Pastor Terry Jones
Verfasst: Sa 11. Sep 2010, 01:28
Wenn der Gedankenaustausch zu aktuellen und kontroversen Themen hier gerade schon eine zarte Renaissance erlebt, darf neben Sarrazin und Steinbach finde ich natürlich auch Pastor Jones nicht fehlen. 
Terry Jones ist der Geistliche einer evangelikalen Kirchengemeinde in Gainesville (Florida). Er wurde weltberüchtigt mit seiner Ankündigung, am heutigen 11. September - dem Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon sowie eines vereitelten Anschlages auf mutmaßlich das Weiße Haus durch islamistische Terroristen - in einer öffentlichen Veranstaltung Textausgaben des Korans verbrennen zu wollen.
Und natürlich ist buchstäblich alle Welt empört. Das Weiße Haus, das US-Außenministerium, die UNO, der Vatikan, zahllose nationale Regierungen und Politiker, Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner und wer sich sonst noch so für wichtig hält, entrüsten sich leidenschaftlich. Volksverhetzend, beleidigend, provokativ, intolerant usw. lautet der Tenor.
Nahezu wöchentlich brennen auf Demonstrationen und Kundgebungen in islamischen Staaten amerikanische und israelische Fahnen sowie Puppen westlicher, einschleßlich israelischer, Politiker. Der Schulunterricht in diesen Ländern besteht zu einem wesentlichen Teil aus stundenlangen Rezitationen antiamerikanischer und antiisraelischer Parolen im Chor (siehe etwa: Betty Mahmoody, Not without my daughter). Das empört oder besorgt niemanden irgendwie.
In den USA ist das Verbrennen der Nationalflagge als verfassungsrechtlich geschützte Meinungsäußerung höchstricherlich anerkannt (491 U.S. 397 und 496 U.S. 310). Würde in Deutschland eine Gruppe von Satanisten, Neoheiden o. ä. öffentlich Bibeln verbrennen, würde kein Hahn danach krähen. Allenfalls würde vielleicht die Deutsche Bischofskonferenz und/oder der Rat der EKD Strafanzeige wegen Verstoßes gegen § 166 StGB (Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen) erstatten. Die zuständige Staatsanwaltschaft würde die zunächst anzulegende Akte ganz schnell mit der sinngemäßen Konklusion wieder schließen: "Lasst die doch machen, was ficht euch das an? Ihr steht doch wohl über sowas!" Förmlich juristisch: "de minimis non curat praetor" (um Kleinigkeiten kümmert sich der Staatsanwalt nicht), § 153 StPO. Ein Klageerzwingungsverfahren (§ 172 StPO) bliebe mit Sicherheit ebenso aus wie jede breite öffentliche Notiz des Geschehens. Diese erfolgte, wenn überhaupt, eher auf dem Boulevard als in der seriösen Nachrichtenbranche.
Egal welche Fahne in Flammen aufgeht, egal welche Religion oder ihre Symbole beschimpft oder verächtlich gemacht werden - in pluralistischen Gesellschaften lässt man kleine Gruppen von Spinnern einfach spinnen. Sei es aus intellektueller Verteidigung der Meinungsfreiheit, oder nach dem weisen Spruch: "Was macht die Eiche, wenn sich ein Wildschein an ihr wetzt?" (Antwort: gar nichts, natürlich.)
Aber Gott gnade uns allen, wenn es um den Islam geht! Wird dieser irgendwie kritisiert, karikiert, veralbert oder beschimpft, triefen die Augen und bluten die Herzen um die Wette. "Islamfeindlichkeit" hat als vernichtender Kampfbegriff längst "Ausländerfeindlichkeit", "Rechtsradikalismus" oder schlicht "Neonazismus" abgelöst.
Am erschreckendsten ist aber die Argumentation jener, die sich noch nicht mal inhaltlich über Kritik am oder Verächtlichmachung des Islam empören (mögen). Sondern nur, wie US-General David Petraeus, vor gewalttätigen Reaktionen aus der islamischen Welt warnen.
Deren verquere Logik: mit Christen, Juden, Buddhisten, Esoterikern u. a. könnt ihr es ruhig machen - die jagen sich ja nicht gleich in S-Bahnen oder Diskotheken in die Luft, wenn man ihnen zu nahe tritt. Aber lasst bloß die Muslime in Ruhe, die ticken dann nämlich richtig aus!
Aus Hasenfüßigkeit sollen wir uns von Fanatikern unsere über Jahrhunderte blutig erkämpften (z. B. Französische Revolution) oder schmerzlich in ihrer Bedeutung zu schätzen gelernten (z. B. Drittes Reich, DDR) bürgerlichen Freiheiten wieder wegnehmen lassen und dem "Appeasement" an Extremisten opfern.
In was für einer Welt leben wir eigentlich?
Ich persönlich halte Pastor Terry Jones für einen Vollidioten, und seine Koranverbrennung für eine sinnlose und dämliche Aktion. Dessen unbeschadet ist das aber eine so legitime Meinungsäußerung wie das Verbrennen von Fahnen, Schänden von Hostien, Erzählen von Judenwitzen oder was weiß ich.
Jeder hat das Recht, wiederum seine Meinung zu dieser Meinungsäußerung zu äußern. Aber er muss sich seinerseits die weitere Rückfrage gefallen lassen, warum ihn möglicherweise gerade diese Meinung oder die Art ihrer Äußerung so sehr empört?
Terry Jones ist der Geistliche einer evangelikalen Kirchengemeinde in Gainesville (Florida). Er wurde weltberüchtigt mit seiner Ankündigung, am heutigen 11. September - dem Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon sowie eines vereitelten Anschlages auf mutmaßlich das Weiße Haus durch islamistische Terroristen - in einer öffentlichen Veranstaltung Textausgaben des Korans verbrennen zu wollen.
Und natürlich ist buchstäblich alle Welt empört. Das Weiße Haus, das US-Außenministerium, die UNO, der Vatikan, zahllose nationale Regierungen und Politiker, Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner und wer sich sonst noch so für wichtig hält, entrüsten sich leidenschaftlich. Volksverhetzend, beleidigend, provokativ, intolerant usw. lautet der Tenor.
Nahezu wöchentlich brennen auf Demonstrationen und Kundgebungen in islamischen Staaten amerikanische und israelische Fahnen sowie Puppen westlicher, einschleßlich israelischer, Politiker. Der Schulunterricht in diesen Ländern besteht zu einem wesentlichen Teil aus stundenlangen Rezitationen antiamerikanischer und antiisraelischer Parolen im Chor (siehe etwa: Betty Mahmoody, Not without my daughter). Das empört oder besorgt niemanden irgendwie.
In den USA ist das Verbrennen der Nationalflagge als verfassungsrechtlich geschützte Meinungsäußerung höchstricherlich anerkannt (491 U.S. 397 und 496 U.S. 310). Würde in Deutschland eine Gruppe von Satanisten, Neoheiden o. ä. öffentlich Bibeln verbrennen, würde kein Hahn danach krähen. Allenfalls würde vielleicht die Deutsche Bischofskonferenz und/oder der Rat der EKD Strafanzeige wegen Verstoßes gegen § 166 StGB (Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen) erstatten. Die zuständige Staatsanwaltschaft würde die zunächst anzulegende Akte ganz schnell mit der sinngemäßen Konklusion wieder schließen: "Lasst die doch machen, was ficht euch das an? Ihr steht doch wohl über sowas!" Förmlich juristisch: "de minimis non curat praetor" (um Kleinigkeiten kümmert sich der Staatsanwalt nicht), § 153 StPO. Ein Klageerzwingungsverfahren (§ 172 StPO) bliebe mit Sicherheit ebenso aus wie jede breite öffentliche Notiz des Geschehens. Diese erfolgte, wenn überhaupt, eher auf dem Boulevard als in der seriösen Nachrichtenbranche.
Egal welche Fahne in Flammen aufgeht, egal welche Religion oder ihre Symbole beschimpft oder verächtlich gemacht werden - in pluralistischen Gesellschaften lässt man kleine Gruppen von Spinnern einfach spinnen. Sei es aus intellektueller Verteidigung der Meinungsfreiheit, oder nach dem weisen Spruch: "Was macht die Eiche, wenn sich ein Wildschein an ihr wetzt?" (Antwort: gar nichts, natürlich.)
Aber Gott gnade uns allen, wenn es um den Islam geht! Wird dieser irgendwie kritisiert, karikiert, veralbert oder beschimpft, triefen die Augen und bluten die Herzen um die Wette. "Islamfeindlichkeit" hat als vernichtender Kampfbegriff längst "Ausländerfeindlichkeit", "Rechtsradikalismus" oder schlicht "Neonazismus" abgelöst.
Am erschreckendsten ist aber die Argumentation jener, die sich noch nicht mal inhaltlich über Kritik am oder Verächtlichmachung des Islam empören (mögen). Sondern nur, wie US-General David Petraeus, vor gewalttätigen Reaktionen aus der islamischen Welt warnen.
Deren verquere Logik: mit Christen, Juden, Buddhisten, Esoterikern u. a. könnt ihr es ruhig machen - die jagen sich ja nicht gleich in S-Bahnen oder Diskotheken in die Luft, wenn man ihnen zu nahe tritt. Aber lasst bloß die Muslime in Ruhe, die ticken dann nämlich richtig aus!
Aus Hasenfüßigkeit sollen wir uns von Fanatikern unsere über Jahrhunderte blutig erkämpften (z. B. Französische Revolution) oder schmerzlich in ihrer Bedeutung zu schätzen gelernten (z. B. Drittes Reich, DDR) bürgerlichen Freiheiten wieder wegnehmen lassen und dem "Appeasement" an Extremisten opfern.
In was für einer Welt leben wir eigentlich?
Ich persönlich halte Pastor Terry Jones für einen Vollidioten, und seine Koranverbrennung für eine sinnlose und dämliche Aktion. Dessen unbeschadet ist das aber eine so legitime Meinungsäußerung wie das Verbrennen von Fahnen, Schänden von Hostien, Erzählen von Judenwitzen oder was weiß ich.
Jeder hat das Recht, wiederum seine Meinung zu dieser Meinungsäußerung zu äußern. Aber er muss sich seinerseits die weitere Rückfrage gefallen lassen, warum ihn möglicherweise gerade diese Meinung oder die Art ihrer Äußerung so sehr empört?