Am Rande seines Besuchs beim Flottenstützpunkt Kamahamea hält der Unionsminister des Auswärtigen und der Verteidigung vor einigen Tausend Zuschauern eine Rede anlässlich des Seegefechts bei den Merkellen. Unter die versammelte Menge haben sich zahlreiche Soldaten aller Abteilungen der Unionsstreitkräfte sowie etliche Anhänger der SPDU gemischt.
Unionsbürger!
Diese Tage wurden die schlimmsten Befürchtungen meiner Mitarbeiter im Ministerium Wirklichkeit: ein Krieg wurde begonnen. Ausgelöst wurde der Kriegszustand durch eine Seeschlacht im Orceanischen Meer, bei der Flottenverbände Auroras und Futunas sich ein heftiges Gefecht mit einer Flotte aus Andro lieferten.
Unter der Bedingung, dass das erste Opfer im Kriege die Wahrheit ist, gehen wir nach derzeitigen Kenntnisstand von folgenden Fakten aus:
1. die androsische Flotte befand sich so weit entfernt von ihren Heimathäfen, weil sie ein gemeinsames Manöver mit den Kaiserlichen Streitkräften des Gelben Reiches durchführen wollte.
2. da dieses Manöver von Seiten des chinopischen Reichskanzlers gegenüber dem Präsidenten Astors gleichzeitig mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen sowie einigen anti-astorischen Reden hoher Politiker Andros und Chinopiens angekündigt wurde, ist davon auszugehen, dass dieses Manöver gegen die USA gerichtet sein sollte. Dies wird auch durch einen Funkspruch der androsischen Flotte bestätigt, der kurz vor Beginn des Feuergefechts abgegeben wurde.
3. es muss Andro bewusst gewesen sein, dass verschiedene Anrainer des Orceanischen Meeres keine Anwesenheit des androsischen Militärs in unmittelbarer Nähe ihrer Gewässer dulden würden. Entsprechende Äußerungen von Vertretern Auroras, Futunas, Dreibürgens und des reekza bunda im RdN haben dies deutlich gemacht.
4. Futuna hat die Ankunft der androsischen Schiffe als Kriegserklärung gewertet und das Feuer eröffnet, woraufhin Andro das Feuer erwiderte und auch den Verband Auroras beschoss. Im Verlauf des Gefechts feuerten auch irkanische U-Boote auf die androsischen Schiffe.
5. im Laufe des Kampfes wurde u.a. ein androsisches Atom-U-Boot versenkt, futunische Flugzeuge wendeten in der Schlacht Säure und Giftgas an und ließen Blutköder ins Wasser, damit Haie die androsischen Seeleute attackieren. Das Ziel der futunischen Befehlshaber war zu diesem Zeitpunkt die Vernichtung der androsischen Flotte.
6. das Seegefecht endete erst mit Eintreffen der chinopischen Flotte, währenddessen griffen aurorianische Bomber, aus Huangzhou kommend, einen androsischen Militärhafen.
Unionsbürger,
im Namen der Unionsregerung verurteile ich diese Vorgänge in aller Schärfe. Insbesondere die Leichtsinnigkeit und Unbesonnenheit der androsischen Befehlshaber sowie die außerordentliche Grausamkeit der futunischen Befehlshaber haben zum Tod hunderter Menschen geführt. Der Schah von Futuna erklärte heute, dass der befehlshabende futunische Arsham von seinen Diensten entbunden wurde. Doch offenbar führen im futunischen Wesirat für Äußeres Personen das Wort, die einen angeblich bevorstehenden Angriff Andros mit der vorsorglichen Vernichtung der androsischen Flotte ausschließen wollten. Aus diesem Wesirat kam auch die Anordnung zur Anwendung von Säure, Gas und Haiködern.
Lobend erwähnen möchte ich die Republik Stralien, die sich im Vorfeld weder provozierend verhielt noch Unterschiede zwschen den Verletzten aller Nationalitäten machte, die durch ein stralisches Lazarettschiff aufgenommen wurden. Hätten alle Seiten so gehandelt wie das stralische Lazarettschiff, würden heute keine Mutter ihren Sohn beweinen.
Um das sinnlose Sterben zu beenden, fordern wir alle Kriegsparteien zum Ende jeglicher Kampfhandlungen und zur Aufnahme von Friedensverhandlungen auf.
Meine Damen und Herren,
Der Krieg entscheidet nicht darüber, wer Recht hat, sondern nur darüber, wer übrig bleibt. Wir haben an diesem Wochenende auf eine schreckliche Art und Weise gesehen, wie wichtig es ist, ein stabiles internationales Rechtssystem unter Anleitung des RdN zu installieren, das solche Kämpfe künftig verhindern und Konflikte friedlich lösen kann. Gleichzeitig ist es notwendig, dass wir höchste Wachsamkeit an den Tag legen, um Bedrohungen für die Sicherheit der Demokratischen Union rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.
Ich werde nun nach Astor reisen, um mit unseren Freunden das weitere Vorgehen zu koordinieren. Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.