Zunächst mal schummelst du wenn du so tust, als müsste ohne Dienstpflichtige jeder Rettungswagen mit zwei oder mehr Rettungsassistenten besetzt werden. Rettungssanitäter ist meines Wissens z. B. gar kein mit einer vollschichtigen Ausbildung verbundener Beruf, sondern erfordert nur einen nach Stunden bemessenen Lehrgang. Ebenso der Rettungsdiensthelfer.
Soderla, Rettungsdienst für Anfänger, Teil 1:
Ich habe von Anfang an gesagt : Auf einem Rettungswagen können nicht zwei Zivis fahren (womit ich dir Recht gegeben habe), weil mindestens 1 Rettungsassistent dabei sein muss. Und der "zweite Mann" (zumeist Fahrer) ist dann ein Rettungssanitäter, ein Lehrgang der meist aus mehreren Wochenenden sowie zwei Praktika (Klinikum und Rettungswache besteht). Dies ist ein Lehrgang der meist von Ehrenamtlichen Helfern gemacht wird, oder eben im Rahmen des Zivildienstes oder FSJ. Und nicht wenige dieser Zivis oder FSJler bleiben später weil sie die Faszination des "Abenteuers Menschlichkeit" entdecken.
Ein Krankentransportwagen könnte sogar nur mit Zivildienstleistenden besetzt werden, nämlich mit Rettungssanitätern, Rettungsdiensthelfern (der grundsätzlich ein RS ohne Praktika ist) und auch mit Sanitätshelfern / Sanitätern. So sinken die Kosten erheblich und man kann eine bessere, flächendeckendere Abdeckung bei gleich hoher Qualität bieten.
Der Wegfall des Zivildienstes böte die Möglichkeit, im Rettungswesen Arbeitsplätze für Leute zu schaffen, die eine berufliche Betätigung ohne mehrjährige Ausbildung suchen, oder eine Teilzeitbeschäftigung oder eine Zuverdienstmöglichkeit. Auch sage ich ja nichts gegen freiwilliges ehrenamtliches Engagement, oder will dieses irgendwem verbieten.
Du vergisst hier einen zentralen Punkt - Arbeitsplätze sind Kostenfaktoren. Und diese kann sich das Rettungswesen nicht erlauben. Nicht noch mehr. Nicht wenn Qualität und Flächendeckung gewährleistet sein sollen.
Dann müsste man entweder Geld für den RD verlangen (was armen Leuten eine Rettung unmöglich machen würde) oder an Material oder Wachen sparen. In jedem Fall ein Qualitätsverlust.
Und natürlich muss der Rettungsdienst wirtschaftlich im Sinne von mindestens kostendeckend sein. Was glaubst du denn wo das Geld herkommen soll? Wenn der Rettungsdienst seine Kosten nicht wieder hereinholt, muss er irgendwie subventioniert werden. Sei es direkt durch finanzielle Zuschüsse oder eben indirekt durch die Bereitstellung z. B. für ihn zunächst preiswerter Arbeitskräfte. Auch das kostet aber irgendwann irgendwo Geld. Dienstpflichtige zahlen wie schon gesagt keine Steuern und Sozialabgaben, und haben weniger Geld für Konsum zur Verfügung. Man kann die Kosten nur verlagern, aber nicht gänzlich verschwinden lassen.
Rettungsdienst für Anfänger, Teil 2:
Der Rettungsdienst ist Sache des Landkreises. Dieser beauftragt eine oder mehrere Hilfsorganisationen (Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser, Arbeiter-Samariter-Bund etc pp) mit der Durchführung von rettungsdienstlichen Maßnahmen. Der Kreis ist hierbei zum Teil für die Finanzierung zuständig, zum Teil finanziert sich der Rettungsdienst durch Spenden, und zum Teil durch Mitgliedsbeiträge der ehrenamtlichen Helfer. Jeder weitere Kostenfaktor schädigt aber dieses System in dem jetzt schon das Geld knapp ist. Schaut man sich in Deutschland fahrende Rettungsfahrzeuge an schüttelt man oftmals entsetzt mit dem Kopf - weil schon hier das Geld fehlt. Wenn nun noch höhere Personalkosten entstehen als bislang schon, wird die Qualität noch weiter nachlassen.
Deine Argumentation, dass Leistungsempfänger etwas für die erhaltene Leistung zurückgeben sollen geht schon in die richtige Richtung. Nur ist die Erbringng un- oder schlechtbezahlter Arbeitsleistungen als Lösungsansatz falsch. Richtig ist vielmehr, dass Rettungseinsätze eben adäquat bezahlt werden müssen. Wem das eigene Leben und die eigene Gesundheit nichts wert sind, dem ist ironisch gesprochen nicht zu helfen.
Du kannst von niemandem ernsthaft verlangen wollen für Rettungsmaßnahmen auch noch Geld zu bezahlen oder? Also mal ganz im Ernst, das wäre mE sogar verfassungsrechtlich fraglich (Recht auf Leben etc pp). Deutschland ist im RD vorbildlich weil eben jeder zu jeder Zeit die Möglichkeit hat bei gesundheitlichen Notfällen kompetente Hilfe zu bekommen - von Zivildienstleistenden, FSJlern, ehren- und hauptamtlichen Einsatzkräften der Hilfsorganisationen sowie der Feuerwehren in Deutschland. An diesem System das sich so bewährt hat zu rütteln halte ich für sinnfrei, da es sich als das beste herausgestellt hat.
Falsch ist hingegen dein Versuch, die Dienstpflicht durch ihren temporären Charakter nicht als Verletzung der Berufsfreiheit zu qualifizieren. Dann wäre es ja auch keine Verletzung der Freiheit, jemanden "nur" vorübergehend einzusperren. Später würde er ja schließlich wieder freigelassen und könnte gehen, wohin er will?
Tja nun. Die Dienstpflicht verletzt nicht die Berufsfreiheit da immer noch jeder seinen Beruf frei wählen kann - er ist ja schließlich nicht beruflich im Rettungs- oder Sozialwesen eingebunden, sondern im Rahmen einer verfassungsmäßigen Pflicht.
Dass nur Männer einer Dienstpflicht unterliegen habe ich mir schließlich auch nicht ausgedacht. Demokratie ist nun mal nicht die Herrschaft von Vernunft und Gerechtigkeit, sondern von Meinungen und Stimmungen. Da ist automatisch im Vorteil, wer wie Frauen eine lautstarke und gefürchtete Lobby hat, die andere Leute eben nicht haben.
Das durchaus. Aber die Gesetze macht der Bundestag, und der sollte mal für die Einhaltung der Verfassung sorgen. Denn Männer werden hier klar benachteiligt. Es heißt immer Frauen wollen die gleichen Rechte wie Männer - aber den gleichen Pflichten nachkommen, das geht dann natürlich zu weit.