Ist es nicht vielmehr so, dass Resozialisierung in Wirklichkeit nichts anderes bedeutet, als den Täter seiner gerechten Strafe zu berauben, ihn zu verhätscheln und mit dem, was er getan hat, davon kommen zu lassen, um ihn dann, wenn er sich ein Weilchen nett verhalten und ein paar Lippenbekenntnisse gemacht hat, wieder in die Gesellschaft zu entlassen, und ihm so die Botschaft zu vermitteln, dass er mit seinen Taten glimpflich davon kommen kann?Original von pjotr
Der Gesellschaft willen? Was bringt mir ein meinetwegen gefährlicher Körperverletzer, auf den die volle Härte des Gesetzes angewandt wird, der aber danach noch wütender aus dem Knast kommt, und gleich wieder den nächsten Schädel einschlägt? Sollte man nicht lieber gegen die zweite Tat präventiv vorgehen, anstatt zu warten dass er sie begeht?
Ich denke, "Prävention" ist eine ausgesprochen schwierige, wenn nicht gar unmögliche Sache, weil man solche Leute in ihrem Charakter komplett umpolen müsste, was man schon allein deshalb kaum hinbekommen dürfte, da solche Änderungen in erster Linie eine Frage des freien Willens und der ehrlichen Einsicht sind. Ich persönlich denke, dass die beste Prävention Abschreckung ist: den Leuten aufzeigen, welche Konsequenzen ihr Handeln für sie selbst haben wird. Und das ist eng verbunden mit Gerechtigkeit, denn Gerechtigkeit ist nichts anderes, als jeden die Konsequenzen seines Handelns, ob gut oder schlecht, spüren zu lassen. Kausalprinzip, sozusagen. Und in dem Sinne denke ich auch, dass die primäre Funktion der Strafe die Wiederherstellung der Gerechtigkeit mittels Vergeltung ist, und nicht die Prävention oder Resozialisierung, die allenfalls sekundäre Begleiteffekte sein können, die sich aus der Erfüllung des primären Zwecks ergeben.


