Ich denke nicht. Aufklärung ist "die Befreiung aus selbstverschuldeter Unmündigkeit" (Immanuel Kant, "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung"). Ist also die selbstverschuldete Unmündigkeit überwunden, ist die Aufklärung abgeschlossen. Wäre die Aufklärung tatsächlich ein fortlaufender Prozess, dann wäre damit die Befreiung aus selbstverschuldeter Unmündigkeit - unmöglich und mithin die Aufklärung - unsinnig.Original von Friedrich von Jagonburg
Weil die Aufklärung niemals abgeschlossen ist. Das ist ein fortdauernder Prozess.
Kaiser
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Das ist unsinnig. Die Befreiung aus selbstverschuldeter Unmündigkeit ist nur möglich, wenn man nicht nur fortlaufend am öffentlichen Diskurs teilnimmt, sondern auch einen Grad an Information erreicht hat, der einem die Wahrheit vollständig offenbart. Da gemäß der Aufklärung die vollkommene Wahrheit jedoch nicht erreicht werden kann, ist es nicht möglich diesen Grad an Information zu errreichen.

S.M. Heinrich Julius I. von Jagonburg
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Die Aufklärung ist kein Prozess, der "die Wahrheit" (im übrigen ein Begriff, zudem mir nicht mehr einfällt als die Pilatusfrage: "Quid est veritas?" Die Wahrheit ist um Grunde nur ein Gedanke, ein Geist, ein Gespenst, nur zur Anbetung, nicht aber zur Bestimmung geeignet. "Die Wahrheit" ist ein religiöser Begriff [nicht zufällig heisst es "Gott ist die Wahrheit"], der eigentlich keinerlei Sinn besitzt, nur ein nutzloser Begriff einer von der Christenpest verseuchten Sprache) anstrebt, sondern eben Befreiung von selbstverschuldeter Unmündigkeit.
"Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen."
"Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen."
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Ich habe nur eines beurteilt: Nämlich, ob ich den Begriff "Aufklärung" so benutzt habe, wie es dem allgemeinen Sprachgebrauch entspricht.Original von Friedrich von Jagonburg
Das passiert eben, wenn Leute die wichtigsten Sätze von Kant gelesen haben und dann ein allgemeines Urteil über Aufklärung geben.
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Nein. Ich meine, dass Wahrheit eine Gottheit und Lüge die Gotteslästerung ist.Original von Oliver von Palm
Meinst du als nächstes, dass Wahrheit und Lüge dasselbe sind?
Wenn Du Dir überlegst, wie der Begriff "Wahrheit" benutzt wird, wirst Du feststellen, dass sie nie anders als als Ideal verwendet wird; ein Ideal, für das man kämpfen und sterben soll, das man jedenfalls beachten und ehren soll. Was ist das anderes als eine Gottheit?
Hinweg mit solchen Geistern!
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Und dann bezeichnest du dich als mündig, wenn du einen Begriff nicht mit seiner tatsächlichen Bedeutung, sondern im allgemeinen Sprachgebrauch verwendest?Nämlich, ob ich den Begriff "Aufklärung" so benutzt habe, wie es dem allgemeinen Sprachgebrauch entspricht.

S.M. Heinrich Julius I. von Jagonburg
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Wie kommst Du darauf, ein Begriff hätte eine "tatsächliche Bedeutung"?Original von Friedrich von Jagonburg
Und dann bezeichnest du dich als mündig, wenn du einen Begriff nicht mit seiner tatsächlichen Bedeutung, sondern im allgemeinen Sprachgebrauch verwendest?
Sprache ist ein menschliches Konstrukt, beliebig form- und veränderbar. Eine objektive, "tatsächliche" Bedeutung besitzt nichts von den Zeichen und Lauten, die man (!) im allgemeinen "Sprache" nennt.
Natürlich kann ich einem Begriff eine beliebig andere Bedeutung geben. Der intersubjektiven Verständigung ist es aber, sofern nicht andere Erwägungen dem entgegen stehen, am dienlichsten, Worte so zu benutzen, wie sie zu benutzen üblich ist.
Wenn Dein Vorwurf also tatsächlich heisst, dass ich gegen Deine Privat-Bedeutung des Begriffs der Aufklärung verstossen habe, so räume ich das ungeprüft ein.
Deine "tatsächliche Bedeutung" erlaube ich mir "heilige Bedeutung" zu nennen.