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Verfasst: Do 25. Mär 2010, 18:23
von Bernardo Macaluso
Original von Melissa Adelaide

Ein Mensch dient seiner Gemeinschaft, indem sein eigennütziges Handeln auch positive Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.
Das ist nur eine Variante von im normativen Sinne sozialen Handelns.
Das Eigennutz und Eigenverantwortung nicht dem bundesrepublikanischen Staats- und Gesellschaftsverständnis entsprechen ist mir wohlbewusst. Wohin uns das geführt hat sehen wir ja: Staat überschuldet, soziale Sicherungssysteme trotz Millardenzuschüssen und Enteignungen von Beitragszahlern defizitär
Das ist deswegen der Fall, weil die grundlegendsten Regeln des Keynesianismus in Deutschland missachtet werden. Das Konzept funktioniert nur, wenn Staatsausgaben in Boom-Zeiten hohe Staatseinnahmen gegenüberstehen. Deutsche Regierungen bevorzugen es aber auf Anraten von Leuten, die ihre Geburtstagsparties im Kanzleramt veranstalten, in Boom-Phasen die Steuern zu senken.

Verfasst: Do 25. Mär 2010, 20:03
von Tony Gold
Ich fass es kurz diesmal : Sowohl Zivis selbst als auch ich halten absolut nichts von deiner merkwürdigen Argumentation, und wir die wir aktiv sind im "Abenteuer Menschlickeit" freuen uns weiterhin über jeden der bereit ist seinen Zivildienst bei uns abzuleisten um selbst seinen Dienst am anderen zu leisten.
Und egal wie viele Gedanken du dir machst - es ist nichts so wie der Ernstfall.

Verfasst: Fr 26. Mär 2010, 11:34
von Melissa Adelaide
Original von Bernardo Macaluso
Das ist nur eine Variante von im normativen Sinne sozialen Handelns.

Das ist deswegen der Fall, weil die grundlegendsten Regeln des Keynesianismus in Deutschland missachtet werden. Das Konzept funktioniert nur, wenn Staatsausgaben in Boom-Zeiten hohe Staatseinnahmen gegenüberstehen. Deutsche Regierungen bevorzugen es aber auf Anraten von Leuten, die ihre Geburtstagsparties im Kanzleramt veranstalten, in Boom-Phasen die Steuern zu senken.
Es ist die einzig funktionale Variante normativ sozialen Handelns. Entkleidet man gemeinschaftsbezogenes Handeln der einander entsprechenden Aspekte Eigennutz und Eigenverantwortung und stellt stattdessen auf einen mittel- bis längerfristig eintretenden Ausgleich von Lasten und Nutzen altruistischer Handlungen für jeden Einzelnen ab, fördert man die Entstehung einer Gesellschaft, in der der Einzelne sich zur Lastentragung weitgehend unfähig macht oder (ver-)stellt, aber unter Verweis auf Solidaritätserwägungen weiterhin seinen Einbezug in die Verteilung des Nutzens altruistischer Handlungen einfordert. Siehe Bundesrepublik Deutschland.

Deiner Analyse der Ursachen für die finanzielle Misere der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Sozialsysteme kann ich mich auf einem einfachen Nenner indes durchaus anschließen. Es wurde schlicht wirtschaftlich unvernünftig gehandelt. In prosperierenden Zeiten wurde noch mehr Wohlstand konsumiert als bereits erarbeitet war. Das im Vertrauen auf eine weitere Steigerung des Wohlstandes in der Zukunft, die sowohl mindestens den Erhalt des geschaffenen Lebensstandards als auch die Bereinigung zur seiner Schaffung gemachter Schulden ermöglichen würde.

Verfasst: Fr 26. Mär 2010, 11:44
von Melissa Adelaide
Original von Tony Gold
Ich fass es kurz diesmal : Sowohl Zivis selbst als auch ich halten absolut nichts von deiner merkwürdigen Argumentation, und wir die wir aktiv sind im "Abenteuer Menschlickeit" freuen uns weiterhin über jeden der bereit ist seinen Zivildienst bei uns abzuleisten um selbst seinen Dienst am anderen zu leisten.
Und egal wie viele Gedanken du dir machst - es ist nichts so wie der Ernstfall.
Wenn du eine Argumentation entlang der Prinzipien Freiheit, Eigenverantwortung und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit als "merkwürdig" empfindest kann ich dir nur einen Rat geben: werde Politiker.

Verfasst: Fr 26. Mär 2010, 12:09
von Ot Helfsen
Original von Bernardo Macaluso
Das ist nur eine Variante von im normativen Sinne sozialen Handelns.
Bis jetzt wurde noch kein - wäre auch seltsam, weil das eigentlich ein Gottesbeweis sein könnte - reiner Altruismus irgendwo in der Natur entdeckt. Reziproker Altruismus ist unter sozialen Lebewesen weit verbreitet. Dieser ist aber biologisch eine evolutionär erfolgreiche Variante des kooperativen genetischen Individualismus.
Das ist deswegen der Fall, weil die grundlegendsten Regeln des Keynesianismus in Deutschland missachtet werden. Das Konzept funktioniert nur, wenn Staatsausgaben in Boom-Zeiten hohe Staatseinnahmen gegenüberstehen.
Dass der Keynesianismus aufgrund menschlicher Schwächen, politischem Machterhalts-Streben und der Eigendynamik des politischen Systems - hier besonders der modernen Massendemokratie, aber vermutlich allgemein - nie längerfristig funktioniert hat, ist empirisch und logisch nachzuvollziehen. Es war aber auch nie wirklich der Anspruch und warum sollte er es sein, auch und gerade von Politikern, langfristig irgend etwas stabil bzw. aufrecht zu erhalten.
Auf lange Sicht sind wir alle tot. Das war im Prinzip fast immer die Tendenz von etablierter politischer Herrschaft.
Deutsche Regierungen bevorzugen es aber auf Anraten von Leuten, die ihre Geburtstagsparties im Kanzleramt veranstalten, in Boom-Phasen die Steuern zu senken.
Also das war das Problem. ;) Nicht die Ausgaben, sondern die eigentlich immer zu wenigen Steuern und Einnahmen. Wenn man nur die Steuern rechtzeitig hochsetzen würde, wäre alles gut. Das halte ich für eine Illusion.
Gleichzeitig aber natürlich kann man durch (wirklich strukturelles bzw. strukturänderndes Einsparen) nur eines machen: Sich für die relevanten Interessengruppen und damit Wähler und Finanziers unnütz machen. Dann wird man abgewählt. Nur große Idealisten ziehen das durch. Diesbezüglich war Gerhard Schröder ein kleiner Idealist. Er lief sehenden Auges in seine Abwahl.

Verfasst: Fr 26. Mär 2010, 17:17
von Bernardo Macaluso
Original von Melissa Adelaide
Es ist die einzig funktionale Variante normativ sozialen Handelns. Entkleidet man gemeinschaftsbezogenes Handeln der einander entsprechenden Aspekte Eigennutz und Eigenverantwortung und stellt stattdessen auf einen mittel- bis längerfristig eintretenden Ausgleich von Lasten und Nutzen altruistischer Handlungen für jeden Einzelnen ab, fördert man die Entstehung einer Gesellschaft, in der der Einzelne sich zur Lastentragung weitgehend unfähig macht oder (ver-)stellt, aber unter Verweis auf Solidaritätserwägungen weiterhin seinen Einbezug in die Verteilung des Nutzens altruistischer Handlungen einfordert. Siehe Bundesrepublik Deutschland.
Ach so ist das. Deswegen steigen also die Arbeitslosenzahlen immer weiter: Es woillen einfach immer weniger arbeiten. Hey, fang doch beim ifo-Institut an.
Deiner Analyse der Ursachen für die finanzielle Misere der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Sozialsysteme kann ich mich auf einem einfachen Nenner indes durchaus anschließen. Es wurde schlicht wirtschaftlich unvernünftig gehandelt. In prosperierenden Zeiten wurde noch mehr Wohlstand konsumiert als bereits erarbeitet war. Das im Vertrauen auf eine weitere Steigerung des Wohlstandes in der Zukunft, die sowohl mindestens den Erhalt des geschaffenen Lebensstandards als auch die Bereinigung zur seiner Schaffung gemachter Schulden ermöglichen würde.
Schön, dass wir uns auch mal einig sind ;)

Verfasst: Fr 26. Mär 2010, 17:43
von Melissa Adelaide
Original von Bernardo Macaluso
Ach so ist das. Deswegen steigen also die Arbeitslosenzahlen immer weiter: Es woillen einfach immer weniger arbeiten. Hey, fang doch beim ifo-Institut an.

Schön, dass wir uns auch mal einig sind ;)
Jein. Das ist schon etwas komplexer. Einerseits ist es nun mal eine Tatsache, dass sich gerade für Nicht- oder Geringqualifizierte eine Erwerbstätigkeit auf Grund des Umfanges staatlicher Transferleistungen für Erwerbslose kaum noch lohnt. Der Reallohn, hier im Sinne der Differenz zwischen Arbeitseinkommen und staatlichen Transferleistungen nach dem SBG, liegt mitunter bei unter 1 €/Std. Dafür morgens nicht aufzustehen hat nun weniger mit Dekadenz als mit Klugheit im Sinne einer persönlich ökonomischen Kosten-Nutzen-Abwägung zu tun.

Andererseits ist ein äquivalentes Phänomen aber auch auf Arbeitgeberseite zu beobachten. Die Lohn- und Lohnnebenkosten für einen nicht- oder geringqualifizierten Arbeitnehmer übersteigen derzeit vielfach seine Produktivität und sind vom Arbeitgeber zu tragen. Lässt dieser den Arbeitnehmer also zu Hause sitzen und von der sog. Solidargemeinschaft aushalten, streuen sich die Kosten für seinen Lebensunterhalt breiter, nämlich auf alle Steuer- und Abgabenzahler. Notfalls kann, wie längst aktualisiert, der Staat ja quasi unbegrenzt Kredite aufnehmen um unmittelbare Transferleistungen zu erbringen und die Sozialversicherung für die Mitversorgung Erwerbsloser zumindest teilweise zu entschädigen.

Der Wohlfahrtsstaat macht es einfach für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer unattraktiv weil unökonomisch, bestimmte Arbeitsleistungen nachzufragen bzw. anzubieten.

Und dass wir tatsächlich Einigkeiten erzielen können überrascht mich wenig. Du scheinst mir weit links des sozialdemokratischen Mainstreams zu stehen, während ich weit rechts der FDP stehe. Nach dem Hufeisen-Schema, das ich für sehr bemerkenswert halte, stehen wir uns durch unsere Radikalität also näher als klassische Sozialdemokraten und Neoliberale einander.

Verfasst: Fr 26. Mär 2010, 19:51
von Palin Waylan-Majere
Das Hufeisenschema ist doch wohl großer Mist. Der gleiche Unfug wie Backes & Jesse, die großen Totalen! Pfui Spinne.

Im übrigen könnte man ja meinen, dass sich für manche Leute das Arbeiten tatsächlich nicht lohnt, weil in der BRD seit Mitte der neunziger Jahre die Löhne kaum gestiegen sind, gleichzeitig ein riesiger Niedriglohnsektor aufgebaut wurde.

Verfasst: Sa 27. Mär 2010, 16:23
von Melissa Adelaide
Nein, das Hufeisenschema ist keineswegs Mist, sondern zur Darstellung gewisser Zusammenhänge geeignet. Auf einer Geraden kann man einen kritiklos staatsgläubigen Sozialdemokraten nach dem Muster eines typischen SPD-Linken ganz links darstellen und einen in Gestalt von Subventionen, Lohnkostenzuschüssen oder Zerschlagung der Unternehmen seiner Konkurrenten staatsgeilen Neoliberalen ganz rechts. So weit, so hübsch.

Nur passen z. B. Marxisten und klassische Liberale nicht in dieses Schema. Natürlich erscheinen Sie mit Ihren Emphasen auf kollektive Produktions- und Lenkungsprozesse bzw. individuelles Unternehmertum und Wettbewerb zunächst als natürliche Antagonisten. Aber beide verbinden eben auch zentrale Ideen wie der Glaube an die Freiheit als naturrechtliche Größe oder die Anerkenntnis einer materiellen Dimension der Freiheit, mithin eine sozusagen positive Ambivalenz gegenüber dem Anarchismus. Das Hufeisenschema drückt diese Parallelen und Näherungen aus.

Und der Niedriglohnsektor in Deutschland ist nur die logische Kosequenz jahrzehntelangen Lebens über den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen. Was heute an Wohlstand fehlt, wurde schon verbraucht und muss jetzt eben "nachgearbeitet" werden.