschäftspartner fehlen lässt; und sowas nennt man juristisch Fahrlässigkeit. Das ist nicht zu vergleichen mit dem Vorsatz, in dem unsere Eliten gehandelt haben (die Immobilienkrise hat sich mindestens vier Jahre vorher angekündigt, es kann mir keiner erzählen, dass das den Führungseliten nicht bekannt war), aber auch etwas, wofür sich jeder Anleger erstmal auch selbst an die Nase fassen muss.
 

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Damit man von Fahrlässigkeit reden kann, müsste der Anleger ja im Stande sein, zu erkennen, dass der Berater Mist mit seinem Geld macht. Und das kann man vom durchschnittlichen Anleger gerade nicht behaupten.
 

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