Seite 24 von 26
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 15:01
von Lady Enigma
Wenn es das täte, hielte ich mehr von der EU.
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 15:15
von Vanessa Garland
Original von Michael Schneider
Was gibt es gegen ein vereintes Europa einzuwenden?
Das ist nicht die Frage, sondern: wie ist ein vereintes Europa zu gestalten, damit es uneingeschränkt zu bejahen ist?
Zum einen hat es die historisch gewachsenen Traditionen, Mentalitäten und Anschauungen seiner verschiedenen (!) Völker zu berücksichtigen und zu respektieren. So diebisch ich mich ja freuen würde, wenn etwa im Zuge einer europäischen Harmonisierung des Medienrechts auch in Deutschland skandinavische Standards durchgesetzt, und der von der Leyen'sche Zensurappart eingestampft würde - so geht es nicht.
Europa ist eine Gemeinschaft unterschiedlichster historischer Erfahrungen, konfessionell und weltanschaulich geprägter Ideale und Gesellschaftsmodelle. Die Angst gerade kleiner Mitgliedstaaten wie Irland vor einer normativen Gleichschaltung in allen Lebensbereichen, und das gemäß Maßstäben, die für die dortige Bevölkerung nicht akzeptabel sind, ist verständlich und berechtigt.
Und zum anderen muss ein vereintes Europa mehr sein als eine vernetzte und deregulierte Operationsbasis für europäische Banken und Großkonzerne. Es muss im Wettstreit mit den USA, Japan, Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien usw. unmissverständlich die soziale und ökologische Verantwortung von Marktwirtschaft und Wettbewerb hochhalten, und in seinem eigenen Wirkungskreis konsequent durchsetzen.
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 15:37
von Michael Schneider
Original von Palin Waylan-Majere
Selten sieht man die Motivation mancher bedingungslosen Befürworter aller EU-Maßnahmen so offen wie hier: es geht der EU nicht um ein "soziales Europa" oder dergleichen, sondern um knallharten Imperialismus.
Nein es geht nicht darum dort einzumarschieren oder woran auch immer Du denkst. Es geht um nicht mehr als ein gemeinschaftliches Interessen vertreten.
Aber ich habe auch keine Lust in 30 Jahren abhängig zu sein, noch mehr als jetzt. Ich will ein stabiles Europa udn nciht eines, das sich selbst zerfleischt. Und ich bin für eine starke Sicherheitsvertretung einer EU, dafür sorgt, dass wir Drohgebärden von Atommächten wie Rußland oder China und auch den USA nicht wehrlos gegenüberstehen. Dabei ist Diplomatie und starke Wirtschaft unsere beste Waffe. Aber auch die geht nicht im Klein-Klein.
Deutschland ist bestes beispiel dafür. Jahrhunderte war das heilige römische Reich ein Flickenteppisch von hunderten freien Städten, Duodez-Fürstchen und Rittertümern, die sich gegenseitig fertig gemacht haben und auf dem Rücken der deutschen Bevölkerung die Kriege anderer nationen ausgetragen haben. Davon haben die Staaten profitiert, die damals groß und insgesamt einig waren, wie Frankreich oder England. Jetzt ist Europa der Flickenteppich. Und wir können uns aussuchen, ob wir bald zum Schlachtfeld fremder Interessen werden möchten oder nicht.
Ich sehe ein vereintes Europa als das an, was ein vereintes deutschland oder ein vereintes Italien für das 19.Jhd war: nicht nur eine romantische Vorstellung, sondern reine Pflichtmäßigkeit um der zeit gerecht zu werden.
Ich persönlich erhoffe, dass daraus irgendwann auch eine vereinte Welt entsteht, in der eine Uno nicht nur Staatenvertretung, sondern ein Menschenparlament wird.
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 16:25
von Vanessa Garland
Deine Parallele zwischen den Prozessen der deutschen und europäischen Eingung sind allerdings nicht ohne - ich unterstelle: ungewollten - Zynismus!
Spanien und Portugal in früheren, Großbritannien und Frankreich dann in späteren Jahrhunderten, nutzten die annähernde außenpolitische Handlungsunfähigkeit des HRR und seiner Nachfolgegebilde, um durch Mord und Räuberei zu Weltmächten aufzusteigen! Hochkulturen wurden ausgelöscht, Völker ausgerottet, Landstriche ausgebeutet und blutige Folgekriege für die Zeit nach ihrem Rückzug vorprogrammiert.
Wesentliche Triebfeder für die Gründung des nationalstaatlichen Deutschen Reiches war das Bestreben der deutschen Fürsten, sich an diesem Treiben endlich effektiv und erfolgreich beteiligen zu können, wie es endete, setze ich als bekannt voraus.
Überträgt man diese Situation in die heutige Zeit, formt sich das Bild einer genau solchen EU, wie wir sie nicht brauchen: einem neoliberalen Dorado für rücksichtslose Banker, Manager und Unternehmer, die mit ihren im Wortsinne asozialen und vielfach kriminellen Machenschaften nach wie vor die USA und Japan, in zunehmendem Maße auch die Schwellenländer aufmischen.
Ziel der EU muss es aber gerade sein, eine starke Gemeinschaft als echten, friedlichen, demokratischen, sozialen und ökologischen Gegenpol zu diesen Zuständen zu schaffen!
Davon schickt sie sich mit dem Lissaboner Vertrag an, sich weiter zu entfernen als zuvor...
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 16:47
von Lady Enigma
Liebe Frau Garland. Etwas abstrahieren kann hilfreich sein.
Die Argumentation von Schneider hat schon was für sich.
Und die Parallelen sind deutlich. In 50 Jahren ist ein einzelstaateneuropa, zumindest mit den Staaten im derzeitigen Zustand wieder Spielwiese fremder Mächte.
Hatten wir nach 45 lang genug. Und wenn ich sinngemäß gesagt habe, mehr Imperialismus täte gut, meinte ich eigentlich nichts anderes. Imperialismus bedeutet ja nicht unbedingt mehr das, was es vor hundert Jahren war.
Wenn wir nicht knallhart unsere Interessen vertreten, gehen wir baden. Nur fürchte ich, ist ein wirklicher Wandel in Mentalität und Gesinnung nötig, eben das rückgängig machen der beispiellosen gesellschaftlichen Degeneration, die uns 68 beschert hat.
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 17:01
von Heinrich Julius von Jagonburg
Eigentlich bräuchten wir eine Invasion von Russland in Osteruopa. Das würde die Vereinigungstendenzen beschleunigen.
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 17:38
von Jan-Claudius von Blomkohl Cullen
Integration geht anscheinend auch echt nur negativ gegen andere

Verfasst: Di 9. Jun 2009, 18:59
von Lady Enigma
Der natürliche Verbündete Deutschlands ist Russland....
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 19:23
von Heinrich Julius von Jagonburg
Original von Lady Enigma
Der natürliche Verbündete Deutschlands ist Russland....
Das ist DDR-Propaganda. Das Deutsche ist dem Russisch-Asatischen genau entgegengesetzt.
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 19:24
von Lady Enigma
Ich glaub, das hat Bismarck gesagt....
Wie auch immer, ich sehe das auch so.