Willkommen und guten Abend zu einer Sonderausgabe von „Politik im Brennpunkt“ auf Radio Gosen zu den nunmehr gestern zu Ende gegangenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, die ein neues politisches Bild auf die Demokratische Union werfen: Ein Parlament mit drei Fraktionen, von der ausgerechnet die neu ins Unionsparlament eingzogene URL-Fraktion auf Anhieb und sehr deutlich das beste Stimmergebnis holt. Es gilt gar nicht mehr als undenkbar, dass der noch amtierende Unionspräsident möglicherweise sogar Kanzler wird und auch bei den Präsidentschaftswahlen zeichnete sich am Abend ein ganz ungewöhnliches Bild ab: Der Stimm-Patt zwischen den Kandidaten Bodo von Kurzschluss und Christopher Adomeit wird eine Stichwahl notwendig machen. Bevor wir uns der Analyse der Parlamentsergebnisse widmen, haben wir mit Christopher Adomeit einen der beiden Kandidaten für ein kurzes Gespräch gewinnen können.
Guten Abend, Herr Adomeit.
Einen guten Abend auch Ihnen, Herr Kober.
Herr Adomeit, heute Abend war es ziemlich still um sie, in der Öffentlichkeit hat man sie vor und nach der Ergebnisverkündung nicht angetroffen und auch eine Stellungnahme lässt auf sich warten. Wo waren Sie?
Das ist ganz einfach zu beantworten. Ich habe darauf verzichtet, an Wahlpartys teilzunehmen und habe stattdessen in engem Kreis die Ergebnisverkündung verfolgt. Eine ausführliche Stellungnahme zum Ergebnis wird es auch heute Abend nicht mehr geben, da ich das noch Mal damit verknüpfen möchte, um für Zustimmung zu meiner Kandidatur zu werben.
Heißt das also, Sie erhalten Ihre Kandidatur aufrecht?
Selbstverständlich.
Der Patt geht für Sie also in Ordnung.
Für mich selbst wäre ein anderes Ergebnis natürlich schöner gewesen, das ist ja klar. Dass da jetzt noch einige Tage Hängepartie dazu kommen, ist natürlich anstrengend, aber mir ist es das wert. Insgesamt ist aber natürlich völlig in Ordnung, die Demokratische Union hat ja so abgestimmt.
Was sagt dieses Ergebnis denn für Sie aus?
Mir sagt das: Fünfundvierzig Prozent der Stimmen gingen an mich, genau so viele an meinen Mitbewerber Bodo von Kurzschluss, weitere zehn Prozent enthielten sich. Das ist die Zahlenseite und ich denke, dass das Zustimmungsbild für Herrn von Kurzschluss wie auch für mich ganz einfach recht ausgeglichen ist. Mir war schon im Vorfeld klar, dass ich stark um die Stimmen kämpfen muss, weil ich in der Zeit vor meiner Kandidatur nicht ständig öffentlich präsent war. Insofern waren die Stimmen, die für mich abgegeben wurden, auch in besonderem Maße ein Vertrauensvorschuss, für den ich mich bedanke.
Und was sagt das Ergebnis für die Demokratische Union aus?
Die gesamten Ergebnisse heute, sowohl für das Unionsparlament aber auch für die Präsidentschaft, haben heute gezeigt, dass die Dinge zwar nicht optimal laufen in diesem Land, dass aber immer noch der politische Wille da ist, Veränderungen herbeizuführen. Aus beiden Wahlbeteiligungen lässt sich ablesen, dass die ganz große Mehrheit unseres Landes ein Interesse an politischer Weiterentwicklung hat und deshalb auf allen Ebenen wählen geht. Dass das Ergebnis der Präsidentschaftswahl dann auch noch so ausgeglichen ist, zeigt eben auch, dass es klare Strömungen gibt. So lange es das gibt, bin ich ganz zuversichtlich, dass man später etwas daraus machen kann. Im Grunde ist diese Stichwahl ein Glücksfall für die Demokratische Union.
Wie interpretieren Sie denn die starken Veränderungen bei der Sitzverteilung im Parlament?
Das hat ja schon vorher damit angefangen, dass es eine ganz andere Kandidaturenkonstellation gab, als das vorher der Fall war. Leider fehlte die SPDU oder eine ebenbürtige, originäre, sozialdemokratische Partei, dafür gab es mit URL, FLA und KDU durchaus eine andere, programmatische Vielfalt. Letzlich ist es ganz klar so: Die Menschen in diesem Land beobachten, was sich in der Politik tut, bringen sich ein, kandidieren oder wählen Kandidaten und tun dass dann so, wie sie glauben, dass ihre Interessen am Besten vertreten werden. Das jetzige Ergebnis ist also ganz offenkundig die Konstellation, von der sich dieses Land am meisten Fortschritt verspricht. Die Würfel sind jetzt ganz neu geworfen und die Aufgabe der Gewählten ist es jetzt, den Schwung mitzunehmen und etwas Ordentliches daraus zu machen.
Was bedeutet „etwas Ordentliches“?
Alle im Parlament vertretenen Parteien und Abgeordneten müssen einen Reform- und Weiterentwicklungswillen zeigen und ihn dann auch zur Umsetzung bringen. Die Reform und Modernisierung unseres Landes wird das Hauptthema bleiben, an dem niemand vorbeikommt.
Sie reden über Modernisierung des Landes: Vor der Wahl haben sie auch darüber geredet, dass die Unionspräsidentschaft in jetziger Konstellation auf den Prüfstand gehört. Wie ist es nach diesem Ergebnis mit hoher Wahlbeteiligung?
Es sind 95% der Wahlberechtigten in diesem Land zur Wahl gegangen. Da muss man, ob man nun für Veränderungen am Amt einsteht, oder nicht, ganz klar sagen: Die Stellung des Amtes ist damit gestärkt. Wenn 95% der Menschen zu einer Wahl gehen, tun sie das nicht nur, weil sie es als Bürgerpflicht empfinden, sondern weil es ihnen wirklich wichtig ist. Dennoch bleibe ich bei dem, was ich auch vor der Wahl sagte: Wir müssen die gesamte Struktur unseres Landes auf den Prüfstand stellen und dann solche Veränderungen umsetzen, die am Ende eine Verbesserung bringen. Es ist ja ganz gut denkbar, dass die Unionspräsidentschaft in ihrer jetzigen, klassischen Form bestehen bleibt. Dann ist es die Aufgabe jedes gewählten Präsidenten, seine Spielräume so zu nutzen, dass das Amt seiner Bedeutung nachkommt. Wenn ich das Ergebnis sehe, glaube ich, dass unser Land sich keinen Grüßaugust wünscht, sondern einen Präsidenten, der sich in passenden Situationen auch einmischt.
Also sind Sie nun dafür, die Präsidentschaft in dieser Form beizubehalten.
Ich bin dafür, genau zu untersuchen, was dieses Land braucht, und was nicht. Die starke Wahlbeteiligung, der Stimmenpatt und die Stichwahl deuten sehr stark in die Richtung, dass die Demokratische Union einen Präsidenten weiterhin benötigt. Wenn das so ist, werde ich mich dafür auch einsetzen. Ich will mich ja nicht wählen lassen, um das zu machen, was ich gerade großartig finde, sondern um das zu machen, was dem Willen der Menschen in diesem Land entspricht.
Werden Sie denn jetzt noch zum großen Wahlkampf aufbrechen?
Ich werde in den nächsten Tagen erneut um das Vertrauen für meine Person in diesem Land werben, das bedeutet aber nicht, dass ich in einen Wahlkampf aus Pomp und Dauerwerbung eintrete. Ich werbe darum, dass die zehn Prozent, die sich enthalten haben, für mich stimmen, ebenso wie ich auch alle die jenigen, die mich nun nicht gewählt habe, davon überzeugen möchte, mir in der Stichwahl das Vertrauen auszusprechen.
Herr Adomeit, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.
Gerne, gute Nacht.
Das war Christopher Adomeit, einer der zwei Präsidentschaftskandidaten, die im ersten Wahlgang zu einem Stimmenpatt gekommen sind. Das Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet. Es ist jetzt 1:07 Uhr, hören Sie nun Musik und dann weitere Analysen zum Wahltag.
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Immer gut, ausführliche Interviews von Kandidaten für wichtige Ämter zu erhalten.
Eine spannende Frage ist auch, ob der dritte Kandidat "Enthaltung" wieder antritt. Eigentlich dürfte er nicht, da in einer herkömmlichen Stichwahl nur die ersten zwei Platzierten wieder antreten dürfen. Wenn einer der zwei personifizierten Kandidaten nicht mehr antritt, müsste die Sache auch entschieden sein.
Eine spannende Frage ist auch, ob der dritte Kandidat "Enthaltung" wieder antritt. Eigentlich dürfte er nicht, da in einer herkömmlichen Stichwahl nur die ersten zwei Platzierten wieder antreten dürfen. Wenn einer der zwei personifizierten Kandidaten nicht mehr antritt, müsste die Sache auch entschieden sein.
Kamler Johanssen,
sozialliberalistisch,
ehemaliger kommissarischer Unionsvorsitzender der FLA
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Einerseits richtig; andererseits könnte auch die betreffende Person auch einfach beide Kandidaten wählen und so den gleichen Effekt einer ungültigen Stimme erzielen. Oder nicht mehr wählen...Original von Kamler Johanssen
Eine spannende Frage ist auch, ob der dritte Kandidat "Enthaltung" wieder antritt. Eigentlich dürfte er nicht, da in einer herkömmlichen Stichwahl nur die ersten zwei Platzierten wieder antreten dürfen.
Jetzt heißt es für beide Kandidaten nochmal Überzeugungsarbeit leisten! Christopher Adomeit hat gut vorgelegt.
Prof. Hajo Poppinga, VK.
Unionspräsident a.D.
Unionspräsident a.D.
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