Zurück zum Ursprungsthema - bzw. auch was zum Genießen, jedenfalls wenn man auf den Genuß von Geisterbahnen steht, ein Auszug aus dem Leitartikel des aktuellen "Smart Investor":
Die Banken und der Staat
Um es kurz zu machen: Im Bankensektor brennt es lichterloh, und die gesamte Branche ist meiner Meinung nach auf dem besten Wege, komplett unter Staats-Fittiche zu schlüpfen. Anders wird das Vertrauen nicht mehr zurückkehren können. Solange man nach wie vor rumlaviert wie bei der Citigroup, wo der amerikanische Staat nun einen Anteil von 36% übernommen hat, werden sich die Märkte nicht beruhigen. Wenn US-Finanzminister Tim Geithner dazu sagt, dass er eine mehrheitlich von privatwirtschaftlicher Hand geführte Großbank effizienter und besser geführt hält als eine Staatsbank, dann kann ich ihm dabei nur unumwunden zustimmen. Nur Mr. Geithner, hier geht es schon lange nicht mehr um Effizienz, und um gute Führung schon gleich überhaupt nicht mehr! Es geht hier einzig und alleine nur noch darum, dass aus sich heraus kein Vertrauen mehr für den Bankensektor aufkommen kann. Einzig und alleine die komplette Verstaatlichung könnte das bringen.
Too late and too little
Wenn ich mich so diese Sätze schreiben sehe, dann kommt mir der Gedanke, dass ich inmitten von Che Guevara, Fidel Castro, Leonid Breschniew und Erich Honnecker sicher eine gute Figur machen würde. Doch dabei bin ich hinsichtlich meines volkswirtschaftlichen Standpunkts genau am anderen Ende des Theorienspektrums anzusiedeln. Und dennoch sollte klar sein, dass die bisherige Vorgehensweise des peu-a-peu ein einziges Gestopsel ist, bei dem nichts herauskommen kann. Eine kollabierende Blase, so wie wir sie jetzt erleben, kann man so nicht stoppen. Eigentlich lässt sie sich überhaupt nicht aufhalten, allerdings unter Umständen zeitlich nach hinten schieben. Wenn wir ersteres wollen, also einen deflationären Kollaps, dann müssen unsere Politiker und Notenbanker mit ihrer Politik der kleinen Schritte nur so weiter machen wie bisher. Wenn sie allerdings noch etwas Zeit gewinnen wollen, müssten sie jetzt Vollgas geben, so wie dies die US-Starökonom Nouriel Roubini im Interview mit Smart Investor forderte. Seiner Ansicht nach wird derzeit zu spät und zu wenig gehandelt („too late and too little“).
Wie gesagt: Ich mag mich in dieser Diskussion schon gar nicht mehr engagieren. Denn das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen, und man wird es definitiv nicht mehr nach oben holen können. Kurzum: Dieses unsere Finanzsystem liegt in seinen letzten Zügen, und die einzige Frage, die ich mir jetzt noch stelle: Gehen die Lichter schon in wenigen Monaten aus, oder doch erst in ein paar Jahren? Für uns als Marktbeobachter ist dies wichtig, weil sich daraus eine völlig unterschiedliche Analagestrategie ableitet: Im ersten Fall sollte man Geld horten, im zweiten Fall genau das Gegenteil, nämlich Sachwert. Mehr zu diesen Themen finden Sie auch im neuen Heft, wo Sie erhellende Interviews mit den Herren Roubini und auch Felix Zulauf finden.