Das ist schon wieder so eine verkürzte Sichtweise. Klar geht es theoretisch, das hat die bürgerliche Gesellschaft an sich: Theoretisch kann jeder alles erreichen. Aber je nach sozialer Position liegen einem eben mehr oder weniger Steine im Weg, das reicht von bürokratischen bis zu ideologischen oder auch finanziellen Gründen. Wenn man Bafög beantragen oder gar einen Bankkredit aufnehmen muss, um ein Studium zu beginnen, ist das eine immense Hürde, auch wenn sie einem auf den ersten Blick als nicht nennenswert erscheint. Wenn die Eltern negative Vorurteile gegen Akademiker haben und alle Freunde etwas anderes machen und keine Ambitionen auf ein Studium haben, ist das eine Hürde. Wenn Du von Haus aus kein Verständnis für Wissenschaft oder Karriereplanung mitbekommen hast, ist das eine Hürde. Und alles zusammen resultiert in extremen vertikalen sozialen Barrieren, die individuell nicht offensichtlich sind aber statistisch als prägend für unsere Gesellschaft ermittelbar sind.Original von David G. Whitman
In der Tat kommen aus diesem Bereich wenige Studenten, wobei man dazu auch die Tatsache beachten sollte, dass ein "Arbeiterkind" heutzutage kein Regelfall ist und ein "Arbeiterkind" nicht unbedingt eine schlechtere oder bessere Perspektive hat, als ein "Dienstleistungskind". Es kommt eben immer auf die Umstände an, und für die Umstände ist sicher das Bildungssystem zum Teil mitverantwortlich, aber auch diverse andere Dinge, wie Sozialisation etc.. Während Akademiker von ihren Kindern logischerweise den Gang zur Uni erwarten und vielleicht auch forcieren, ist das Studium in einkommensschwächeren Schichten vielleicht zu unsicher - und man zieht "etwas vernünftiges" (wie sich meine Eltern auch so schön ausdrückten), also eine Berufsausbildung vor. Eine ähnliche Haltung gibts sicher auch in der Wahl der Schulform etc.. Massive finanzielle Gründe gegen ein Studium sehe ich nicht; wem das Geld fehlt, der bekommt Bafög, und wer Bafög bekommt, der bekommt hier in NRW auch die Studiengebühren von der NRW Bank geschenkt. Wo der Wille da ist, da ist auch hierzulande ein Weg.
Quatsch, wieviele Steuern musst Du denn in Deutschland als Geringverdiener noch zahlen? Das würde erst zum Problem, wenn neoliberale Phantasien Wahrheit würden und wir eine lineare Einkommenssteuer bekämen. Der durchschnittliche Geringverdiener wäre schon froh, wenn man ihm noch viele Abgaben vom Lohn abziehen könnte.Und wie viele Menschen es erst aufregt, dass man von seinem kümmerlichen Lohn noch immens viele Abgaben abziehen lassen muss - wodurch der Lohn eigentlich oft erst kümmerlich wird...


