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Sicher kann man einwenden, dass z. B. die Iren Angst haben, dass ihnen in der Abtreibungsfrage Werte aufgezwungen werden, die sie nicht teilen. Allerdings hat es Irland gerade in dieser Frage schon oft sehr weit getrieben. Ich erinnere hier mal an einen Fall aus 1992:

http://www.verhuetungsmuseum.at/museum/ ... ter/?id=45
Extremisten unter den Gegnern wollten sogar ein (Aus)reiseverbot für Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter erzwingen, damit sie nicht zum Abbruch ins Ausland reisen könnten. Anlassfall war das tragische Schicksal einer Vierzehnjährigen, die 1992 aufgrund einer Vergewaltigung durch den Vater ihrer besten Freundin schwanger geworden war. Sie hatte mit Hilfe ihrer Eltern einen Schwangerschaftsabbruch in England vereinbart. Als diese bei der Polizei nachfragten, ob es sinnvoll wäre fötales Gewebe für eine DNA-Analyse mitzubringen, um den Mann der Vergewaltigung zu überführen, untersagte die Polizei dem jungen Mädchen die Ausreise. Dies löste einen gewaltigen Proteststurm aus; erst im letzten Moment erlaubte der Oberste Gerichtshof dem verzweifelten Mädchen schließlich, das Land für einen Abbruch zu verlassen.
Dennoch kam es anschließend zu einer Volksbefragung, ob Frauen im gebärfähigen Alter jederzeit ausreisen dürfen oder die Ausreise nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt werden sollte. Glücklicherweise wurde diese unglaubliche Einschränkung der Rechte von Frauen mehrheitlich abgelehnt.
Entschuldigung, wenn ich es in diesem ZUsammenhang schroff sagen muss, aber: Die Iren mussten der EU nicht beitreten, sie taten es freiwillig. Und deshalb müssen auch sie sich an bestimmte allgemeine Werte halten, wie etwa den, das einer Vergewaltigten auf jeden Fall ein Abtreibungsrecht zusteht.
 

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Kathryn Janeway-Palm
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Ich denke, idiotische und lebensfremde Vorschläge wie das Ausreiseverbot für Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter kommen überall irgendwann mal auf, in Deutschland nennen wir sowas gemeinhin "Sommertheater". ;) Der auch von dir zitierte "gewaltige" (!) Proteststurm sowie Ausgang der Volksbefragung (was immer das bedeuten mag, ich vermute, es war sowieso nur eine bloße Meinungsumfrage) zeigen, dass das sowieso nicht ernstgenommen wurde.

Für den EU-Beitritt Irlands gab und gibt es gewichtige Gründe (auch wenn neoliberale CDU'ler es nicht wahrhaben wollen: auch ich bin ja für die europäische Einigung!), aber ebenso für gewisse Sorgen: in manchen europäischen Ländern sind Abtreibungen bis zur 22. Schwangerschaftswoche (!) möglich, und das aus Gründen wie: "Ja, ich hab halt nicht verhütet, aber jetzt habe ich eben Urlaub gebucht, und da kann ich kein Kind gebrauchen..."

Das ist eine ganz andere Dimension als Schwangerschaftsabbrüche aus einer Notlage heraus, wie z. B. nach einer Vergewaltigung!
 

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Vanessa H. Garland
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Eine Harmonisierung würde niemals eine solche Maximalposition bedeuten. Schwangerschaftsabbrüche würden wohl durch eine EU-Regelung nur mindestens bis 12. Wochen erlaubt.
 

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Kathryn Janeway-Palm
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Und ohne jede vernünftige Indikation, sondern auf bloßes Verlangen. Es gibt nun mal kein Verhütungsmittel, das nicht in irgendeiner Weise störend oder lästig wäre. Also geht man die Sorgfalt dabei eher lax an, und wenn "etwas" passiert, lässt man "es" eben "wegmachen". Das ist nun einmal die Ungeisteshaltung vieler Menschen heutzutage, und wenigstens die Iren stellen sich ihr entschieden entgegen!

Zur Klarstellung: ich verteidige hier nicht die geltenden irischen Gesetze zur Abtreibung! Auch ich befürworte ohne Wenn und Aber das Recht, in einer Notlage abzutreiben. Aber ich denke nicht, dass die Besorgnis der Iren sich um die Zulassung von Abtreibungen bei gesundheitlichen Gefahren für die Mutter oder nach Vergewaltigungen dreht. Sie befürchten eine bloße Fristenregelung, die das ungeborene Leben in seinen ersten Lebenswochen schrankenloser Willkür und Opportunismus ausliefert.
 

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Vanessa H. Garland
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Ich sage es mal so: Die Iren können immer noch ihre Posiition einbringen. Sie können immer noch die minimalistische Harmonisierung (Abtreibung muss in Notsituationen legal sein) fordern.

Ich bin hier auch wieder eher in einer Position, in der ich die Fristenlösung ablehne. UNd zwar aus Gleichberechtigungsgründen. Der Mann hat nämlich keine legale Möglichkeit, über die Frage, ob er ein Kind will, mitzubestimmen, sondern ist durch das Abtreibungsrecht auf Gedeih und Verderb der Frau ausgeliefert.
 

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Kathryn Janeway-Palm
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Na, hurra! ;) Wie viele Iren - 3,5 Millionen? - fordern das gegen 80 Millionen Deutsche, jeweils 60 Millionen Briten und Franzosen, 40 Millionen Spanier, immerhin noch 8 Millionen Österreicher oder Schweden... Mehrheiten sind auch und gerade in einer Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie verpflichteten Gemeinwesen nicht immer alles!

Deine Überlegungen zum väterlichen Mitbestimmungsrecht sind interessant und bedenkenswert, sie fügen der ohnehin schon schwierigen Diskussion eine weitere, komplexe Dimension zu: ein Mensch ist nicht nur ein Mensch, er ist auch Kind seiner Eltern - seiner beiden Eltern...
 

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Vanessa H. Garland
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Der Kompromiss hier wäre, das die Fristenlösuing völlig abgeschafft und durch die reine Indikatorenlösung ersetzt wird. Immerhin sind Frauenrechtlerinnen auch sofort dabei, wenn es darum geht, biologische Ungleichheiten zwischen Mann und Frau per Gesetz auszugleichen, in dem man Betroffene dazu zwingt, diese Unterschiede zu ignorieren. Warum nicht auch in der Abtreibungsfrage so verfahren?
 

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Kathryn Janeway-Palm
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Beitrag von Lady Enigma »

Eventuell muß auch nicht alles europaweit gleichgeschaltet werden. Was gehen Abtreibungen die EU an. Logisch, daß das in verschiedenen Ländern unterschiedlich betrachtet wird. Wenn sich die EU etwas zurücknehmen würde in ihrer ausufernden Kompetenzanmaßung, wäre viel gewonnen.
 

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Nicolas Gomez Davila
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Beitrag von Fabian Montary »

Die EU gehen Abtreibungen erst einmal wenig an. Allerdings gibt es innerhalb der Union laut dem Vertrag, welchen auch die Republik Irland unterzeichnet hat, die Personenverkehrsfreiheit und da hat Irland seine Bürger nicht daran zu hindern, in ein EU-Ausland zu reisen – aus welchen Gründen die Person auch immer ausreisen will.
 

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[b]Professor Dr. Dr. Fabian von Montary[/b]
[b][size=85]OEL MP HCR RM[/size][/b]
[size=85]Präsident der Unionsstiftung für Kultur, Gesellschaft und Geschichte
Dekan des Roldemian Institute for History an der Montary University
Staatsarchivar der Republik Roldem und Honorarkonsul im Dominion Cranberra
Sprecher des Parlaments von Roldem und Abgeordneter für den Wahlkreis W. City of Montary[/size]

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[size=85][img]http://img.roldem.ro/wappen_montary.png[/img][/size]
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Beitrag von Lady Enigma »

Das ist richtig, aber eine andere Frage.
 

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