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RE: Deutscher Uni-Betrieb

Verfasst: Di 25. Sep 2007, 11:36
von Karl Lagerquell
Original von Kreittmayr
Und zwar tatsächlich ... genau SO.
Ich bin wohl der Einzige, aber ich finde es eigentlich nicht so schlimm.
Vortragen müsst ihr - entsprechende Karriere vorausgesetzt - später im Berufsleben häufig genug. Da ist es nicht das Schlechteste, die entsprechende Erfahrung (wie man es nicht machen sollte) an der Uni gemacht zu haben.
Mir blieb ja die universitäre studentische Karriere erspart. Allerdings hielt ich meinen ersten Vortrag an einer Uni - ich war 21, hatte vorher noch nie einen Vortrag gehalten und war so schlecht, das mein Chef meinte er lässt mich nie mehr auf die MEnschheit los, wenn ich mir so etwas noch einmal erlaube =)

Irgendwann hat man den Dreh raus und hält ohne Powerpoint Folien und mit fünf Minuten Vorbereitungszeit einen Vortrag so, als hätte man im Leben nichts anderes gemacht.

Der Artikel im SOnline ist also witzig, aber belanglos.

Verfasst: Di 25. Sep 2007, 13:36
von Amber Marie Ford
Original von Montgomery Scott
Diese Indikatoren dürfen aber nicht falsch interpretiert werden. Eine solche Entwicklung könnte einerseits dadurch hervorgerufen werden, dass sich die Betreuungssituation in den Studiengängen verbessert, andererseits könnte sich auch schlicht der gesetzliche und finanzielle Druck auf die Studenten erhöhen, einen Studiengang so zügig wie möglich zu durchlaufen. Letzterer Fall hätte zwei negative Konsequenzen: 1. Die Ausbildung würde sich verschlechtern, da zugunsten eines zügigen Vorankommens Bildungsangebote ungenützt blieben und 2. ist eine gewisse Abbrecherquote, sofern sie anschließend einen anderen Studiengang beginnt, positiv zu bewerten, da man unter Umständen nun mal Zeit braucht, den richtigen Studiengang zu finden.
Diese Punkte kämen noch hinzu, und würden vermeintlich positive Auswirkungen der Erhebung von Studiengebühren nachträglich doch noch als negative Konsequenzen entlarven... :rolleyes:

Genau wie du befürchte wie schon ausgeführt auch ich, dass Studiengebühren langfristig dazu führen werden, dass die Lehrangebote vor allem kleiner und insbesondere philologischer und künstlerischer Institute und Lehrstühle ungenutzt bleiben werden, weil sowohl die Berufs- und Einkommensaussichten für ihre Absolventen in keinem Verhältnis zu den anfallenden Studiengebühren stehen, und zum anderen auch der hohe zeitliche und finanzielle Druck vom parallelen Studium mehrerer Disziplinien sowie der Teilnahme an freiwilligen, ergänzenden und vertiefenden Lehrveranstaltungen, auch und vor allem im interdisziplinären Bereich, abschrecken wird.

In der Konsequenz werden erst viele Lehrangebote verschwinden und Fachrichtungen aussterben, und langfristig die Gesellschaft geistig verkümmern und verarmen...

Verfasst: Di 25. Sep 2007, 15:44
von Eduard Johann von Jagonburg
Mein bislang bestes Referat habe ich bei einem Prof. gehalten, der diesbezüglich rigideste Beschränkungen auferlegt: Keine medialen Hilfsmittel außer höchstens drei Overhead-Folien, keine Handouts, freie Rede, maximal 15 Minuten Redezeit - und bei Überschreitung nach höchstens 30 weiteren Sekunden brachiales Abwürgen.

Und abgewürgt bzw. verrissen wurden so einige Teilnehmer dieses Seminars. Ich war der erste Referent in der ersten Sitzung, extrem aufgeregt, aber habe es wohl ganz gut bewältigt: "Gar nicht so übel - für ein Proseminar" - das war höchstes Lob aus seinem Mund, wie sich später herausstellen sollte.

Ich muss sagen, mir kamen diese strikten Auflagen sehr entgegen. Wenn der ganze Firlefanz um Powerpoint, 10seitige Handouts etc. wegfällt wird man nämlich gezwungen, sich auf den eigentlichen Kern eines Referats zu konzentrieren: Die überzeugende Rede, durch die in einem beschränkten Zeitraum die wesentlichen Fakten übersichtlich präsentiert werden müssen.

Werde bei dem Mann im kommenden Semester ein Hauptseminar belegen - trotz seines nicht gerade sympathischen Charakters.

Verfasst: Di 25. Sep 2007, 16:40
von Peter Vain
Nun im Prinzip ist das ja dann quasi wie der erste Teil der mündlichen Abiturprüfung.

Verfasst: Di 25. Sep 2007, 16:56
von SRM
Original von Peter Vain
Nun im Prinzip ist das ja dann quasi wie der erste Teil der mündlichen Abiturprüfung.
*harhar*Der Kelch ging immerhin an mir vorbei ;)

Verfasst: Di 25. Sep 2007, 17:36
von Hajo Poppinga
Original von SRM

Öhm....okay....bei uns in BaWü sind pro Semester 500 Euro + Studentenwerksbeitrag fällig....

Außerdem hat sich an der Uni nichts gebessert, im Gegenteil. Es wurden Veranstaltungen mit Verweis auf Geldermangel gestrichen...
In NRW legt das jede Hochschule selbst fest. In Münster haben sich die Studenten (nein, nicht diese gräßlichen "Studierenden") lange genug gewehrt und dann ordentlich Rabatz gemacht, so daß es vorerst nur 275€ sind. Ich befürchte aber, daß es dabei nicht bleiben wird.

Verfasst: Di 25. Sep 2007, 17:42
von Baudouin de Billancourt
Original von Peter Vain
Nun im Prinzip ist das ja dann quasi wie der erste Teil der mündlichen Abiturprüfung.
Ich vermute mal, es verhält sich bei den anderen Studenten hier auch so, dass das Abitur ein Fliegenschiss im Vergleich zu den Klausurphasen des Studiums ist...?

Verfasst: Di 25. Sep 2007, 17:46
von SRM
Original von Baudouin de Billancourt
Ich vermute mal, es verhält sich bei den anderen Studenten hier auch so, dass das Abitur ein Fliegenschiss im Vergleich zu den Klausurphasen des Studiums ist...?
Richtig, das Abitur bereitet vom Niveau her nicht ansatzweise auf die Uni vor.