Original von Konrad Grimm
Diese Krise hat viele Väter und Mütter. Die momentane öffentliche Wahrnehmung - die Politik als Retter im Chaos, den die böse Privatwirtschaft angerichtet hat - ist jedenfalls falsch.
Soweit gebe ich Dir recht.
Und ganz zum Schluß sollte man den einfachen Bürger, der sich jetzt so groß empört, nicht aus der Verantwortung lassen: Er hat die Politiker gewählt, die das zugelassen haben, er hat sich die jetzt ins Depot gelegten Vermögenswerte ausgesucht oder jedenfalls die falschen Anlageberater.
Eher letzteren. So gesehen ist der "einfache Bürger" aber völlig aus der Verantwortung entlassen. Er musste sich für irgendwelche Leute entscheiden, deren Kompetenz er nicht vollständig beurtielen konnte. Andernfalls bräuchte er sie ja nicht.
Wer einen Hauptverantwortlichen will, der findet ihn in der politischen, nicht in der privatwirtschaftlichen Sphäre. Der Hauptverantwortliche heißt Alan "Lord of the Bubbles" Greenspan. Er trägt die meiste Verantwortung für diese Krise - ist zugleich aber nur ein Baustein.
Insgesamt würde ich mehr Verantwortung für dieses Desaster bei der Politik sehen als in den Konzernzentralen, ohne letztere in Schutz nehmen zu wollen. Auch in der deutschen Politik. Dass ein Peer Steinbrück für die KfW und ein Erwin Huber für die Bayern LB nicht ihren Hut nehmen mussten, ist ein schlechter Scherz.
Unter dem Strich bleibt Versagen bei sehr, sehr vielen einzelnen. Hieraus ein Systemversagen zu konstruieren ist zu einfach.
Mit Deiner vorhergehenden Aufzählung hast Du ja bereits deutlich gemacht, dass eigentlich fast alle Ebenen irgendwie involviert waren - außer eben die ganz normalen Bürger. Wenn Menschen auf diese Weise interagieren, ist es für mich eigentlich recht naheliegend, von einem System zu reden.