So und ansonsten, also ich finde man kann und darf Leuten nicht ihre Meinung verbieten, weil das A zu nichts führt und B das Kernproblem nicht behebt.
Wenn man sagt, "ich finde Pommern und Preußen sind Gebiete, die zu unrecht nicht mehr zu Deutschland gehören", ist das für sich erstmal eine legitime Meinung die man haben kann. Dass diese Meinung nun aber durchaus vor dem historischen Kontext mit der dazu gehörenden Verantwortung der Deutschen Bevölkerung schnell problematisch werden kann, ist aber wiederum etwas, was man für den Diskurs sehr ernst nehmen muss.
Seit dem Wilhelminischen Kaiserreich war es immer wieder das Bestreben Deutscher Außenpolitik einen "Lebensraum" im Osten zu schaffen. Aber diese Streben muss man natürlich auch mit den Bestrebungen anderer Staaten vergleichen, den Österreichern in den Balkan, den Russen nach Sibirien und dann auch später gen Westen. England teilweise in Afrika und Südasien, oder aber auch den USA in ihren Mittleren Westen. All dies sind nicht ruhmreiche Zeugen der Geschichte des Menschen. Jeder fürs ich ist eine Schande, aber im großen und ganzen ist keines dieser Geschehnisse eine Sternstunde. Es sind alles Ereignisse auf Kosten von anderen Menschen, Stämmen und Völkern und teilweise auch anderen Nationen und Staaten.
Ein Unrecht macht das andere Unrecht daher nicht besser. So muss man dann einsehen, dass auf Grund der Tatsache, dass damals die Preußen und "Ur-Deutschen" auf einem fragwürdigen Weg die Gebiete erhalten haben, aber Mitteleuropa ist generell ein kompliziertes Flickenwerk. Migration hin und her hat dafür gesorgt, dass kein Volk A homogen ist und B schon erst recht nicht arisch. Nur mit dem Aufstreben des Nationalismus wurde ein Kunstgebilde geschaffen und so kann man natürlich verstehen, dass der Eindruck entsteht, dass Preußen und Pommern und auch Teile Schlesiens zB Deutsch waren und als Folge des 2. Weltkrieges gegen den Willen der Bevölkerung nicht mehr Deutsch sind.
Ich denke für die Stabilität in Europa ist es wichtig, dass nun jeder Staat in Europa im großen und ganzen homogen ist. Man sieht es ja schon an Belgien wie es da schnell problematisch wird, wenn ein Volk nicht ganz gleich ist und durch unterschiedliche Sprachen getrennt wird. So denke ich, ist es auf langer Sicht richtig und wichtig, dass der Großteil der deutsch-stämmigen Bevölkerung nun auch in Deutschland lebt, auch wenn sie Unrecht erfahren haben und vertrieben worden. Dieses Geschehen muss man aber Aufwiegen mit den Vertreibungen während des Krieges. Die wenigsten können weder für das eine noch für das andere etwas, aber so ist es nun mal passiert.
So stelle ich am Ende fest, dass es durchaus halt legitim ist diesen Gedanken zu hegen, denn jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit, aber jeder hat auch das Recht darauf argumentativ eines besseren belehrt zu werden. Aber Todschlagargumente wie "Nazi!" oder "Linkes Pack" sind dabei fehl am Platz. Sie tragen zu keiner Lösung bei und zielen am Thema vorbei. Diese Tabuisierung von Themen ist eine Selbstverstümmelung der Gesellschaft die ich auf langer Sicht viel gefährlicher finde, als alles andere.
Abgesehen davon möchte ich noch anmerken, dass ich es lächerlich finde, dass Deutschland, so weit ich weiß, dass einzige Land auf der Erde ist, dass seine eigene Nationalhymne zwar nicht gesetzlich zensiert, aber doch ideologisch teilweise beschniedet und tabuisiert. Deutschland hat sich teilweise noch immer selber nicht vergeben und läuft mit einer Sperre im Kopf rum. Generell tendieren wir oftmals dazu von einem extrem ins andere zu laufen, etwas was ich auch für sehr gefährlich halte. Eine Sache die eben noch Pflicht war, wird im nächsten Moment verboten. Dieses Schwarz-weiß denken ist schlecht für die Entwicklung von Deutschland, aber auch für alle Menschen, denn dies passiert auch sicherlich anderswo, aber besonders eindrucksvoll, zumindest in meinen Augen, hier.
Sich selber zu vergeben soll dabei nicht heißen, zu vergessen und zu verdrängen, aber sondern zu akzeptieren, dass dies passiert ist und daraus zu lernen und damit offen umgehen und die gewonnenen Kenntnisse so einzusetzen, dass man die Fehler der Vergangenheit vermeidet, aber dies kann nur im offenen Diskurs passieren.
Achja und zur Vertriebenensache. In irgendeinem meiner Unitexte tauchte mal die Geschichte auf, dass eine Familie in Palästina irgendwo in einer Siedlung wohnte. Als man sie fragte, wieso, sagte diese, dass sie aus ihrer Wohnung irgendwo vertrieben worden. Der Autor suchte das Haus auf und sprach dann mit der Familie die in diesem Haus nun wohnte und die erklärten ihm, dass sie nun hier wohnen, weil sie aus Deutschland während des letzten Weltkrieges vertrieben worden. So reiste er nach Deutschland und fand das Haus und sprach mit der Familie die dieses Haus bewohnte. Diese erklärten ihm, dass sie kurz nach Ende des Weltkrieges aus Schlesen (oder eine andere Westpolnische Region) vertrieben worden. Erneut zog der Autor weiter und traf dann auf die Familie in diesem Haus und auch dort wurde ihm berichtet, dass sie vertrieben worden und zwar aus der Westukraine.
Ich weiß jetzt nicht mehr genau, ob da nun auch noch mal Vertreibung der Fall war, ganz dunkel meine ich mich zu erinnern, dass hier noch etwas mit Wolgadeutschen der Fall war, aber im großen und ganzen wird einem denke ich klar, dass Vertreibung kein Einzelfall der Deutschen ist, sondern viele Male passiert ist. Nur wird nicht immer überall mit ein und dem selben Maßstab dies bewertet. Aber ein universaler Maßstab ist auch schwer. Ich denke, für so was braucht es noch viele Jahrzehnte, Jahrhunderte und womöglich auch noch einige Jahrtausende, wenn wir denn nicht 2012 sterben, sei es wegen der Sonne oder aber auch einem Meteoriten, der auf die Erde angeblich zubraust