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Unterhauswahl UK
Verfasst: Fr 7. Mai 2010, 12:36
von Palin Waylan-Majere
Das Schreckensszenario vom "Hung Parliament" hat sich
erfüllt.
Was glaubt ihr, was jetzt passiert? Wie wird eine neue britische Koalitions- oder Minderheitsregierung die enorme Staatsverschuldung eindämmen?
Es wird auf jeden Fall spannend in den nächsten Tagen.
Verfasst: Fr 7. Mai 2010, 13:26
von Richard Stresemann
Angesichts dessen, dass Labour wohl nur mit quasi allen anderen Abgeordneten gemeinsam eine Mehrheit gegen die Conservatives hinbekäme und das keine Option ist, wird es auf eine Koalition aus Conservatives und Liberal Democrats hinauslaufen. Und wie wird diese Regierung die Staatsverschuldung eindämmen? Gar nicht. Nicht die Schulden sind das Problem, sondern das Vertrauen. Verschuldung kann potentiell bis ins unendliche steigen (siehe Japan), solange noch Gläubige(r) vorhanden sind. Gleichzeitig können einem bereits geringe Schulden das Genick brechen, wenn das Vertrauen wegbricht (siehe Spanien).
Natürlich muss die Politik übers Sparen schwadronieren, weil die Masse der Menschen den ökonomischen Horizont unserer Regierung hat: von der schwäbischen Hausfrau leitet man die Gesetzmäßigkeiten der Weltwirtschaft ab. Dabei kennt unser System nur einen Treibstoff: Vertrauen (= Kredit; "Vertrauen ist der Anfang von allem").
Das wiederum kann aber die britische Regierung allein kaum schaffen, vor allem nicht, solange die wichtigste europäische Wirtschaftsnation mit schwäbischer Küchenlogik geführt wird.
Verfasst: Fr 7. Mai 2010, 14:02
von Melissa Adelaide
Die Tories klammern aber am geltenden relativen Mehrheitswahlrecht, das die Liberal Democrats natürlich gerne durch ein Verhältniswahlrecht ersetzen möchten. In den Wochen vor der Wahl lagen sie in Umfragen bei um die 30%, einmal sogar vor Tories und Labour! Derzeit können sie nach meinem Kenntnisstand mit etwas über 50 Mandaten rechnen, gälte das Verhältniswahlrecht wären es hingegen mehr als 200! Oder sogar noch mehr, denn möglicherweise entgehen ihnen derzeit Stimmen in Wahlkreisen, in denen sie chancenlos sind und eine Stimme für sie daher mutwillig weggeworfen wäre.
Vielleicht lassen sie es auf das rasche Scheitern einer Tory-Minderheitsregierung ankommen und hoffen darauf, nach baldigen Neuwahlen (1974 hatte Großbritannien schon mal zwei Unterhauswahlen binnen eines Jahres) mit Labour zusammengehen und das Wahlrecht ändern zu können.
Verfasst: Fr 7. Mai 2010, 14:14
von Richard Stresemann
Original von Melissa Adelaide
In den Wochen vor der Wahl lagen sie in Umfragen bei um die 30%, einmal sogar vor Tories und Labour!
Die sie nun bei weitem nicht bekommen haben. Die LibDems sind ein Medienphänomen. Sie haben diese historische Chance vergeben, die kommt nicht wieder.
Verfasst: Sa 8. Mai 2010, 11:59
von Lord Macshire
Original von Richard Stresemann
...
Dem einzigen, dem ich zustimmen kann, ist, daß es auf Schulden nicht ankommt. Das ist sicher richtig. Deutschland hat noch nie irgendwelche Schulden abgebaut. Von Politikern wird es ja schon als "Erfolgsmeldung" verkauft, wenn die Neuverschuldung
gesenkt wurde. Nein, in Wahrheit geht es allein um die Zinsen, die auf diese Schulden fällig werden. Wenn eine Bank Geld verleiht, lebt diese Bank ja nicht davon, daß sie das Geld irgendwann wiederbekommt, sondern davon, daß für das Geld Zinsen gezahlt werden. Solange die Zinsen also weiter gezahlt werden (können), ist alles in Ordnung und die Bank wird einem noch mehr Geld leihen.
Darauf basiert ja auch die gesamte Zinswirtschaft, die der Motor des Kapitalismus und letztlich des Fortschritts - unbestritten - ist.
Aber die Zinsen werden doch dann zum Problem, wenn sie immer höher werden und Einkünfte immer mehr fesseln, so daß Geld für andere notwendige Ausgaben fehlen.
Neue Schulden machen, um die Zinsen zu finanzieren ? Das macht ja der Staat bereits. Nur wielange soll das gehen ? Irgendwann wird diese "Blase" doch einmal platzen. Vertrauen hin, Vertrauen her.
Insofern halte ich diese Aussagen für sehr leichtsinnig und blauäugig.
Verfasst: Sa 8. Mai 2010, 16:11
von Richard Stresemann
Original von Lord Macshire
Neue Schulden machen, um die Zinsen zu finanzieren ? Das macht ja der Staat bereits. Nur wielange soll das gehen ?
Solange, wie alle dran glauben.
Wir können alles schaffen genau wie die toll
dressierten Affen wir müssen nur wollen
wir müssen nur wollen
wir müssen nur wollen
wir müssen nur wollen
Natürlich knallt es irgendwann. Aber das ist nicht zu vermeiden. Wir können nur noch auf Zeit spielen.
http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF41441 ... ntent.html
Verfasst: So 9. Mai 2010, 21:29
von Lord Macshire
Frei nach dem Motto "Nach mir die Sinnflut...", wenn so verantwortungsvolle Politik aussieht...
Verfasst: Mo 10. Mai 2010, 20:24
von Richard Stresemann
Original von Lord Macshire
Frei nach dem Motto "Nach mir die Sinnflut...", wenn so verantwortungsvolle Politik aussieht...
Dauert eh nicht mehr lange. Das System hat gestern seine Ardennenoffensive gestartet.
RE: Unterhauswahl UK
Verfasst: Mi 12. Mai 2010, 22:17
von Richard Stresemann
Original von Palin Waylan-Majere
Das Schreckensszenario vom "Hung Parliament" hat sich
erfüllt.
Verblüffend, wie schnell die Briten ne Regierung hinstellen.
Verfasst: Do 13. Mai 2010, 16:00
von Sir Quincy MacDonald
Davon sollte sich NRW mal eine Scheibe abschneiden.
