LIVE ÜBERTRAGUNG AUS DER FREISTEINISCHEN STAATSKANZLEI
Inzwischen ist die Presse versammelt, die Königsfamilie der Marienburger befindet sich in der Staatskanzlei und auch Ministerpräsident Sendlhofer und die Staatsministerin Maier sind bereits in einer Limousine auf dem Weg in die Staatskanzlei. Aufgrund der sich überstürzenden Ereignisse beschließt Sophia Kreittmayr jedoch, dass es unmöglich ist, noch länger zu warten. Sie tritt vor die versammelte Presse, die unter strengen Kontrollen der Sicherheitskräfte und vielfach durchsucht in den Landespressekonferenzsaal vorgelassen wurde. Sie wendet sich an die Journalisten. Die Ansprache wird im Fernsehen übertragen.
Verehrte Versammelte Damen und Herren der Presse,
meine lieben Freisteinischen Landesbrüder und -schwestern,
die Ereignisse heute nacht haben sich wahrlich überstürzt. Sie alle haben die Haftbefehle gegen die imperianische Regierung, die Ausrufung des Staatsnotstandes, und auf Ihrem Weg hierher auch die Barrikaden und Einsatzkräfte in ganz Freistein zur Kenntnis genommen, und ich bin sicher, dass Ihnen dabei genauso mulmig zu Mute war, wie mir derzeit. Staatsmänner aber müssen mutig sein, und genau das will ich jetzt tun.
Unter all diesen sich überstürzenden Nachrichten, möchte ich Ihnen auch gleich die neueste mitteilen: Vor wenigen Minuten hat die Republik Imperia ihre Unabhängigkeit von der Demokratischen Union erklärt. Unsere imperianischen Brüder und Schwester haben sich nach Jahren der Zugehörigkeit von der Demokratischen Union gelöst und befreit. Es war auch höchste Zeit. Die Zugehörigkeit zu einem Staatsverband, der unglaublich bürokratisch und politisch zunehmend handlungsunfähig wurde, der auf der internationalen Bühne kein verlässlicher, und schon gar kein geachteter Partner war, hat dem Imperianischen Volk nicht den Nutzen gebracht, den man sich zum Zeitpunkt des Beitritts versprochen hat.
Ich möchte Ihnen ein Geheimnis verraten: Dem freisteinischen Volk auch nicht.
Das Freisteinische Volk ist in den vergangenen Wochen aufgewacht, es hat erkannt, welcher Fehler durch den Beitritt begangen wurde. Freistein wurde degradiert zu einer Provinz in einem zunehmenden Dünkeln verfallenden Großstaat, in Konflikte hineingezogen, die nicht die seinen sind, von Menschen regiert, die es nur als ihr Sprungbrett in die "große Politik" der Unionsebene betrachteten und benutzten, und die seine Interessen letztendlich verkauften, um ihre eigenen Machtgelüste zu befriedigen. Menschen, die zuletzt vehement für die Zentralisierung der Demokratischen Union und die weitgehende Entmündigung der freiheitsliebenden Freisteiner eintraten.
Hiergegen hat sich eine Volksbewegung gebildet, eine Bewegung, die schließlich Herrn sendlhofer und mich an die Regierung brachte. Wir haben gelobt, Freisteins Interessen hochzuhalten, und genau das werden wir auch jetzt tun.
Meine Damen und Herren, liebe Brüder und Schwestern!
Es ist an der Zeit, dass Freistein seinen eigenen Weg geht, und die zunehmend zur Last gewordene Demokratische Union hinter sich lässt! Es ist an der Zeit, dass das Freisteinische Volk sein Recht auf Selbstbestimmung wahrnimmt und seine Geschicke selbst leitet!
Freisteiner! Ich erkläre hiermit unsere Unabhängigkeit von der Demokratischen Union!
Ich proklamiere hiermit -- das Königreich Freistein!
*sie trinkt einen schluck wasser, während sich im Saal gemurmelt erhebt, dass sich jedoch wieder legt, als die presseleute merken, dass sie erneut zu sprechen anheben wil*
Ich möchte Sie daraufhinweisen, dass nicht damit zu rechnen ist, dass die Unionsregierung diesen Schritt ohne weiteres hinnehmen wird. Aus diesem Grunde habe ich die Kasernierte Staatspolizei, die Landespolizei und die weiteren Sicherheitskräfte, darunter auch patriotische Freisteiner, angewiesen, die Hauptstadt abzusichern, sowie die wichtigsten Fernstraßen und Städte, und die Kasernen der Unionsstreitkräfte. Es gilt eine landesweite Ausgangssperre. Wer sich als Freisteiner berufen fühlt, einen möglichen Gegenschlag der Union abzuwehren, der melde sich telefonisch bei seiner örtlichen Stadtverwaltung, wo auf meine Anweisung hin Rekrutierungsbureaus für eine Sofortmiliz eingerichtet wurden. Die nötige Bewaffnung für diese Maßnahmen verdanken wir im Übrigen einer großzügigen Spende aus dem benachbarten Ausland.
*sie kann sich ein grinsen nicht verkneifen*
Um die Arbeitsfähigkeit der Staatsorgane auch in dieser kritischen Stunde zu gewährleisten, wurden die wichtigsten Personen mit besonderem Schutz versehen, nicht nur hier in Lüderitz. Anton von Freistein, der designierte König unseres Landes, wurde bereits in die Staatskanzlei gebracht, er wird sich unter Umständen selbst in Kürze mit einigen Worten an Sie wenden.
Über alles weitere werden wir Sie im Laufe der Nacht auf dem Laufenden halten.
Ich danke Ihnen -- und möge Gott Sie und Freistein schützen!
Ohne auf irgendwelche Fragen einzugehen, verlässt Kreittmayr eilig den Saal, wo die Journalisten in beklemmter Stimmung zurückbleiben.
Sophia Kreittmayr (FVP), Präsidentin des Unionsrates
Ministerpräsidentin des Freistaates Freistein
Unionsministerin des Inneren a.D.