Doppel-As
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Da mir dieses Wochenende auf meinem Seminar - wie an anderer Stelle berichtet - furchtbar langweilig war, hatte ich dort Zeit für etwas Lektüre und bin auch eine interessante Abhandlung zum Thema "(Moderner) Konservatismus" gestoßen. Ich fand diese hoch informativ, auch, weil sie in Worte fasst, was mich eigentlich bewogen hat, in die Union zurückzukehren, was ich aber selbst bisher nicht in dieser Prägnanz ausdrücken konnte.
Deswegen wollte ich diese Info mal hier vorstellen und zur Diskussion stellen. Für diejenigen, die es nicht ganz lesen möchten - Link unten - eine kurze Zusammenfassung:
Der Autor, Leiter des Büros für Vorstandsangelegenheiten der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung, beschreibt darin die Grundzüge konservativen Denkens.
Er grenzt dabei den Begriff des "Konservatismus" angelehnt an Karl Mannheim vom "Traditionalismus" ab. Konservative sind demnach nicht diejenigen, die einfach die bestehende Ordnung erhalten wollen, sondern Anhänger einer spezifischen Idee, die sich auf Edmund Burke zurückführen lässt; nur diejenigen, die in Übereinstimmung mit den Prinzipien Burkes agieren, sind demnach Konservative, alle anderen sind nur Traditionalisten. Daraus folgt auch, wie noch zu begründen ist, dass es Konservative nur im "christlichen Abendland" geben kann; von "chinesischen Konservativen" zu sprechen wäre demzufolge gänzlich sinnlos.
Laut dem Autor unterteilt sich die konservative Weltanschauung in Konstanten, die allen gemein sein müssen, die sich als Konservative verstehen, und in Variablen, die vom zeitgenössischen Kontext abhängen, sowie weiterhin in ein normatives Korrektiv.
Die Konstanten des Konservatismus sind demnach:
- das Prinzip der Evolution, d.h. zwar muss das Bestehende sich stets kritischer Prüfung stellen, aber die Veränderung ist das begründungsbedürftige, und wird diese Begründung nicht geliefert, bleibt alles, wie es ist; revolutionäre Veränderungen sind stets falsch, Ziel ist der Fortschritt mit Augenmaß
- die historische Kontinuität, die jeden Konservativen zu bewusstem und achtungsvollem Umgang mit der eigenen geschichtlichen wie regionalen Herkunft verpflichtet ("keine Zukunft ohne Herkunft")
- die Überzeugung von der ordnungsstiftenden Kraft der (christlichen) Religion; beachtlich ist hierbei, dass nicht etwa der Glaube an die christliche Lehre verlangt wird, sondern lediglich die Sozialisationswirkung der Religion anerkannt werden muss
Als Korrektiv sieht er die Grundausrichtung am christlichen Menschenbild, das heisst an der Menschenwürde, der Subsidiarität, der Solidarität und schließlich der Unvollkommenheit des Menschen.
Schließlich als Variable, das heisst, als derzeit richtige Inhalte, die aber nicht für alle Zeit richtig sein mögen, betrachtet er einen "fröhlichen, unverkrampften und weltoffenen Patriotismus" inklusive des Bekenntnisses zur Einheit Europas, zweitens einen nachhaltig funktionierenden Sozialstaat, drittens eine enge Verflechtung von Freiheit und Verantwortung.
http://www.hss.de/uploads/tx_ddceventsb ... mus_01.pdf
Deswegen wollte ich diese Info mal hier vorstellen und zur Diskussion stellen. Für diejenigen, die es nicht ganz lesen möchten - Link unten - eine kurze Zusammenfassung:
Der Autor, Leiter des Büros für Vorstandsangelegenheiten der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung, beschreibt darin die Grundzüge konservativen Denkens.
Er grenzt dabei den Begriff des "Konservatismus" angelehnt an Karl Mannheim vom "Traditionalismus" ab. Konservative sind demnach nicht diejenigen, die einfach die bestehende Ordnung erhalten wollen, sondern Anhänger einer spezifischen Idee, die sich auf Edmund Burke zurückführen lässt; nur diejenigen, die in Übereinstimmung mit den Prinzipien Burkes agieren, sind demnach Konservative, alle anderen sind nur Traditionalisten. Daraus folgt auch, wie noch zu begründen ist, dass es Konservative nur im "christlichen Abendland" geben kann; von "chinesischen Konservativen" zu sprechen wäre demzufolge gänzlich sinnlos.
Laut dem Autor unterteilt sich die konservative Weltanschauung in Konstanten, die allen gemein sein müssen, die sich als Konservative verstehen, und in Variablen, die vom zeitgenössischen Kontext abhängen, sowie weiterhin in ein normatives Korrektiv.
Die Konstanten des Konservatismus sind demnach:
- das Prinzip der Evolution, d.h. zwar muss das Bestehende sich stets kritischer Prüfung stellen, aber die Veränderung ist das begründungsbedürftige, und wird diese Begründung nicht geliefert, bleibt alles, wie es ist; revolutionäre Veränderungen sind stets falsch, Ziel ist der Fortschritt mit Augenmaß
- die historische Kontinuität, die jeden Konservativen zu bewusstem und achtungsvollem Umgang mit der eigenen geschichtlichen wie regionalen Herkunft verpflichtet ("keine Zukunft ohne Herkunft")
- die Überzeugung von der ordnungsstiftenden Kraft der (christlichen) Religion; beachtlich ist hierbei, dass nicht etwa der Glaube an die christliche Lehre verlangt wird, sondern lediglich die Sozialisationswirkung der Religion anerkannt werden muss
Als Korrektiv sieht er die Grundausrichtung am christlichen Menschenbild, das heisst an der Menschenwürde, der Subsidiarität, der Solidarität und schließlich der Unvollkommenheit des Menschen.
Schließlich als Variable, das heisst, als derzeit richtige Inhalte, die aber nicht für alle Zeit richtig sein mögen, betrachtet er einen "fröhlichen, unverkrampften und weltoffenen Patriotismus" inklusive des Bekenntnisses zur Einheit Europas, zweitens einen nachhaltig funktionierenden Sozialstaat, drittens eine enge Verflechtung von Freiheit und Verantwortung.
http://www.hss.de/uploads/tx_ddceventsb ... mus_01.pdf
Demokratie ist die Diktatur der Mehrheit.
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Interessant, dass Du das gerade jetzt schreibst. Denn gerade derzeit arbeite ich auch an einer Art Chronik des Konservatismus und habe ähnliche Ansätze gehabt.Original von Richard Stresemann
Er grenzt dabei den Begriff des "Konservatismus" angelehnt an Karl Mannheim vom "Traditionalismus" ab. Konservative sind demnach nicht diejenigen, die einfach die bestehende Ordnung erhalten wollen, sondern Anhänger einer spezifischen Idee, die sich auf Edmund Burke zurückführen lässt; nur diejenigen, die in Übereinstimmung mit den Prinzipien Burkes agieren, sind demnach Konservative, alle anderen sind nur Traditionalisten.
Bei mir wird vermutlich die Bismarcksche Form eines säkular-etatistischen Konservatismus (der vielleicht einen anderen Namen als Konservatismus bräuchte) eine Rolle spielen.
Ich werde versuchen zunächst vom Mittelalter auszugehen, vielleicht nehme ich aber auch die Antike mit rein.
Rafael van der Linden, Kellner im Café Sonderbar Manuri
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Sind auf jeden Fall gute Charakterisierungen. Diese Punkte passen aber auch auf die Philosophie von Friedrich (August von) Hayek, der sich ja als "angelsächsisch-liberaler" gesehen hat. Hayek bezieht sich auch u.a. viel auf Edmund Burke.Original von Richard Stresemann
Die Konstanten des Konservatismus sind demnach:
- das Prinzip der Evolution, d.h. zwar muss das Bestehende sich stets kritischer Prüfung stellen, aber die Veränderung ist das begründungsbedürftige, und wird diese Begründung nicht geliefert, bleibt alles, wie es ist; revolutionäre Veränderungen sind stets falsch, Ziel ist der Fortschritt mit Augenmaß
- die historische Kontinuität, die jeden Konservativen zu bewusstem und achtungsvollem Umgang mit der eigenen geschichtlichen wie regionalen Herkunft verpflichtet ("keine Zukunft ohne Herkunft")
- die Überzeugung von der ordnungsstiftenden Kraft der (christlichen) Religion; beachtlich ist hierbei, dass nicht etwa der Glaube an die christliche Lehre verlangt wird, sondern lediglich die Sozialisationswirkung der Religion anerkannt werden muss
Evolution statt Revolution, Sitte statt radikalem Rationalismus etc.
Rafael van der Linden, Kellner im Café Sonderbar Manuri
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Naja, gerade Hayek steht ja auch dem Konservatismus durchaus nahe; er hatte in Deutschland eine Nähe zur CDU/CSU - kein Wunder, war ja seinerzeit die FDP in der Regierung mit der SPD und hatte die Union noch immer einen Ludwig Erhard - und von Maggie Thatcher ist überliefert, sie hätte seine "Verfassung der Freiheit" in der Handtasche getragen und betont, diese sei es, woran sie glaube.Original von Rafael van der Linden
Sind auf jeden Fall gute Charakterisierungen. Diese Punkte passen aber auch auf die Philosophie von Friedrich (August von) Hayek, der sich ja als "angelsächsisch-liberaler" gesehen hat. Hayek bezieht sich auch u.a. viel auf Edmund Burke.
Demokratie ist die Diktatur der Mehrheit.
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Diesen Punkt hielt ich im konservativen Denken schon immer für schwammig und in solchen Formulierungen letztendlich für beschönigend. Welche politische Denkrichtung behauptet denn im Deutschland des 21. Jhds. bitte nicht, dass Änderungen begründungsbedürftig sind? Jede politische Gruppierung ist doch hauptsächlich damit beschäftigt, der Öffentlichkeit Begründungen für ihre Änderungsvorschläge zu liefern. Und waren es nicht die Konservativen in der DDR und BRD, die im Gegensatz zu den Sozialisten für einen schnellen und radikalen Umbruch in der DDR eingetreten sind? Und weiter: Welcher Politiker würde denn bitte der Maxime "Fortschritt ohne Augenmaß" zustimmen? Das ist einfach viel zu waage und bringt bestenfalls das wohlige Bauchgefühl des Konservativen beim wöchentlichen CDU-Stammtisch zum Ausdruck.das Prinzip der Evolution, d.h. zwar muss das Bestehende sich stets kritischer Prüfung stellen, aber die Veränderung ist das begründungsbedürftige, und wird diese Begründung nicht geliefert, bleibt alles, wie es ist; revolutionäre Veränderungen sind stets falsch, Ziel ist der Fortschritt mit Augenmaß

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Naja, Burkes wichtigstes Werk waren ja seine "Betrachtungen zur Revolution in Frankreich". Wenn er nun sagt, dass der Konservative auf evolutionäre, vorsichtige, abwägende Veränderungen setzt, dann lässt sich das am trennschärfsten dadurch von anderen abgrenzen, dass man sich ansieht, was er eben nicht wollte - nämlich dass jemand radikal das Bestehende umstürzt um von Grund auf etwas umzusetzen, was zuvor nur ein gedankliches Luftschloss, eine Utopie war.Original von pjotr
Kannst du das auch substantiieren, oder reicht es dir, wenn du mit deinem Gerede einen niederbayerischen Stammtisch überzeugen kannst?
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