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steigt vom Sitz des Präsidenten herab zum Rednerpult.*
Verehrte Damen und Herren,
ich möchte Ihnen meine Auffassung von der gegenwärtigen und zukünftigen Arbeit der Unionsregierung in dem mir anvertrauten Ressort darlegen. Daher spreche ich zu Ihnen nicht nur als Chefdiplomat, sondern auch als Oberbefehlshaber der Unionsstreitkräfte.
Meine ersten Handlungen waren verwaltungs- und personaltechnischer, sowie informationspolitischer Art. So habe ich mir einen Überblick über das nunmehr erneut fusionierte Unionsministerium für Auswärtiges
und Verteidigung verschafft, neue Botschafter angeworben und in Dienst stellen lassen - übrigens ausdrücklich ohne Ansehen des jeweiligen Parteibuches - und wieder an den Sitzungen des RdN teilgenommen.
Mein erster Staatsgast war die Kanzlerin der Republik Dionysos - dieser Besuch verlief sehr positiv, jedoch verzögert sich der angestrebte Vertragsabschluss derzeit noch aufgrund von Umständen, auf die ich noch zu sprechen kommen werde.
Der erste Besuch bei einem ausländischen Amtskollegen führte mich nach Albernia, dieses Treffen verlief in einer offenen Gesprächsatmosphäre und führte zu einem guten Abschluss: Albernia wird unserem Bemühen, fester Teil der G4-Gruppe zu werden, nicht im Wege stehen.
Kurz darauf besuchte ich die Vereinigten Staaten von Astor in der Übergangsphase der Administration Grey zum neuen Präsidenten Voerman-Fillmore. Die Gespräche hatten einen unschönen Hintergrund, verliefen jedoch in unserem Sinne. Anfang Oktober wird es einen G3+1 Gipfel geben, in dem wir die Zusammenarbeit zwischen den Partnern sicher noch vertiefen können.
Nun zum Knackpunkt meiner Rede, dem Krieg zwischen der Föderalen Republik Andro auf der einen Seite und dem reekza bunda, dem Schahtum Futuna, dem Kaiserreich Dreibürgen sowie der Aurorian Confederation auf der anderen Seite. Zum Ausbruch des Krieges und den ersten Kampfhandlungen hatte ich mich bereits
öffentlich geäußert.
Doch obwohl die Vertreterin des reekza bunda offenbar recht angetan von meinen Worten gewesen ist, hat dies auf der Ebene der politischen Führung des reekza zu keinem Umdenken geführt.
Vielmehr kam es zu einer massiven Eskalation des Krieges: nachdem von einer futunische Flotte, die sich noch aufgrund eines kürzlich durchgeführten Manövers dort aufhielt, Luftangriffe auf das androsische Territorium ausgeführt wurden, reagierte Andro mit einem heftigen Angriff auf diese futunischen Flugzeuge und Schiffe, wobei u.a. ein futunischer Flugzeugträger versenkt wurde. Das Gefecht wurde erneut erst durch das Eintreffen neutraler chinopischer Kriegsschiffe beendet.
In Reaktion auf diese Schlacht traten der reekza bunda und das Kaiserreich in den Krieg gegen Andro ein, beide verwiesen dabei auf ihre Bündnispflicht. Während Dreibürgen bis dato auf konkrete kriegerische Handlungen verzichtete, setzte der reekza bunda ohne große Umschweife Nuklearwaffen ein.
Die Atomraketen wurden in mehreren hundert Kilometern Höhe über mehreren großen Städten Andros gezündet, wodurch mehrere nukleare elektromagneter Impulse ausgelöst wurden. Die Konsequenz: der EMP störte oder zerstörte alle elektronisch gestützten Maschinen, vom Flugzeug bis zum Herzschrittmacher, er brachte namentlich die zentralen Systeme von Rundfunk, Rettungswesen, Krankenhäusern, Energieversorgung und Bahntransport zum Zusammenbruch – mit entsprechender Gefahr für das Warnwesen, für Verwundete und Kranke und für Evakuierungen.
Es handelt sich mithin um einen direkten Angriff auf die Zivilbevölkerung Andros. Von mir werden diplomatische Töne erwartet - allein, mir fällt nur die Bezeichnung "Staatsterrorismus" für diese Art der Kriegführung ein. Wer hätte gedacht, dass sich manche Staaten so große Mühe geben, der Kritik des Grafen von Falkenstein nachträglich Recht zu geben?
Neben der großen militärischen Skrupellosigkeit ist das diplomatische Auftreten des reekza bunda und des Schahtum Futuna erschreckend. Während letzteres in seinen Minimalbedinungen genannten Forderungen zu Friedensverhandlungen "nur" die androsische Alleinschuld am Ausbruch des Krieges sowie die Abrüstung fordert, verlangt die Imperatorin Anu aus dem reekza bunda die bedingungslose Kapitulation Andros - besetzen will man das Land angeblich nicht, vielmehr soll der Einsatz der Atomwaffen ein deutlichen Zeichen in Richtung Astors (!) sein, dass man notfalls eben auf den Knopf drücken werde.
Meine Damen und Herren,
ich denke, dem ist wenig hinzuzufügen. Hier führen Staaten gegeneinander Krieg, deren Motivation unklar oder töricht erschien. Jetzt wird allerdings klar, was nahezu alle diese Länder miteinander verbindet: der unbändige Hass auf Astor und alles, wofür es steht. Da werden unschuldige Zivilisten in Andro als Testobjekte für die Massenvernichtungswaffen des reekza bunda missbraucht, um gegenüber den USA die Muskeln spielen zu lassen. Der dahinterstehende Wahnsinn ist für mich kaum noch in Worte zu fassen.
Von dieser Kritik nehme ich ausdrücklich die Aurorian Confederation aus. Aurora wurde zu Beginn beschossen und hat sich zur Wehr gesetzt und erklärte bereits mehrfach die Bereitschaft zu Friedensgesprächen mit Andro auf neutralen Boden, nämlich dem Großherzogtum Arcor.
Was muss nun für uns in der Demokratischen Union die Konsequenz für eine Agenda der künftigen Außen- und Sicherheitspolitik sein?
Ich plädiere für eine Doppelstrategie:
Erstens müssen international Rahmen abgesteckt werden, wo welche Seegebiete enden und wer unter welchen Umständen eine Meerenge passieren darf und wer nicht. Zusätzlich muss sichergestellt werden, dass bei militärischen Seemanövern alle Staaten mit angemessener Vorlaufzeit in Kenntnis gesetzt werden.
Dies muss Aufgabe der internationalen Staatengemeinschaft im Rahmen der gemeinsamen Arbeit im RdN sein. Erste Initiativen aus Albernia und Astor wurden diesbezüglich schon angekündigt, wir werden das mit aller Kraft unterstützen.
Zweitens bin ich der Ansicht, dass wir uns stärker dafür einsetzen müssen, dass Hass und Ressentiments gegen Astor - oder wahlweise den liberalen Westen, womit auch wir gemeint sind, keine Chance hat. Zu diesem Zweck müssen wir unseren Freunden unsere Solidarität zukommen lassen, in Form einer festen Allianz. Dies schließt die Kooperation der Nachrichtendienste, die Zusammenarbeit in der Truppenausbildung und eine Bündnisverpflichtung ein.
Sehr geehrte Damen und Herren,
unsere Welt ist unsicherer geworden. Waren es in der Vergangenheit verirrte Sezessionisten oder vereinzelte Piraten, die unseren Frieden und unseren Wohlstand gefährdeten, sind es heute ganze Staaten, die unüberlegt in militärische Abenteuer hineinsteuern oder gar Krieg gegen die Zivilbevölkerung führen. Aus diesem Grund müssen wir wachsam sein und mit denen zusammenarbeiten, die die gleichen Werte und Überzeugungen teilen und verteidigen wollen, wir wir das tun.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.