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Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 08:46
von vSzP
Mir missfällt, dass Horst Köhler aufgrund seiner Tätigkeit beim Sparkassenverband auf eine niedrigere Stufe gestellt wird als z.B. die Universitätsprofessorin Gesine Schwan.
Dahinter steckt das alte Märchen, dass Ökonomen weniger drauf haben als zum Beispiel Juristen oder Philosophen. Die das immer wieder behaupten. Ich behaupte einmal, dass Horst Köhler mit seinen Tätigkeiten insgesamt mehr erreicht hat als die meisten anderen Deutschen: und zwar deutschland- aber auch weltweit.
Die Verbesserung der deutschen Bildungslandschaften (Bildung ist nämlich auch immer noch Ländersache!) ist ein elementarer Schritt in die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Aber: ich warne davor, sämtliche Anstrengungen auf diesen Bereich zu legen. Wirtschaftswachstum, Staatsverschuldung, Reform und Effizienz des Staatswesens: wir haben mehrere wichtige Baustellen in diesem Land.
Wie ein Pendelschlag konzentrieren sich die Anstrengungen aktuell im Bildungsbereich. Wir sollten die anderen Bereiche nicht vergessen.
Und da lobe ich mir den Einsatz Horst Köhlers für Afrika - der den Kontinent wie kein anderer kennt und dort beachtet wird. Kofi Annan empfand die Wahl Horst Köhlers zum deutschen Staatsoberhaupt als ein Glücksgriff für den schwarzen Kontinent - der aufgrund seiner Bodenschätze aktuell sowieso schwer umworben wird (siehe China).
Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 11:00
von Franz Xaver Fischer
Original von vSzP
[..] Wirtschaftswachstum, Staatsverschuldung, Reform und Effizienz des Staatswesens: wir haben mehrere wichtige Baustellen in diesem Land. [...]
Gerade dieses Wachstumsdenken ist das Problem der Ökonomen. Ein Wirtschaftssystem dass immer größtmöglichstes Wachstum anstrebt, kann auf Dauer nicht funktionieren.
Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 11:26
von vSzP
Original von Franz Xaver Fischer
Gerade dieses Wachstumsdenken ist das Problem der Ökonomen. Ein Wirtschaftssystem dass immer größtmöglichstes Wachstum anstrebt, kann auf Dauer nicht funktionieren.
Ach, und warum nicht?
Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 11:33
von Franz Xaver Fischer
Weil die natürlichen Ressourcen begrenzt sind. Wachstum geschieht meistens auf Kosten dieser Ressourcen, die irgendwann zur Neige gehen.
Und weil unsere Vorstellungen von "Wachstum" total pervertiert sind. Als der Öltanker Exxon Valdez vor Alaska havarierte, stieg das BIP auf Grund der nötigen Reinigungsarbeiten etc um mehrere Milliarden US-Dollar. Krebsekrankungen und Verkehrsunfälle (Versicherungsschaden) wirken sich ebenfalls positiv aufs BIP aus. Kurz: Mehr Wachstum bedeutet nicht mehr Lebensqualität, sondern oft weniger.
Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 11:41
von vSzP
Das ist ein typisch grünes Gedankenkonstrukt.
Stell dir ein Spielfeld mit 1000 Spielern vor, jeder handelt nach eigenen Interessieren. Manche Spieler finden sich zusammen (aber nie mehr als 200), manche wollen lieber alleine bleiben. Das Spielfeld verändert sich ebenso. Mal ist es kreisförmig, mal rechteckig. Alles ist Veränderung.
Und jetzt versuch du mal da eine optimale Ordnung reinzubringen. Das schaffst du vielleicht für eine Sekunde, aber durch die Neuorientierung in der nächsten Sekunde sind deine Planungen zunichte gemacht worden.
Das ist Wirtschaft. Und weil sich eben stets alles ändert (Märkte, Wünsche...) entstehen dauernd neue Möglichkeiten. Und diese Möglichkeiten nennt man Wachstum.
Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 12:38
von Montgomery Scott
So einfach ist es aber nicht unbedingt. Natürlich braucht eine kapitalistische Gesellschaft Wirtschaftswachstum, es ist allerdings eine empirische Tatsache, dass dieses Wirtschaftswachstum auch tatsächlich miit immer größeren Ressourcen-Anforderungen einhergeht. Man kann natürlich mit staatlicher Steuerung Schleichwege schaffen wie z. B. die frühzeitige Förderung erneuerbarer Energien aber genau das wird ja von neoliberalen Politikern mit ganz unterschiedlichen Begründungen immer wieder kritisiert.
Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 12:49
von vSzP
Original von Montgomery Scott
So einfach ist es aber nicht unbedingt. Natürlich braucht eine kapitalistische Gesellschaft Wirtschaftswachstum, es ist allerdings eine empirische Tatsache, dass dieses Wirtschaftswachstum auch tatsächlich miit immer größeren Ressourcen-Anforderungen einhergeht. Man kann natürlich mit staatlicher Steuerung Schleichwege schaffen wie z. B. die frühzeitige Förderung erneuerbarer Energien aber genau das wird ja von neoliberalen Politikern mit ganz unterschiedlichen Begründungen immer wieder kritisiert.
Es gibt genügend wirtschaftspolitische Probleme und offene Fragen. Ich plädiere dafür, die zu lösen bevor man sich unnötige Gedanken zu Privateigentum macht. Was die Deutsche Bank und Herr Ackermann zusammen ausmachen ist deren Sache und nicht unsere.
Wachstum, das Märchen hatten wir ja eben schon in diesem Forum. Für Wachstum gibt es immer mehrere Gründe. Aufgrund der knappen Ressourcen werden diese erst einmal eine höhere Rolle spielen (das ist ja gerade der Fall: Preisstieg in Europa, harter Kampf in Afrika etc. pp.), deren Rolle wird aber langfristig gesehen abnehmen weil man sich gleichzeitig auf Techniken einstellt, die eben weniger Ressourcen brauchen. Aber mit jedem Euro mehr, den man für Benzin ausgeben muss, steigt das Interesse an regenerativen Ideen.
Darüber hinaus: wer sorgt heute für günstige Lebensmittel in einer 1a-Qualität, für sichere Automobile, Gesundheitsprodukte? Die von dir verhasste Wirtschaft und nicht der Staat. Nur die Wirtschaft ist Garant für günstige Produkte - die sich jedermann leisten kann.
Daneben: viel Wachstum wird auch von innen heraus geschaffen: z.B. durch den Einsatz neuer EDV-Mittel. Was heutige Unternehmen schaffen ist auch neuer EDV zu verdanken. ERP-Software die Inventuren spart, Software, die unternehmensweit den aktuellen Bestand an Erzeugnissen auflistet etc. etc. etc. Das alles schafft auch Wachstum weil Unternehmen heute schneller reagieren können und effizienter arbeiten als noch vor 10 Jahren.
Danach: was glaubst du würde für Wachstum entstehen wenn erstmal alle Grenzen offen wären? Das wäre fantastisch. Innerhalb von Jahrzehnten würden sich die Lebensverhältnisse weltweit angleichen - wollen wir das nicht alle?
Wachstum. Der muss ja meinetwegen nicht immer in Deutschland oder Europa stattfinden, sondern eben auch in China oder Afrika. Aber auch dieser Wachstum trägt dazu bei, dass es den Menschen besser geht.
Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 13:16
von Montgomery Scott
Original von vSzP
Es gibt genügend wirtschaftspolitische Probleme und offene Fragen. Ich plädiere dafür, die zu lösen bevor man sich unnötige Gedanken zu Privateigentum macht. Was die Deutsche Bank und Herr Ackermann zusammen ausmachen ist deren Sache und nicht unsere.
Die Frage nach dem Privateigentum der Produktionsmittel
ist eine wirtschaftspolitische Frage.
Darüber hinaus: wer sorgt heute für günstige Lebensmittel in einer 1a-Qualität, für sichere Automobile, Gesundheitsprodukte? Die von dir verhasste Wirtschaft und nicht der Staat. Nur die Wirtschaft ist Garant für günstige Produkte - die sich jedermann leisten kann.
Weder hasse ich die Wirtschaft noch liebe ich den Staat. Wie Hans-Christian Ströbele so schön sagte: "Stolz gilt der Leistung und Liebe den Menschen". Zum Gedankenkonstrukt "Die Wirtschaft" sollte man ein ganz emotionsloses Verhältnis haben.
Du unterstellst mir ein (durch vulärmarxistische Gegenbeispiele sicher nicht ganz unbegründetes) simples Bild der kapitalistischen Ordnung, das ich so nicht habe. Weder ist "der Kapitalismus" für mich etwas Böses, noch ist es "die Wirtschaft". Negativ sind für mich die negativen Folgen der spezifischen Strukturmerkmale des Kapitalismus und die Menschen, die diese negativen Folgen übersehen und den Kapitalismus deshalb unkritisch verteidigen und quasi zum höchsten Gut erheben.
Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 13:19
von Palin Waylan-Majere
Original von vSzP
Das ist Wirtschaft. Und weil sich eben stets alles ändert (Märkte, Wünsche...) entstehen dauernd neue Möglichkeiten. Und diese Möglichkeiten nennt man Wachstum.
Oder Spekulationsblase.
Verfasst: Sa 24. Mai 2008, 13:28
von vSzP
Original von Montgomery Scott
Die Frage nach dem Privateigentum der Produktionsmittel ist eine wirtschaftspolitische Frage.
Denke ich nicht. Die Frage ist seit 1949 ausreichend beantwortet. Ich würde mir sogar wünschen, dass soviel Klarheit bei anderen Fragen herrschen würde.
Negativ sind für mich die negativen Folgen der spezifischen Strukturmerkmale des Kapitalismus und die Menschen, die diese negativen Folgen übersehen und den Kapitalismus deshalb unkritisch verteidigen und quasi zum höchsten Gut erheben.
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum du dich dann nur mit den kapitalistischen Merkmalen auseinandersetzt. Deine Kritik sollte doch eher so ablaufen: Problem sehen --> anaylieren --> Antwort drauf finden (grob

). Es gibt letztendlich doch nur zwei Möglichkeiten: Privat oder Staat. Ergo muss man beide Möglichkeiten für jedes Problem betrachten: wäre es z.B. besser die Stromversorgung Deutschlands in den staatlichen Händen zu behalten oder muss die Bundesrepublik Deutschland staatseigene Reisebüros besitzen? Im ersten Fall kann man - denke ich - eher richtung Staat tendieren (Stromnetz), im zweiten Fall mehr Richtung Markt.
Wenn es dir am lösen solcher Probleme gelegen ist, dann musst du auch offen für die Antworten sein. Das bist du aber nicht. Es kommt augenscheinlich garnicht bei dir vor, dass manchmal eben auch der Staat das Übel sein kann.