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Registriert: So 18. Mär 2007, 17:49
Doppel-As
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Registriert: Sa 13. Jun 2009, 12:32
Darauf nochmal eine Antwort. Ich glaube doch, dass wir es mit einer globalen Unterkonsumkrise zu tun haben könnten. Wir haben mehrere bedeutende Wirtschaftsnationen, die ihre Bevölkerung auf Unterkonsum trimmen - namentlich Deutschland, China, Japan. Diese Länder verfolgen eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, wollen Investitionen fördern und verlangen dafür Lohnzurückhaltung. Der Witz ist aber: Ohne Konsum verläuft das Investieren ins Nichts. Deswegen ist diese Politik eigentlich eine Neuauflage der Merkantilisten: Man hortet Kapital, ohne dass daraus irgendwelcher Wohlstand entstehen könnte.Original von Damian Fuller
Die Ursachen der Krise liegen definitiv wo anders.
Und diese Situation haben wir jetzt im Grunde schon über zehn Jahre. Deswegen hat das Kapital - mangels sinnvollen Investitionen - zunächst eine Flucht in die Aktienmärkte versucht. Folge war die Dotcom-Blase. Und dann wurde man cleverer: da waren doch noch die amerikanischen Verbraucher, die äußerst konsumwillig waren. Wenn man nun dafür sorgen könnte, dass die mehr Geld zum Ausgeben haben, und damit noch verdienen könnte...?
Wenn ich mich mit dieser Interpretation irren sollte, dann könnte die Alternative allerdings noch schlimmer sein. Wir haben seit zehn Jahren kein reales Wirtschaftswachstum mehr erlebt, sondern nur die Illusion von Wachstum. Wenn das nicht an der politischen Fehlsteuerung der Angebotspolitiker liegt, der BWLisierung des Staates, dann wäre die zweite Erklärung das Ende der Knappheit von Kapital und damit das von Keynes in seiner "Allgemeinen Theorie von Beschäftigung, Zins und Geld" beschriebene Ende des Kapitalismus.
So und so - die richtigen volkswirtschaftlichen Schlüsse scheinen mir von der Linken zu kommen, ganz sicher nicht von CDU/CSU und FDP.
Demokratie ist die Diktatur der Mehrheit.
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Registriert: Mo 27. Apr 2009, 23:32
O nein, ich denke du liegst keinesfalls falsch, ich halte diese Interpretation für überaus zutreffend. :daumen:
Ausgangspunkt der jüngst in einer globalen Wirtschaftskrise gegipfelten Entwicklung war, dass Unternehmer und Politiker in Westeuropa und Nordamerika dem "Japanismus" verfallen sind: auch sie wollten endlich Millionen von Erwerbstätigen, die weitaus mehr körperliche und seelische Ressourcen in ihre Erwerbstätigkeit investieren als der typische Bürger der westlichen Welt in den Nachkriegsjahrzehnten, um Produkte herzustellen, welche auf einem konsumfreudigen und kaufkräftigen Markt konkurrenzfähig sind, die sie dabei aber materiell extrem knapp halten können, und die zur Krönung nicht nur zufrieden mit ihren Lebensumständen sind, sondern sogar dankbar für diese. Ausgebrochen ist dieses Fieber wohl endgültig nach dem Zusammenbruch der nominalsozialistischen Diktaturen in Osteuropa, als deren Nachfolgeregierungen durch eine vergleichbare Politik den wirtschaftlichen Anschluss an die westeuropäischen Staaten suchten.
Was diese Neoliberalalas dabei dummerweise immer übersehen ist, dass ihnen als Produzenten auch irgendwo Konsumenten gegenüberstehen müssen. Es nutzt nichts, in Deutschland seine Mitarbeiter rauszuschmeißen und Fotohandys künftig in Rumänien zu produzieren, denn für die dann von Hartz IV lebenden eigenen Ex-Arbeitnehmer sind sie immer noch zu teuer, ebenso wie für die eigenen Lohnsklaven oder die Masse der Japaner.
Wenn man sein Kapital aber nicht mehren kann bzw. will, indem man es zur Produktion gewinnbringend zu verkaufender Güter einsetzt, muss man sich andere Wege suchen, wie etwa die Mehrung durch effektiv sinnbefreites Hin- und Herschieben. Das hat man schon mal so gemacht, in den 1920-er Jahren, und auch die damals aufgeblasene Blase ist schließlich mit einem lauten Knall geplatzt, denn irgendwann hatte man Nennwerte in Papier- bzw. Giralgeld, denen keine annähernd entsprechenden dinglichen Gegenwerte mehr gegenüberstanden.
Der Weg aus der Krise ist zynischerweise genau das, was die Neoliberalalas unablässig propagieren: ein Mentalitätswechsel! Nur nicht in ihrem Sinne, dass ihre Arbeitnehmer immer mehr arbeiten und immer weniger verdienen. Sondern in dem Sinne, dass die Kapitaleigner die eigentlichen Produzenten auch wieder als Endkonsumenten begreifen und in die Lage versetzen, diese Rolle wirksam zu erfüllen.
Union und FDP sind weit davon entfernt, irgendwas davon begriffen zu haben. Sie propagieren effektiv ein stumpfes "Weiter so!", schmieren den Leuten Honig um den Bart, indem sie eine Senkung auch des Eingangssteuersatzes von Lohn- bzw. Einkommensteuer versprechen. Die kann aber nicht anders gegenfinanziert werden als z. B. durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auch auf z. B. Grundnahrungsmittel. Insofern haben Böhmer und Oettinger Recht, sind nur unendlich schlechtere Wahlstrategen als Merkel - sie hat kapiert, dass das in Relation zur "Wechselstimmung" im Land und den Umfrageergebnissen desaströse Wahlergebnis der Union vor vier Jahren ganz wesentlich von der Forderung nach einer Mehrwertsteuererhöhung herrührte. Also heuchelt sie jetzt Entwarnung, und wenn Schwarz-Gelb erst mal im Sattel sitzt, wird der ermäßigte Mehrwertsteuersatz u. U. - etwa nach dänischem Vorbild - ganz gekappt, und auch von dem Geld, das Personen, die keinen Nutzen aus einer Senkung der Lohn-/Einkommensteuersatzes ziehen - Rentner, Arbeitslose, Bezieher von Einkommen unter dem Existenzminimum, von Unterhaltsleistungen des Ex-Partners lebende Alleinerziehende, Studenten - für Brot, Kartoffeln, Nudeln, Obst und Gemüse, Mineralwasser usw. an der Supermarktkasse lassen, fließt fast ein Fünftel an den Fiskus, um den Nettozuwachs der Besser- und Gutverdiener zu finanzieren. Diese werden den dann wiederum kaum in die Schaffung qualifizierter Vollzeitstellen investieren, sondern an die nun natürlich durch sinnvolle Regulierungen garantiert sicheren Finanzmärkte tragen.
Ausgangspunkt der jüngst in einer globalen Wirtschaftskrise gegipfelten Entwicklung war, dass Unternehmer und Politiker in Westeuropa und Nordamerika dem "Japanismus" verfallen sind: auch sie wollten endlich Millionen von Erwerbstätigen, die weitaus mehr körperliche und seelische Ressourcen in ihre Erwerbstätigkeit investieren als der typische Bürger der westlichen Welt in den Nachkriegsjahrzehnten, um Produkte herzustellen, welche auf einem konsumfreudigen und kaufkräftigen Markt konkurrenzfähig sind, die sie dabei aber materiell extrem knapp halten können, und die zur Krönung nicht nur zufrieden mit ihren Lebensumständen sind, sondern sogar dankbar für diese. Ausgebrochen ist dieses Fieber wohl endgültig nach dem Zusammenbruch der nominalsozialistischen Diktaturen in Osteuropa, als deren Nachfolgeregierungen durch eine vergleichbare Politik den wirtschaftlichen Anschluss an die westeuropäischen Staaten suchten.
Was diese Neoliberalalas dabei dummerweise immer übersehen ist, dass ihnen als Produzenten auch irgendwo Konsumenten gegenüberstehen müssen. Es nutzt nichts, in Deutschland seine Mitarbeiter rauszuschmeißen und Fotohandys künftig in Rumänien zu produzieren, denn für die dann von Hartz IV lebenden eigenen Ex-Arbeitnehmer sind sie immer noch zu teuer, ebenso wie für die eigenen Lohnsklaven oder die Masse der Japaner.
Wenn man sein Kapital aber nicht mehren kann bzw. will, indem man es zur Produktion gewinnbringend zu verkaufender Güter einsetzt, muss man sich andere Wege suchen, wie etwa die Mehrung durch effektiv sinnbefreites Hin- und Herschieben. Das hat man schon mal so gemacht, in den 1920-er Jahren, und auch die damals aufgeblasene Blase ist schließlich mit einem lauten Knall geplatzt, denn irgendwann hatte man Nennwerte in Papier- bzw. Giralgeld, denen keine annähernd entsprechenden dinglichen Gegenwerte mehr gegenüberstanden.
Der Weg aus der Krise ist zynischerweise genau das, was die Neoliberalalas unablässig propagieren: ein Mentalitätswechsel! Nur nicht in ihrem Sinne, dass ihre Arbeitnehmer immer mehr arbeiten und immer weniger verdienen. Sondern in dem Sinne, dass die Kapitaleigner die eigentlichen Produzenten auch wieder als Endkonsumenten begreifen und in die Lage versetzen, diese Rolle wirksam zu erfüllen.
Union und FDP sind weit davon entfernt, irgendwas davon begriffen zu haben. Sie propagieren effektiv ein stumpfes "Weiter so!", schmieren den Leuten Honig um den Bart, indem sie eine Senkung auch des Eingangssteuersatzes von Lohn- bzw. Einkommensteuer versprechen. Die kann aber nicht anders gegenfinanziert werden als z. B. durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auch auf z. B. Grundnahrungsmittel. Insofern haben Böhmer und Oettinger Recht, sind nur unendlich schlechtere Wahlstrategen als Merkel - sie hat kapiert, dass das in Relation zur "Wechselstimmung" im Land und den Umfrageergebnissen desaströse Wahlergebnis der Union vor vier Jahren ganz wesentlich von der Forderung nach einer Mehrwertsteuererhöhung herrührte. Also heuchelt sie jetzt Entwarnung, und wenn Schwarz-Gelb erst mal im Sattel sitzt, wird der ermäßigte Mehrwertsteuersatz u. U. - etwa nach dänischem Vorbild - ganz gekappt, und auch von dem Geld, das Personen, die keinen Nutzen aus einer Senkung der Lohn-/Einkommensteuersatzes ziehen - Rentner, Arbeitslose, Bezieher von Einkommen unter dem Existenzminimum, von Unterhaltsleistungen des Ex-Partners lebende Alleinerziehende, Studenten - für Brot, Kartoffeln, Nudeln, Obst und Gemüse, Mineralwasser usw. an der Supermarktkasse lassen, fließt fast ein Fünftel an den Fiskus, um den Nettozuwachs der Besser- und Gutverdiener zu finanzieren. Diese werden den dann wiederum kaum in die Schaffung qualifizierter Vollzeitstellen investieren, sondern an die nun natürlich durch sinnvolle Regulierungen garantiert sicheren Finanzmärkte tragen.
Vanessa H. Garland
Inselpräsidentin der Westlichen Inseln a. D.
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