Natürlich reden wir hier nicht von einer Entwicklung binnen eines Zeitraumes weniger Jahre. Und auch nicht von einer nach westlichem Muster gestrickten Staats- und Gesellschaftsordnung als Ergebnis. Sondern von einem vielleicht Jahrzehnte oder Generationen überspannenden Prozess, an dessen Ende ein afghanischer Staat stünde, der die politischen und religiösen Traditionen seiner Bewohner mit "modernen" Ideen synthetisiert.Original von Djimon Mwanzi
Ich wäre glatt dafür, weil es so schön klingt. Aber: Afghanistan ist nach dem Senioritäts- und nicht dem Intellektualitätsprinzip organiseirt. Selbst wenn dem nicht so wäre, dürften es afghanische Intellektuelle in einem Land ohne westliche Militärpräsenz schwer haben, ihre Vorstellungen frei zu entwickeln. Oder überhaupt am Leben zu bleiben.
Dazu tragen die derzeitige Präsenz ausländischer Truppen in Afghanistan sowie das von diesen gestützte Marionettenregime aber überhaupt nichts bei. Sie generieren nur eine bereits weit fortgeschrittene Spirale der Gewalt. Auch solche Bevölkerungsschichten und -gruppen die den Taliban eigentlich in keiner Weise nahestehen, aber an Traditionen wie ihrer islamischen Religion und jahrtausendealten Stammeskultur festhalten, empfinden sie als letztlich feindliche Besatzer. Als eine fremde Macht, die ihrem vertrauten und weil als bewährt empfunden bejahten Gemeinwesen völlig andersartige Ideen und Konzepte überstülpen will. Das treibt den Taliban nur immer mehr Unterstützer zu, die ihnen politisch bzw. theologisch eigentlich gar nicht nahestehen.
Frieden zwischen den Völkern kann es nur geben, wenn man jedes von ihnen seinen Weg gehen lässt. Damit, die Afghanen ihren Weg gehen zu lassen und sie dabei unter Bewahrung ihres Selbstbestimmungsrechts zu unterstützen, haben die militärische Präsenz und der von den ausländischen Truppen forcierte Bürgerkrieg in Afghanistan nichts zu tun.



