Antworten
Kaiser
Beiträge: 2902
Registriert: Sa 17. Mär 2007, 13:41
Kaiser

Beitrag von Konrad Grimm »

Original von Amber Marie Ford
Wobei man nicht unterschlagen darf, dass die SPD 1918/19 entscheidenden Anteil daran hatte, die Errichtung einer stalinistischen Rätediktatur nach sowjetischem Vorbild - wie von der KPD angestrebt - zu verhindern,
Die SPD war ja auch an der Macht. Warum die mit der KPD teilen? Der Egoismus der Sozialdemokraten hat den Sozialismus überwunden. Das hatte nichts mit ideologischen Differenzen zu tun.
Ich denke, diese Gleichstellung der SPD mit KPD, SED, LINKE usw. tut ihr grob Unrecht - tatsächlich hat sie über lange zeit dazu beigetragen, die bürgerliche Mitte auch gegen Attacken von linker Seite zu verteidigen,
Die SPD hat nur sich selbst verteidigt, und auch heute geht es mehr darum, dass die SPD um ihren Alleinvertretungsanspruch als Anwalt der sozialistischen Heilslehre fürchtet. Dass sich in der SPD zwischenzeitlich machtopportunistische Ideen entwickelt haben, denen der ideologische Überbau nur Mittel zum Zweck ist, ist typisch für eine herrschende Gruppierung.
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Beiträge: 971
Registriert: So 18. Mär 2007, 09:56
Original von Rudolf Höhnli
Wenn ich ihn im Himmel einmal antreffen werde, habe ich es sicher schwer, ihn davon zu überzeugen, daß das marktwirtschaftliche Kassensystem das bessere ist.
Weil Du es weder erlebt noch verstanden hast, wie aus Deinem Beitrag hervorgeht.
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Erleuchteter
Beiträge: 5381
Registriert: Do 15. Mär 2007, 12:30
Benutzeravatar
Erleuchteter
Original von Amber Marie Ford

Gelogen!

Der designierte Fraktionsvorsitzende der LINKEN im hessischen Landtag, Willi van Ooyen bezeichnet sich selbst als "Marxist" - und der Marxismus ist eine Strömung des Kommunismus, nicht des angeblich auch bestehenden "demokratischen Sozialismus". LINKE-Fraktionsmitglied Janine Wißler gehört einer trotzkistischen Kadergruppe an. Das macht mindestens zwei Kommunisten im hessischen Landtag, denkt man sie sich weg - wäre auch die rot-rot-grüne Mehrheitweg...
Sowas, ich bezeichne mich auch Marxist, bin aber kein Kommunist. Das Problem ist, dass der Begriff Kommunist eben nicht mehr sachlich verwendet werden kann. Ein Kommunist ist nach heutigem Verständnis jemand, der sich der stalinistischen Diktatur verbunden fühlt und das trifft eben auf Leute wie van Ooyen oder Wißler nicht zu.
Guten Morgen! In einer Rätediktatur gilt das imperative Mandat, in der parlamentarischen Demokratie ist der Abgeordnete weisungsunabhängig und nur seinem Gewissen unterworfen.
Richtig und bei einer politischen Entscheidung geht es nicht ums Gewissen.
Niemand weiß, wie viele SPD-Wähler für die gestimmt haben, und damit eine rot-grüne, rot-gelb-grüne, rot-schwarze bzw. schwarz-rote, oder meinetwegen auch rot-gelbe Koalition erreichen wollten.
Von den 140.769 Links-Wählern in Hessen sind nach Untersuchungen ca. 32.000 von der SPD gewechselt.
Tatsächlich denke ich, dürften diejenigen SPD-Anhänger, die eine Regierungsbeteiligung der LINKEN wollten diese darum auch gewählt haben - so wie in den 90'ern zahlreiche CDU/CSU-Anhänger vor allem in Süddeutschland FDP gewählt haben, um eine schwarz-gelbe Koalition im Bund zu sichern.
Das halte ich für unplausibel. Ein SPD-Wähler ist ein SPD-Wähler und bleibt auch einer. Tatsächlich hatte die SPD ja gerade darauf spekuliert, eine Mehrheit für rot-grün zu bekommen, wenn die Linke draußen bleibt. Aber da sie jetzt eben im Landtag sitzt, stellt sich die Frage neu.
Die LINKE stellt mit ihrem marxistischen Programm das Grundfest jedes Rechtsstaates - die Freiheit - in Frage.
Da bitte ich um Textbeispiele aus dem Programm der hessischen Linken und dem GG.
Ich glaube nicht, dass die Menschen in größerer Zahl nach Weimarer Taktik - "Hauptsache dagegen!" - gewählt hätten. Diese Epoche der deutschen Geschichte hat gelehert, dass wer das Bestehendes umstoßen oder ablösen will, auch eine Alternative bieten können muss. Und mit der LINKEN zu paktieren, ist keine Alternative. Diese Partei ist strukturell und personell als wachsende Gefahr für die Freiheit jedes Einzelnen in Deutschland ernst zu nehmen, kann inhaltlich aber nicht ernstgenommen werden.
Quatsch, die Linke ist in Hessen einfach nur der abgetrennte linke Flügel der SPD. War sie im Übrigen schon immer seit Gründung des PDS-Landesverbandes in den 90ern.
Ich lebe in Mecklenburg-Vorpommern, wo ein großer Teil - über dessen genau Größe zu spekulieren wäre unseriös, aber er ist beträchtlich und entsprechend einflussreich - der LINKE-Anhänger so denkt:

"Grundsätzlich war in der 'DDR' alles besser, der Sozialismus war der richtige Weg, die Wiedervereinigung ein Rückschritt. Wir haben eben nur ein paar kleine Fehler gemacht, aber das wissen wir ja jetzt, und machen es beim nächsten Mal eben besser."
Das bestreite ich gar nicht aber ich für meinen Teil denke, solche Äußerungen muss man akzeptieren und richtig einordnen. Klar ist das Quatsch, zu behaupten, für die DDR-Bevölkerung wäre die Wiedervereinigung ein Rückschritt gewesen. Aber es ist auch augenscheinlich, dass offensichtlich in der BRD auch einige Missstände existieren. Sonst gäbe es diese Massenunzufriedenheit im Osten nicht.
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Bild
Foren Gott
Beiträge: 4308
Registriert: Mi 3. Dez 2008, 11:35
Benutzeravatar
Foren Gott

Beitrag von Fiete Schulze »

Original von Konrad Grimm

Ach. Das übersieht doch, das die Linke-West ein hiesiges Ergebnis ist. All die, die seit dem Verbot der KPD gewartet haben und jetzt eine neue Heimat gefunden haben.

Und die frühesten Wurzeln hat die Linke in der SPD, die die politische Kraft des deutschen Sozialismus war und ist.

Stammbaum der Linken:

Vorgänger: PDS - WASG

Vorgänger PDS: SED
Vorgänger WASG: SPD

Vorgänger SED: KPD - SPD

Vorgänger KPD: SPD

Vorgänger SPD: ADAV

Also im Grunde ist das alles das gleiche, seit dem Deutschen Arbeiterverein 1863. Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten - alles eine Familie.
Und wo ist die USPD :-P
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Bild

Freiheit durch Sozialismus!

Ich war, ich bin, ich werde sein!

Präsident der Republik Salbor
Erleuchteter
Beiträge: 5381
Registriert: Do 15. Mär 2007, 12:30
Benutzeravatar
Erleuchteter
@Grimm: Was Du da an Stammbäumen vorführst, ist ein typischer Fall von konstruierter Wirklichkeit. Das sind rein formale Betrachtungen, die inhaltlich keine Aussage über die Realität machen.
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Bild
Kaiser
Beiträge: 2902
Registriert: Sa 17. Mär 2007, 13:41
Kaiser

Beitrag von Konrad Grimm »

Original von Montgomery Scott
@Grimm: Was Du da an Stammbäumen vorführst, ist ein typischer Fall von konstruierter Wirklichkeit. Das sind rein formale Betrachtungen, die inhaltlich keine Aussage über die Realität machen.
Es ging um eine historische Betrachtung, nicht um die Gegenwart.

Dass die heutige SPD im Grunde nur noch einen reformistischen Kathedersozialismus vertritt und mit der marxistisch-revolutionären Tradition nichts mehr am Hut hat - unbenommen. Die hat aber bei der Linken Ost und bei der WASG auch nur folkloristische Bedeutung. Wie viele in der Linkspartei wollen schon wirklich (!) den Kapitalismus überwinden? 10, 20 Prozent? Der Rest gibt sich doch auch mit 100 Euro mehr Hartz IV und 5 % Vermögenssteuer zufrieden. Wie revolutionär...
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Anfänger
Beiträge: 123
Registriert: Fr 30. Mär 2007, 16:41
Benutzeravatar
Anfänger

Beitrag von Gunnar Svensson »

Original von Konrad Grimm
Dass die heutige SPD im Grunde nur noch einen reformistischen Kathedersozialismus vertritt und mit der marxistisch-revolutionären Tradition nichts mehr am Hut hat - unbenommen. Die hat aber bei der Linken Ost und bei der WASG auch nur folkloristische Bedeutung. Wie viele in der Linkspartei wollen schon wirklich (!) den Kapitalismus überwinden? 10, 20 Prozent? Der Rest gibt sich doch auch mit 100 Euro mehr Hartz IV und 5 % Vermögenssteuer zufrieden. Wie revolutionär...
Die SPD will auch von einem Reformismus Bernsteinscher Prägung nichts mehr wissen, diese Rolle hat inzwischen die LINKE übernommen. Wenn diese Partei in den Medien als Speerspitze des revolutionären Sozialismus dargestellt wird und Figuren wie Gysi und Bisky als gestählte Klassenkämpfer erscheinen, kann man als revolutionärer Marxist sowieso nur noch lachen.
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Anfänger
Beiträge: 269
Registriert: Sa 17. Mär 2007, 14:02
Anfänger

Beitrag von Daniel »

Bernsteinscher Prägung? Romanow-Bernstein?
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Erleuchteter
Beiträge: 5381
Registriert: Do 15. Mär 2007, 12:30
Benutzeravatar
Erleuchteter
Die "Überwindung des Kapitalismus" ist nun mal zum Abstraktum geworden. Man will ihn nicht mehr durch einen Umsturz überwinden sondern man will ihn überwinden, in dem man die guten Seiten der existierenden Ordnung beibehält und die schlechten beseitigt. Reformsozialismus eben. Und die SPD hat dieses Ziel schon lange zu den Akten gelegt und weiß eigentlich gar nicht mehr so genau, was sie will. Im ganzen hat man das Gefühl, die Führungsriege der SPD findet inzwischen im Grunde alles okay, so wie es ist, und möchte sich nur noch aus Selbstzweck im politischen Wettbewerb durchsetzen.
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Bild
Beiträge: 2321
Registriert: Mi 21. Mär 2007, 11:28
Die schlechten Seiten sind aber durch eine fehlerhafte Politik entstanden. Nur mal als Beispiel: Wir leben in einer globalisierten Welt. Statt also immer auf die "Rechte" der Nationalstaaten zu pochen, sollte die Politik lieber ehrlich sein und die Notwendigkeit der Abschaffung der Nationalstaaten zugeben. Wir können im 21. Jahrhundert nun mal nicht mehr das Gesellschaftssystem des 19. Jahrhunderts leben.
 

POSTREACT(ions) SUMMARY

Antworten

Zurück zu „Off Topic“