Zum Thema Parteien und Parlamentsgröße
Verfasst: Mi 21. Okt 2009, 00:28
Einige Gedanken zu dieser Diskussion. Sicherheitshalber gleich im simulationsexternen Bereich, da meine Überlegungen rein simulationsexterner Natur sind.
Die Parteiensimulation war früher ein entscheidender Faktor ratelonischen Glanzes und Erfolges, weil sie zwei wichtige Funktionen erfüllt hat: zum einen hat sie Neubürgern den Einstieg in die Politiksimulaton erleichtert. Diese konnten sich zunächst eine ihren grundsätzlichen Ansichten entsprechende Partei aussuchen und dort die ratelonische Politik kennenlernen, die politische Auseinandersetzung trainieren, Ideen entwickeln und einbringen, Netzwerke knüpfen und sich für öffentliche Ämter empfehlen.
Vor allem aber haben die Parteien dem politischen Wettbewerb erst Konturen und Würze gegeben, indem sie Programme und Positionen in den Mittelpunkt gerückt haben, statt Personen. In einer auf Personen fokussierten Demokratie sind inhaltliche Auseinandersetzungen auf einem vergleichbaren Niveau nicht möglich, denn sie entzieht dem politischen Geschehen eine bedeutende Ebene, nämlich die innerparteiliche.
In einer Parteiendemokratie muss jeder Vorschlag, jede Forderung und jede Idee zunächst durch die Partei ihres Urhebers. Nur weil diese in der Regel aus weltanschaulich ähnlich ausgerichteten Personen besteht heißt das ja noch lange nicht, dass sie dort mit Begeisterung aufgenommen und gleich an die Öffentlichkeit transportiert wird. Auch zwischen Konservativen, Liberalen, Sozialisten usw. untereinander gibt es erhebliche Unterschiede, die sie zu mitunter ganz verschiedenen Ansichten in einer Frage führen. Diese müssen ausdiskutiert, Kompromissvorschläge müssen entwickelt, Allianzen gebildet und am Ende Einigungen erzielt oder Abstimmungen durchgeführt werden.
Und ebenso muss jeder, der politisch etwas werden will, erst mal durch seine eigene Partei! Bevor er für irgendein Amt nominiert wird, muss er zunächst zeigen, dass er gute Ideen hat, dass er sie in der Diskussion verteidigen, über sie verhandeln, je nach Entwicklung nachgeben, Kompromisse anbieten oder annehmen oder auch mal nachgeben kann.
All das fehlt einer reinen Personendemokratie. Können sich in ihr zwei grundsätzlich gleichgerichtete Personen nicht einigen, dann treten sie eben nicht zusammen, sondern getrennt an, jeder mit seiner ganz persönlichen - um nicht zu sagen: privaten - Plattform. Kategorien wie "Rechts" und "Links" verlieren dadurch ebenso an Signifikanz und Bedeutung wie Begriffe wie "Konservativ", "Liberal", "Sozialistisch" usw. Das ganze politische Spektrum zerfällt in einzelne Themen und Fragen, politische Milieus lösen sich auf. Niemand kann mehr sagen, wo man eine amtierende Regierung nun eigentlich einzuordnen hat, sie ist bloß noch ein Sammelsurium von Einzelcharakteren und -meinungen, ohne größere ideologische Klammer.
Eine echte Beeinflussung bzw. Bestimmung der Politik durch den Wähler wird unmöglich, denn Ergebnis einer Wahl ist ein Parlament voller Einzelkämpfer, die Regierungsbildung ein unübersichtliches Geschacher um Kleinigkeiten, wen zu wählen ihm was genau bringen wird, weiß bei der Stimmabgabe niemand. Große, ideologisch geprägte Auseinandersetzungen finden nicht mehr statt.
Eine Politiksimulation, in der Personen statt Parteien agieren, bietet keinen echten Spielspaß, denn ihr fehlt einfach, was den Reiz dieser Art Spiel ausmacht: das frontale Aufeinandertreffen von Ideologien, und ihr deutlicher Ausgang als Sieg der einen und Niederlage der anderen Seite.
Aber auch die Forderung nach einer Verkleinerung des Unionsparlaments ist richtig. Der Wahlleiter hat für die anstehende Parlamentswahl 43 Wahlberechtigte ermittelt, die aus ihrer Mitte 11 Parlamentarier wählen werden.
Das heißt im Klartext: jeder vierte Bürger zieht ins Unionsparlament ein! Rechnet man noch sieben Unionsratsmitglieder sowie nach abgeschlossener Regierungsbildung vielleicht einen oder zwei Minister ohne Parlamentsmandat hinzu, sind fast die Hälfte aller Bürger in einer Führungsposition auf Unionsebene tätig. Berücksichtigt man noch die durchschnittliche Wahlbeteiligung von ca. 80%, sind es zwei Drittel der aktiven Bürger.
Das restliche Drittel sind realistischerweise nicht Politiker im Kampf um ihren Aufstieg, sondern Bürger, die andere Interessen als eine politische Karriere verfolgen (etwa Sport, Wirtschaft, Recht oder Lebenssimulation).
Damit ist die Simulation einer repräsentativen Demokratie praktisch am Ende. Denn deren "Spielziel" ist, wenn man so will, die Wahl in ein und die Behauptung in einem Amt mit politischer Verantwortung.
Nur ist das in Ratelon faktisch kein Ziel mehr, auf das man hinarbeitet, und das einem nach Erreichen weiterhin ständig streitig gemacht wird, es ist mehr oder weniger längst ein Zustand, der jeden aktiven und an der Politiksimulation interessierten Spieler recht schnell ereilt und der ihn gegen seinen Willen auch nicht mehr loslässt.
Wann endete zuletzt eine politische Karriere durch eine Wahlniederlage, und nicht durch den freiwilligen bzw. realitätsbedingten Rückzug aus dem Amt?
Die Zahl nicht nur der Sitze im Unionsparlament, sondern der politischen Ämter überhaupt, muss drastisch reduziert werden, soll es in Ratelon wieder echten politischen Wettbewerb geben. Weitere denkbare bzw. notwendige Schritte wären eine drastische Verkleinerung der Unionsregierung (Unionskanzler + 2 oder maximal 3 Minister) sowie eine Reduktion der Zahl der Unionsländer. Ja, ganz recht, Ratelon verkraftet einfach keine sieben Unionsländer mehr. Selbst in seiner Blütezeit waren sieben bzw. acht Länder viel zuviel. Die Devise heißt: ganz schnell abspecken, oder weiter langsam absaufen.
Da Fusionen wohl kaum praktikabel und durchsetzbar wären, sollten wir hier über einen anderen Weg nachdenken, nämlich eine einmalige "Austrittsoption". Diese brächte zudem den Vorzug, Ratelon als Gesamtstaat wieder mehr zu integrieren und homogenisieren. Länder, die sowieso schon eher als eigenständige Nationen simuliert werden und gar kein Interesse an einer gemeinsamen ratelonischen Identität mehr haben, könnten gehen und fortan ihr eigenes Ding machen.
Radikal, ich weiß, aber eine echte "2 in 1"-Problemlösung. Denn es nutzt niemandem, wenn die Länder im Durchschnitt noch sechs Einwohner haben, von denen in vielen einer nur deshalb Regierungschef ist, um eine Unionsexekution verhindern, sonst aber mangels Motivation, Ideen, Mitarbeit und auch Druck nichts tut. Ebenso nutzt es niemandem, wenn manche Länder längst völlig an Ratelon vorbeisimulieren, auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen, sich statt Ratelon anderen Micronationen verbunden oder zugehörig fühlen und nur noch unter dem Druck der Spielregeln bei der Stange bleiben.
Wir sollten das ernsthaft diskutieren.
Die Parteiensimulation war früher ein entscheidender Faktor ratelonischen Glanzes und Erfolges, weil sie zwei wichtige Funktionen erfüllt hat: zum einen hat sie Neubürgern den Einstieg in die Politiksimulaton erleichtert. Diese konnten sich zunächst eine ihren grundsätzlichen Ansichten entsprechende Partei aussuchen und dort die ratelonische Politik kennenlernen, die politische Auseinandersetzung trainieren, Ideen entwickeln und einbringen, Netzwerke knüpfen und sich für öffentliche Ämter empfehlen.
Vor allem aber haben die Parteien dem politischen Wettbewerb erst Konturen und Würze gegeben, indem sie Programme und Positionen in den Mittelpunkt gerückt haben, statt Personen. In einer auf Personen fokussierten Demokratie sind inhaltliche Auseinandersetzungen auf einem vergleichbaren Niveau nicht möglich, denn sie entzieht dem politischen Geschehen eine bedeutende Ebene, nämlich die innerparteiliche.
In einer Parteiendemokratie muss jeder Vorschlag, jede Forderung und jede Idee zunächst durch die Partei ihres Urhebers. Nur weil diese in der Regel aus weltanschaulich ähnlich ausgerichteten Personen besteht heißt das ja noch lange nicht, dass sie dort mit Begeisterung aufgenommen und gleich an die Öffentlichkeit transportiert wird. Auch zwischen Konservativen, Liberalen, Sozialisten usw. untereinander gibt es erhebliche Unterschiede, die sie zu mitunter ganz verschiedenen Ansichten in einer Frage führen. Diese müssen ausdiskutiert, Kompromissvorschläge müssen entwickelt, Allianzen gebildet und am Ende Einigungen erzielt oder Abstimmungen durchgeführt werden.
Und ebenso muss jeder, der politisch etwas werden will, erst mal durch seine eigene Partei! Bevor er für irgendein Amt nominiert wird, muss er zunächst zeigen, dass er gute Ideen hat, dass er sie in der Diskussion verteidigen, über sie verhandeln, je nach Entwicklung nachgeben, Kompromisse anbieten oder annehmen oder auch mal nachgeben kann.
All das fehlt einer reinen Personendemokratie. Können sich in ihr zwei grundsätzlich gleichgerichtete Personen nicht einigen, dann treten sie eben nicht zusammen, sondern getrennt an, jeder mit seiner ganz persönlichen - um nicht zu sagen: privaten - Plattform. Kategorien wie "Rechts" und "Links" verlieren dadurch ebenso an Signifikanz und Bedeutung wie Begriffe wie "Konservativ", "Liberal", "Sozialistisch" usw. Das ganze politische Spektrum zerfällt in einzelne Themen und Fragen, politische Milieus lösen sich auf. Niemand kann mehr sagen, wo man eine amtierende Regierung nun eigentlich einzuordnen hat, sie ist bloß noch ein Sammelsurium von Einzelcharakteren und -meinungen, ohne größere ideologische Klammer.
Eine echte Beeinflussung bzw. Bestimmung der Politik durch den Wähler wird unmöglich, denn Ergebnis einer Wahl ist ein Parlament voller Einzelkämpfer, die Regierungsbildung ein unübersichtliches Geschacher um Kleinigkeiten, wen zu wählen ihm was genau bringen wird, weiß bei der Stimmabgabe niemand. Große, ideologisch geprägte Auseinandersetzungen finden nicht mehr statt.
Eine Politiksimulation, in der Personen statt Parteien agieren, bietet keinen echten Spielspaß, denn ihr fehlt einfach, was den Reiz dieser Art Spiel ausmacht: das frontale Aufeinandertreffen von Ideologien, und ihr deutlicher Ausgang als Sieg der einen und Niederlage der anderen Seite.
Aber auch die Forderung nach einer Verkleinerung des Unionsparlaments ist richtig. Der Wahlleiter hat für die anstehende Parlamentswahl 43 Wahlberechtigte ermittelt, die aus ihrer Mitte 11 Parlamentarier wählen werden.
Das heißt im Klartext: jeder vierte Bürger zieht ins Unionsparlament ein! Rechnet man noch sieben Unionsratsmitglieder sowie nach abgeschlossener Regierungsbildung vielleicht einen oder zwei Minister ohne Parlamentsmandat hinzu, sind fast die Hälfte aller Bürger in einer Führungsposition auf Unionsebene tätig. Berücksichtigt man noch die durchschnittliche Wahlbeteiligung von ca. 80%, sind es zwei Drittel der aktiven Bürger.
Das restliche Drittel sind realistischerweise nicht Politiker im Kampf um ihren Aufstieg, sondern Bürger, die andere Interessen als eine politische Karriere verfolgen (etwa Sport, Wirtschaft, Recht oder Lebenssimulation).
Damit ist die Simulation einer repräsentativen Demokratie praktisch am Ende. Denn deren "Spielziel" ist, wenn man so will, die Wahl in ein und die Behauptung in einem Amt mit politischer Verantwortung.
Nur ist das in Ratelon faktisch kein Ziel mehr, auf das man hinarbeitet, und das einem nach Erreichen weiterhin ständig streitig gemacht wird, es ist mehr oder weniger längst ein Zustand, der jeden aktiven und an der Politiksimulation interessierten Spieler recht schnell ereilt und der ihn gegen seinen Willen auch nicht mehr loslässt.
Wann endete zuletzt eine politische Karriere durch eine Wahlniederlage, und nicht durch den freiwilligen bzw. realitätsbedingten Rückzug aus dem Amt?
Die Zahl nicht nur der Sitze im Unionsparlament, sondern der politischen Ämter überhaupt, muss drastisch reduziert werden, soll es in Ratelon wieder echten politischen Wettbewerb geben. Weitere denkbare bzw. notwendige Schritte wären eine drastische Verkleinerung der Unionsregierung (Unionskanzler + 2 oder maximal 3 Minister) sowie eine Reduktion der Zahl der Unionsländer. Ja, ganz recht, Ratelon verkraftet einfach keine sieben Unionsländer mehr. Selbst in seiner Blütezeit waren sieben bzw. acht Länder viel zuviel. Die Devise heißt: ganz schnell abspecken, oder weiter langsam absaufen.
Da Fusionen wohl kaum praktikabel und durchsetzbar wären, sollten wir hier über einen anderen Weg nachdenken, nämlich eine einmalige "Austrittsoption". Diese brächte zudem den Vorzug, Ratelon als Gesamtstaat wieder mehr zu integrieren und homogenisieren. Länder, die sowieso schon eher als eigenständige Nationen simuliert werden und gar kein Interesse an einer gemeinsamen ratelonischen Identität mehr haben, könnten gehen und fortan ihr eigenes Ding machen.
Radikal, ich weiß, aber eine echte "2 in 1"-Problemlösung. Denn es nutzt niemandem, wenn die Länder im Durchschnitt noch sechs Einwohner haben, von denen in vielen einer nur deshalb Regierungschef ist, um eine Unionsexekution verhindern, sonst aber mangels Motivation, Ideen, Mitarbeit und auch Druck nichts tut. Ebenso nutzt es niemandem, wenn manche Länder längst völlig an Ratelon vorbeisimulieren, auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen, sich statt Ratelon anderen Micronationen verbunden oder zugehörig fühlen und nur noch unter dem Druck der Spielregeln bei der Stange bleiben.
Wir sollten das ernsthaft diskutieren.