Original von Melissa Adelaide
Und meine Aussage ist, dass eine Berufsausbildung nicht zwingend etwas über die Qualität geleisteter Arbeit aussagt bzw. über den Qualitätsunterschied zur Arbeitsleistung eines Ungelernten. Insbesondere im Handel, aber auch im Handwerk, halte ich viele Berufsausbildungen für bürokratischen Mummpitz. Ein Bäckereifachverkäufer etwa ist durch nichts gegenüber einem durchschnittlich intelligenten und maximal einsatzbereiten Menschen für den Verkauf von Backwaren qualifiziert. Ein arbeitsloser Bäckereifachverkäufer steht für mich entsprechend auf einer anderen Stufe als ein nichtstudierter Spezialist für eine anspruchsvollere Tätigkeit. Indem Staat, Gewerkschaften und berufsständische Organisationen gemeinsam fast alles das ein Mensch gegen Entlohnung tun kann zu eine gesetzlich geregelte und förmlich zertifizierte Ausbildung erfordernden Berufen gemacht haben, haben sie natürlich eine Masse an "qualifizierten" Arbeitslosen produziert. Und verschlimmern deren Lage noch durch Flächentarife, die die Arbeit formal "qualifizierter" gegenüber der materiell gleichqualifizierter Arbeitskräfte ohne förmliches Ausbildungszeugnis unnötig verteuern.
Die deutsche Facharbeiterausbildung ist international beispiellos und insbesondere Stütze des starken deutschen Außenhandels. Darüber hinaus sehe ich nicht ganz, was Du damit sagen willst. Alles wäre besser, wenn Facharbeiter wie ungelernte Hilfsarbeiter bezahlt würden?
Weiter hast du natürlich Recht mit deiner Beschreibung, dass der Umsatz eines Unternehmens von allen Beschäftigten gemeinsam erwirtschaftet wird und dazu jeder nach seinen Möglichkeiten beiträgt. Aber zunächst ist der gemeinsam erwirtschaftete Umsatz das Maximum dessen, was überhaupt verteilt werden kann. Und dann darf man ja den Einsatz und die Interessen des Kapitalgebers nicht unterschätzen oder ausblenden. Er ist derjenige, der die Rohstoffe und Produktionsmittel besitzt bzw. anschafft, also in die Produktion investiert. Dafür muss er einen ausreichenden Anreiz haben. Warum soll er vorhandenes Vermögen oder gar geliehenes Kapital einsetzen, wenn es für ihn nicht wesentlich unrentabler wäre, einfach auch seine Arbeitskraft zu verkaufen? Der gemeinsam erwirtschaftete Umsatz abzüglich Betriebskosten und Steuern ist der Gewinn. Von dem muss der Kapitalgeber seinen Anteil erhalten, der ihn überhaupt zu seiner Unternehmung motiviert. Was dann noch übrig bleibt, kann auf die Arbeitnehmer entsprechend ihrer Leistung verteilt werden - nicht mehr und nicht weniger.
Man könnte dem "Kapitalgeber" sein Kapital auch einfach abnehmen. Daran soll es nicht scheitern. Er hat es einzig und allein deshalb, weil der Laden schon seit vielen hundert Jahren schon so läuft, wie er läuft. Sorry für diese Polemik aber ich reagiere sehr unwirsch auf Rhetorik a la "Wir müssen die Gehälter der Arbeiter kürzen, damit die Unternehmer wieder mehr Anreize zur Investition haben". Diese Maxime ist eine self-fulfilling prophecy. Weiter sehe ich auch keine wirkliche Verbindung zur bisherigen Diskussion.
Und dass der Staat alles in Form von ihm erbrachter zurückgibt was die Steuerpflichtigen in ihn einzahlen stimmt ja nun nicht. Ich rechne dem Begriff des Staates die von ihm errichtete und mit Zwangsmitgliedern gefüllte gesetzliche Sozialversicherung zu, und verweise auf Palin Waylan-Majeres richtigen Hinweis: viele Menschen haben nach Abzug der von ihnen geschuldeten Abgaben von ihrem Bruttolohn so wenig übrig, dass sie Anspruch auf staatliche Transferleistungen haben. Im Klartext: erst entzieht der Staat Menschen Geld, um es ihnen dann zu erstatten. Auch dieser Vorgang erzeugt Arbeit, die bezahlt werden muss. Nur hat von dieser Arbeit niemand etwas. Hier wird Geld vernichtet nutzlose Arbeit subventioniert
Nun gut, unser Sozialstaat ist ein bürokratisches Monstrum, seit Hartz IV im Übrigen weit mehr als vorher. Das kann man entschlacken, weniger Drangsalierung von Arbeitslosen, keine Maßnahmen mehr, bei denen man konrolliert, dass auch ja alle 100 Arbeitslosen sich auf die eine freie Stelle bewerben, dann hat man schon einen guten Teil der Bürokratie überflüssig gemacht.
Wenn der Staat sich darauf beschränkte, für Ruhe, Sicherheit und Ordnung zu sorgen und sich endlich vom Arbeitsmarkt sowie den Kühlschränken, Schlafzimmern und sonstigen Privatsphären der Bürgern fernhielte, könnte die Differenz zwischen Brutto- und Nettolöhnen freihändig geschätzt auf unter 10% gesenkt werden.
Das ist eine triviale Feststellung. Die Frage ist, was das zur Folge hätte. Die Geringverdiener würden nämlich nur sehr gering davon profitieren. Bahnbrechend wäre das nur für die oberen 10.000.
Zuletzt geändert von Bernardo Macaluso am Do 18. Mär 2010, 10:09, insgesamt 1-mal geändert.