Es steht jedem frei, sich angesichts dessen in Wehklagen über "undemokratische Gesinnung", "faschistische Hetze", "Lügenpropaganda", "Diktatur des Kapitals", "Machtkartelle" oder sonstiges zu ergießen und zu erklären, in wie vielen Punkten wie viel Prozent der Bevölkerung mit der Linkspartei übereinstimmen usw.
Eine der letzten Situationen, in denen man in diesem Land noch denken und tun darf, was man will, ist in der Wahlkabine. Wer für sich beschließt, dort auf Tod und Teufel nichts von der Linkspartei oder von Parteien, die mit dieser zusammenarbeiten wissen zu wollen, der tut nur sein gutes Recht.
Tatsache ist und bleibt, Frau Ypsilanti hat im Wahlkampf klar gesagt, sie werde nach der Wahl nicht mit der Linkspartei zusammenarbeiten. Hätte sie angekündigt, sich im Bedarfsfalle auch von dieser zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen, hätte das Wahlergebnis Anfang des Jahres höchst wahrscheinlich anders ausgesehen.
Ob sie die Ablehnung der Linkspartei durch weite Teile der Bevölkerung - und offenbar auch in der SPD und bei den Grünen, oder warum will man sich nur von dieser "tolerieren" lassen, anstatt eine ordentliche Koalition einzugehen? - nun teilt oder nicht, versteht oder nicht, für gut heißt oder nicht ist egal, auch sie hat das Recht auf ihre privaten Ansichten, aber sie hat kein (ethisches) Recht, vor der Wahl feierlich zu versprechen, sie werde sich nicht von der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen lassen um entsprechende Bedenken vieler Menschen zu zerstreuen und ihre Stimmen zu erhalten, um es nach der Wahl dann doch zu tun.
Wenn ich mich gutgläubig-dumm stelle könnte ich auch fragen, was Frau Ypsilanti gegen Neuwahlen hat, um das kraft ihrer eigenen Versprechung nie zur Abstimmung gestandene, überraschende Rot-rot-grüne "Halbbündnis" vollends demokratisch zu legitimieren, die Menschen also nochmals entscheiden zu lassen nachdem sie nun wissen, welche Alternativen wirklich zur Wahl steht: CDU/FDP oder SPD/Grüne oder SPD/Grüne mit Unterstützung der Linkspartei?
Wenn sie der Meinung ist, RotGrün mit Tolerierung durch die Linkspartei sei der Willen der Mehrheit der Menschen in Hessen - dann sollte sie sich doich entschieden dafür einsetzen, CDU und FDP das zu demonstrieren!
Oder weiß sie insgeheim etwa doch, dass ihr ein Debakel drohte...?