Ratelon wie immer Vorbild
Verfasst: Fr 11. Mai 2007, 07:56
Massenflucht aus Massenhausen
Im hessischen Bad Arolsen hat sich ein SPD-Ortsverein aufgelöst
Von Ludger van der Heyden
Die von ungebremstem Mitgliederschwund gebeutelte Sozialdemokratie hat einen Ortsverein weniger. Auf einen Schlag 61 ihrer Anhänger hat die SPD in Massenhausen, einem Stadtteil von Bad Arolsen im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg, verloren. Auslöser der Kollektivflucht waren Differenzen der Vereinsführung mit der Rathausfraktion in Fragen der innerparteilichen Demokratie und die aufgestaute Verbitterung über den neoliberalen Kurs der Mutterpartei. Pikanterweise verschwindet damit ausgerechnet eine Parteiuntergliederung von der Bildfläche, die in der Vergangenheit mehrfach vom Bundesvorstand wegen ihrer erfolgreichen Mitgliederwerbung ausgezeichnet wurde.
»Die SPD ist sich selbst der größte Feind«, begründete der Ortsvereinsvorsitzende Paul Jörns gegenüber der Lokalpresse den spektakulären Schritt. Mit ihrer Reformpolitik habe die Bundespartei schon viele ihrer Mitglieder austrittswillig gemacht. Die SPD sei zu einer »Wählergemeinschaft ohne Programm« mutiert. Aus Protest gegen die Parteilinie hatte sich erst Ende 2006 auch der komplette 19köpfige Ortsverein Eddelak im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein aufgelöst (jW berichtete). Jörns und seine Mitstreiter, die sich als »Brandt-Verfechter« verstehen, haben ihr Parteibuch am Mittwoch in der SPD-Geschäftsstelle in der Kreisstadt Korbach abgegeben. Anschließend gaben die Abtrünnigen bekannt, zum 1. Juni eine Wählerinitiative namens SDP für »Sozial, Demokratisch, Progressiv« aus der Taufe zu heben.
Mit heute noch rund 570000 Mitgliedern sind der SPD seit 1990 fast 40 Prozent ihrer Basis weggebrochen. Nach einer SPD-internen Analyse aus dem Jahre 2006 haben mehr als 1600 von 9300 Ortsvereinen seit mindestens fünf Jahren kein einziges Neumitglied angeworben. Nur noch 34 Ortgruppen gelten demnach als »vital«, konnten also seit 2001 jährlich mindestens zehn Prozent Neulinge gewinnen
Im hessischen Bad Arolsen hat sich ein SPD-Ortsverein aufgelöst
Von Ludger van der Heyden
Die von ungebremstem Mitgliederschwund gebeutelte Sozialdemokratie hat einen Ortsverein weniger. Auf einen Schlag 61 ihrer Anhänger hat die SPD in Massenhausen, einem Stadtteil von Bad Arolsen im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg, verloren. Auslöser der Kollektivflucht waren Differenzen der Vereinsführung mit der Rathausfraktion in Fragen der innerparteilichen Demokratie und die aufgestaute Verbitterung über den neoliberalen Kurs der Mutterpartei. Pikanterweise verschwindet damit ausgerechnet eine Parteiuntergliederung von der Bildfläche, die in der Vergangenheit mehrfach vom Bundesvorstand wegen ihrer erfolgreichen Mitgliederwerbung ausgezeichnet wurde.
»Die SPD ist sich selbst der größte Feind«, begründete der Ortsvereinsvorsitzende Paul Jörns gegenüber der Lokalpresse den spektakulären Schritt. Mit ihrer Reformpolitik habe die Bundespartei schon viele ihrer Mitglieder austrittswillig gemacht. Die SPD sei zu einer »Wählergemeinschaft ohne Programm« mutiert. Aus Protest gegen die Parteilinie hatte sich erst Ende 2006 auch der komplette 19köpfige Ortsverein Eddelak im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein aufgelöst (jW berichtete). Jörns und seine Mitstreiter, die sich als »Brandt-Verfechter« verstehen, haben ihr Parteibuch am Mittwoch in der SPD-Geschäftsstelle in der Kreisstadt Korbach abgegeben. Anschließend gaben die Abtrünnigen bekannt, zum 1. Juni eine Wählerinitiative namens SDP für »Sozial, Demokratisch, Progressiv« aus der Taufe zu heben.
Mit heute noch rund 570000 Mitgliedern sind der SPD seit 1990 fast 40 Prozent ihrer Basis weggebrochen. Nach einer SPD-internen Analyse aus dem Jahre 2006 haben mehr als 1600 von 9300 Ortsvereinen seit mindestens fünf Jahren kein einziges Neumitglied angeworben. Nur noch 34 Ortgruppen gelten demnach als »vital«, konnten also seit 2001 jährlich mindestens zehn Prozent Neulinge gewinnen