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Steuernummer für alle

Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 23:02
von Nikolai Vovocka
Ab dem 1. Juli wird jeder einzelne Bundesbürger - vom Baby bis zum Greis - durchnummeriert. Eine elfstellige Zahlenkombination wird jeden einzelnen Bundesbürger dann ein Leben lang begleiten. Die Finanzbehörden wollen damit Bürokratie abbauen und gleichzeitig Steuersündern besser auf die Schliche kommen. Doch Kritiker sehen erhebliche Risiken in der neuen Identifikationsnummer: Sie erleichtere dem Fiskus nicht nur die Kontrolle des Bürgers, sondern ließe sich auch für ganz andere Zwecke missbrauchen.

Barbara Hendricks, Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium verteidigt die neue Steuernummer. Sie mache es den Bürgern einfacher: "Jetzt steht der Mensch im Zentrum, nicht mehr die Bedürfnisse der Finanzverwaltung."
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"Unter der einheitlichen Identifikationsnummer könnte man theoretisch sämtliche Verwaltungsinformationen bündeln", meint Bettina Gayk von der Landesdatenschutzbehörde Nordrhein Westfalen. Das sei zwar nicht mit der Verfassung vereinbar, aber: "Der Weg dahin ist mit dieser Nummer bereitet. Man muss wachsam sein, dass keine weiteren Schritte in diese Richtung übernommen werden", so Gayk.

Dass Behörden die ihnen zugestandenen Befugnisse auch bereitwillig anderweitig nutzen, zeigt das Beispiel des Kontenabrufverfahrens: Seit zwei Jahren können Finanzämter auf Knopfdruck abfragen, über welche Konten und Depots ein Bürger verfügt. Mehrere hundert Male täglich machen die Ämter davon Gebrauch, und inzwischen haben auch weitere Behörden Zugriff auf die Daten. Ursprünglich hatte das Gesetz aber einen ganz anderen Zweck, nämlich die Gelder von Terroristen einzufrieren.

Mit der lebenslangen Steuer-ID wird das Kontrollnetz der Behörden noch enger. Das Ergebnis: Der gläserne Bürger. Schließlich wird über die Nummer das ganze Erwerbsleben transparent. "Die Gefahr, dass auch andere Stellen außer den Finanzämter darauf zugreifen wollen und können, ist im Moment noch nicht einschätzbar", warnt die Datenschützerin Gayk.
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Bei allem Bürokratieabbau bleibt ein fader Beigeschmack. Die Kontrolle durch den Fiskus endet nicht einmal am Grab: Weil Steuerstraftaten erst nach langer Zeit verjähren, erlischt die elfstellige Nummer erst zwanzig Jahre nach dem Tod.
Quelle: n-tv.de

Früher hätte das einen Aufschrei/heftige Kritik zumindest unter den jung-idealistischen Klassisch-Liberalen, Libertären, Anarchisten etc. verursacht. Heute ist man wirklich schon an so was gewöhnt glaube ich.

Die meisten Staatslinken juckt es vermutlich eh nicht, da damit das schlimmste aller Verbrechen, die Steuerflucht, besser verhindert werden soll.
Und die Liberalen und Liberal-Konservativen sind unpolitisch geworden, haben resigniert oder - wie in meinem Fall - sind keine Idealisten mehr.

Ich finde den (angeblichen) Bürokratieabbau an der Sache sogar ok, wenn er mir auch nicht wichtig erscheint.
Obwohl ich bei der Steuererfassung "von der Wiege bis über die Bahre hinaus" immer noch ein komisches Gefühl habe. Sind aber wohl Nachwehen des Idealismus. ;)

Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 23:07
von Konrad Grimm
Die Hervorhebung ist geil. Der Zynismus des Jahres.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 13:12
von Rainer Zufall
Das erinnert mich an meinen Physikunterricht in der Mittelstufe. Unser Lehrer sprach die Schüler grundsätzlich nicht beim Namen an, sondern teilte ihnen Nummern zu, ich war die 15.

Verfasst: Mo 22. Sep 2008, 12:59
von Thorstein Richter
Original von Rainer Zufall
Das erinnert mich an meinen Physikunterricht in der Mittelstufe. Unser Lehrer sprach die Schüler grundsätzlich nicht beim Namen an, sondern teilte ihnen Nummern zu, ich war die 15.
Erinnert mich ein bisschen an Dr. House ...

Verfasst: Mo 22. Sep 2008, 13:00
von Rainer Zufall
Original von Thorstein Richter

Erinnert mich ein bisschen an Dr. House ...
Nein, Dr. House wollte sich ja schließlich nicht ein Haus ohne Fenster(!) bauen, was ihm dann aber von der Stadt verboten wurde.

Verfasst: Mo 22. Sep 2008, 13:01
von Thorstein Richter
Wieso will man ein Haus ohne Fenster bauen ?

Verfasst: Mo 22. Sep 2008, 13:09
von Rainer Zufall
Wenn man an Paranoia leidet?

Verfasst: Mo 22. Sep 2008, 15:54
von Palin Waylan-Majere
Original von Rainer Zufall
Das erinnert mich an meinen Physikunterricht in der Mittelstufe. Unser Lehrer sprach die Schüler grundsätzlich nicht beim Namen an, sondern teilte ihnen Nummern zu, ich war die 15.
Welche Nummer hatte der Lehrer? Doppelnull?

Verfasst: Mo 22. Sep 2008, 15:57
von Rainer Zufall
Original von Palin Waylan-Majere

Welche Nummer hatte der Lehrer? Doppelnull?
Keine, dafür hatte er äußerst faszinierende Ansichten zu Frauen, Katzenquälerei und dem Leben in Afrika (Womit fahrt ihr da? Fred-Feuerstein-Autos?) =)

Verfasst: Mo 22. Sep 2008, 19:50
von Vincent Bellagio
Wenn er gern in einem Haus ohne Fenster leben möchte soll er sich doch einen Bunker suchen. =)