S21
Verfasst: Fr 1. Okt 2010, 16:52
Was sagt ihr dazu?
Ich selber wohne weit weg von Stuttgart und hab mit dem Schienennetz von BaWü auch eher wenig Kontakt. Als BahnCard50-Inhaber nutze ich sehr häufig und regelmäßig die DB Regio und als Student in den beiden Städten, die ich meist mit meiner Anwesenheit beglücke, Bus und Bahn.
In Leipzig wird ja seit Jahren am sog. "Citytunnel" gebaut, der eine Verbindung zwischen dem Leipziger Hauptbahnhof (fächenmäßig größter Kopfbahnhof Europas) und dem Bayrischen Bahnhof im Süden herstellen sollen. Die Kosten für das Bauvorhaben wurden ursprunglich mit ca. 1 Milliarde DM berechnet und haben jetzt nahezu 1 Milliarde €uro erreicht. Am Bayerischen Bahnhof wurde der eindrucksvolle Portikus aufwendig verschoben. Vor Jahren wurden dort auch mal in einer Nacht- und Nebel-Aktion ein paar Bäume, die unter Naturschutz standen, gefällt.
In Chemnitz soll das Schienennetz der DB mit dem der CVAG verbunden werden, die haben die gleiche Spurweite. Dazu wird der Hauptbahnhof in Chemnitz umgebaut, damit die S-Bahnen quasi direkt vom Straßenbahnetz ins DB-Netz und somit ins Umland fahren können.
In meinem näherem Umfeld wird also auch fleißig gebaut, abgerissen und Geld ausgegeben. Teilweise auch bitter nötig, das frühere Pionierland des Eisenbahnverkehrs ist heutzutage nämlich weitestgehend vom Fernverkehr abgeschnitten. Schwarz-Gelb betreibt hier die Politik "Autoland Sachsen" - und in Chemnitz fährt kein ICE oder IC (immerhin 250.000 Einwohner!), in Dresden ist des abends auch Schluss mit lustig, nach Berlin dauert die Zugfahrt wohl eine halbe Ewigkeit und Leipzig soll nach Fahrplanumstellung auch schlechter angebunden sein, der Fernverkehr soll dann stärker über Halle laufen.
Diese Bauarbeiten sind allerdings nur Peanuts gegen das S21-Projekt. Was ich an der Stelle seltsam finde: irgendwo hab ich gelesen, dass die Fahrtzeit Richtung Ulm so weit verkürzt werden soll, wie sie es schon Mitte der 90er gewesen ist. Die Züge konnten diese Zeit allerdings nicht halten, weil die Strecke einfach im Laufe der Jahre so stark abgenutzt und kaum instandgesetzt wurde.
Das passt wieder wie Arsch auf Eimer - für die kleineren und notwendigen Wartungsarbeiten an Zügen und Bahnstrecken ist kein Geld da, der Fahrplan wird ausgedünnt. Die DB soll an die Börse, also weg mit dem Klimbim!
Aber für gigantomanische Prestigeobjekte werden Millionen (oder Milliarden, was soll der Geiz?) verbraten.
Es gibt ja den Spruch, der Sozialismus habe nur 4 Feinde: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Mittlerweile könnte man das auf die Bahn übertragen, die doch noch vor Jahrzehnten geworben hat mit "Alle reden vom Wetter. Wir nicht."
Der Spruch wurde '68 vom SDS übernommen und hier kommt jetzt meine grandiose Überleitung: wir damals ist auch das Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten überhart und unverhältnismäßig.
Zynisch gesehen könnte ich fast ein bisschen froh sein, dass es so weit gekommen ist. Dann merken auch mal die "Normalen" Leute, dass es eben nicht nur Fußballfans oder linke Zecken treffen kann, sondern das manches Prügelbatallion rücksichtslos von seinem Gewaltmonopol Gebrauch macht.
Aber heißt es nicht: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus?
Ich selber wohne weit weg von Stuttgart und hab mit dem Schienennetz von BaWü auch eher wenig Kontakt. Als BahnCard50-Inhaber nutze ich sehr häufig und regelmäßig die DB Regio und als Student in den beiden Städten, die ich meist mit meiner Anwesenheit beglücke, Bus und Bahn.
In Leipzig wird ja seit Jahren am sog. "Citytunnel" gebaut, der eine Verbindung zwischen dem Leipziger Hauptbahnhof (fächenmäßig größter Kopfbahnhof Europas) und dem Bayrischen Bahnhof im Süden herstellen sollen. Die Kosten für das Bauvorhaben wurden ursprunglich mit ca. 1 Milliarde DM berechnet und haben jetzt nahezu 1 Milliarde €uro erreicht. Am Bayerischen Bahnhof wurde der eindrucksvolle Portikus aufwendig verschoben. Vor Jahren wurden dort auch mal in einer Nacht- und Nebel-Aktion ein paar Bäume, die unter Naturschutz standen, gefällt.
In Chemnitz soll das Schienennetz der DB mit dem der CVAG verbunden werden, die haben die gleiche Spurweite. Dazu wird der Hauptbahnhof in Chemnitz umgebaut, damit die S-Bahnen quasi direkt vom Straßenbahnetz ins DB-Netz und somit ins Umland fahren können.
In meinem näherem Umfeld wird also auch fleißig gebaut, abgerissen und Geld ausgegeben. Teilweise auch bitter nötig, das frühere Pionierland des Eisenbahnverkehrs ist heutzutage nämlich weitestgehend vom Fernverkehr abgeschnitten. Schwarz-Gelb betreibt hier die Politik "Autoland Sachsen" - und in Chemnitz fährt kein ICE oder IC (immerhin 250.000 Einwohner!), in Dresden ist des abends auch Schluss mit lustig, nach Berlin dauert die Zugfahrt wohl eine halbe Ewigkeit und Leipzig soll nach Fahrplanumstellung auch schlechter angebunden sein, der Fernverkehr soll dann stärker über Halle laufen.
Diese Bauarbeiten sind allerdings nur Peanuts gegen das S21-Projekt. Was ich an der Stelle seltsam finde: irgendwo hab ich gelesen, dass die Fahrtzeit Richtung Ulm so weit verkürzt werden soll, wie sie es schon Mitte der 90er gewesen ist. Die Züge konnten diese Zeit allerdings nicht halten, weil die Strecke einfach im Laufe der Jahre so stark abgenutzt und kaum instandgesetzt wurde.
Das passt wieder wie Arsch auf Eimer - für die kleineren und notwendigen Wartungsarbeiten an Zügen und Bahnstrecken ist kein Geld da, der Fahrplan wird ausgedünnt. Die DB soll an die Börse, also weg mit dem Klimbim!
Aber für gigantomanische Prestigeobjekte werden Millionen (oder Milliarden, was soll der Geiz?) verbraten.
Es gibt ja den Spruch, der Sozialismus habe nur 4 Feinde: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Mittlerweile könnte man das auf die Bahn übertragen, die doch noch vor Jahrzehnten geworben hat mit "Alle reden vom Wetter. Wir nicht."
Der Spruch wurde '68 vom SDS übernommen und hier kommt jetzt meine grandiose Überleitung: wir damals ist auch das Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten überhart und unverhältnismäßig.
Zynisch gesehen könnte ich fast ein bisschen froh sein, dass es so weit gekommen ist. Dann merken auch mal die "Normalen" Leute, dass es eben nicht nur Fußballfans oder linke Zecken treffen kann, sondern das manches Prügelbatallion rücksichtslos von seinem Gewaltmonopol Gebrauch macht.
Aber heißt es nicht: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus?