Original von Oliver von Palm
Das mag jetzt vielleicht erstmal arrogant klingen, aber ich sags trotzdem: Ja und? Müssen wir über das Leben in einer Diktatur detallierte Kenntnisse haben, um eine Diktatur als solche zu identifizieren und für verwerflich halten zu dürfen? Wenn du das meinst, hat die Gehirnwäsche bei dir in der Tat trefflich funktioniert. Außerdem weiß ich sicher genug über das Leben in der DDR, um mir ein Bild machen zu können. Es ist egal, wen man fragt: Jeder weiß von seinen ostdeutschen Kollegen, wie dort die "Arbeitsmoral" aussah. Sie war nicht vorhanden. Die Arbeiter produzierten am Montag das Soll für die ganze Woche, den Rest saßen sie dann in der Fabrikhalle und spielten Karten. Die Büroangestellten waren maximal 2 Stunden am Tag produktiv, den Rest wurde Kaffeeklatsch gehalten, eingekauft und Ähnliches. Das lag eher an 2 Tatsachen: Erstens gab es für Planübererfüllung eh keine Zulagen zum Lohn (von denen man eh nichts hätte kaufen können dank Mangelwirtschaft) und zweitens hatte man dank Recht auf Arbeit schlicht einen so gigantischen Personalüberhang, dass die Arbeit einfach nicht reichte. Nun meinte man nach der Wende, alles würde weitergehen wie bisher, nur dass man jetzt halt DM hätte und Soziale Marktwirtschaft. Und dann kam die bitterböse Realität über die bisherige kindische Traumwelt der DDR. Es war wie mit dem Kind, dass auf einmal feststellen musste, dass es weder Einhörner noch Kobolde, Trolle oder Drachen gibt. Und ganz plötzlich wollten sie wieder in ihre kindische Traumwelt zurück. Das ist nun mal die kalte Realität.
Schon klar. Man muß nix wissen ,um eine Menung zu haben.Spiegel lesen reicht.
Lustigerweise hast Du mit der Beschreibung der Arbeitswelt oberflächlich recht.
Aber eben nur oberflächlich.
Was solls, wir sprechen ja nichtmal die selbe Sprache, das scheint nur so. Mit den meisten Begriffen verbinde ich als Ossi ganz anderen Dinge, habe ganz andere Assoziationen und es existieren vollkommen andere Konotationen.
Haben wir mal getestet. Ist so.
Wenn wir Freiheit sagen, meinen wir was anderes als ihr. Und ihr könnt euch vermutlich nicht vorstellen, wie anders unser Freiheitsbegriff ist.
Leider haben wir das zu spät realisiert.
Der gebildete Mensch hat die Pflicht, intolerant zu sein
Nicolas Gomez Davila