Ihr aus den Städten, aus den Dörfern, aus den Landen,
leset die Mär vom Leide und Aufstieg der gold'nen Stadt Mixoxa.
In den Anfängen wardt Blut und Todt am Flusse Jerenzer, der die Grenze zog zwischen denen vom Stamme der Jaten und derer vom Blute der Sweten.
In dieser Zeit litt die junge Statt Mixoxa und sie blühte auf. Und wieder litt sie, und wieder erhob sie sich gleich einem Phönix aus der Asche ihres Leides.
So verkündete der Herr der Statt, der junge Villeroy, dass der Phönix das Wappen zieren soll als Zeichen des unaufhöhrlichen Willens der Mixoxen, vor Gott und den Menschen zu bestehn auf alle Zeit.
Und die Zeiten kahmen und ging'n und Mixoxa wuchs und gedieh gut. Doch die Flamme des Krieges kehrte in die Statt zurück und nahm sich, was ihr gefiehl. Mensch, Vieh, Gold und Boden. Und es dauerte eine Generation, dass die Lebenden endlich Frieden erlangten. Und es war verkündhet, dass Mixoxa eine freihe Reichsstadt sich nennen durfte.
Und die Mixoxen waren froh und stolz. Aber sie vergaßen Ihre Pflicht vor dem Herrn nicht und die Zeiten des Blutes, und so fand die Flamme des Feuers seinen Weg in das Wappen der junghen Reichstadt.
Hunderte von Jahren später war Mixoxa erblüht zur schönsten Stadt im Reiche. Und so war es gleich einer Liebe, dass sie der Kayser zu seiner Hauptstadt machte, auf das sie noch mehr erblühe und Einwohner und Fremde von ihr erzählen noch am End der Welt.
So wahrt es verkündet und so fand des Kaysers Kron ihren Platz auf dem Wappen der Statt neben der Rose, die das Erblühn aufs Schönste soll symbolisieren.
Der große Brand – Teil I
Erinnert man sich an die Geschichte von Mixoxa, so denkt man auch des öfteren an den Großbrand im Jahr 1608 zurück. Dass der Brand auf dem zentralen Marktplatz ausgebrochen ist und dabei große Teile der Altstadt zerstört wurden, ist den meisten bekannt. Darüber werde ich hier auch nichts erzählen. Weniger bekannt sind jedoch die Auswirkungen bei den vom Brand betroffenen Menschen, deshalb widme ich diese Geschichte den Opfern. Wir sehen heute nur einen schwerwiegenden Großbrand, aber, ich glaube, wir sehen weniger die Dramatik. Blicken wir zurück: Ein Tag, wie jeder andere damals. Genauso unscheinbar wie jeder andere. Keiner ahnte, was an diesem Tag passieren würde; keiner ahnte, dass sich eine riesige Katastrophe ereignen würde. Nicht weit vom Marktplatz entfernt, in einer kleinen Nebenstraße, wohnte zu der Zeit Wolfgang von Fanderkingen mit seiner Familie. Drei Kinder hatte er, seine Frau erwartete ihr 4. Kind; sie war bereits im 8. Monat Schwanger. Die Familie war nicht besonders reich, Wolfgang verkaufte auf dem Markt allerlei Dinge, vor allem aber Kleidungsstücke und Schmuck, der aber nicht besonders wertvoll war. Es war schwer für die Familie von Fanderkingen sich über Wasser zu halten, der Verkauf brachte nicht viel Geld ein. Dafür war die gesamte Familie aber bei nicht wenigen Leuten durchaus beliebt gewesen; sie hatten den Ruf, immer nett, freundlich und bodenständig zu sein. Auch an dem Tag der Katastrophe verkaufte Wolfgang auf dem Marktplatz seine Artikel. Das Geschäft lief auch an diesem Tag nicht besonders gut. Es war an diesem Tag sehr heiß und schwül, ein Gewitter lag in der Luft. Wolfgang hatte an diesem Tag keine Lust zu arbeiten, aber er kannte seine überlegene Konkurrenz genau, einen Fehltag durfte er sich auf keinem Fall erlauben. Der Tag nahm langsam seinen Lauf, die Hitze blieb bestehen, der Umsatz stieg nicht besonders. Es war kein besonderer Tag, einer wie jeder anderer auch, bis zu dem Moment, als Rauchschwaden sichtbar wurden und erste Schreie laut wurden. In diesem Moment brach das katastrophale Feuer aus. Das Feuer breitete sich aus; parallel dazu wurden die Schreie lauter und die Panik stärker. Es kam keiner auf die Idee, irgendwie zu helfen, den Brand zu beseitigen, viel eher war jeder einzelne darauf aus sich selbst und seine Familie zu retten. Während das Feuer sich ausbreitete und die Leute verzweifelt versuchten zu flüchten, kam es zu Rangeleien, denn jeder wollte selbst so schnell wie möglich den Marktplatz verlassen, und bei den vielen Menschen war das kaum möglich. Die ersten Leute kamen unter die Menschenmassen und wurden von den Menschenmassen auf dramatische Art zertrampelt. Der Brand hatte sich inzwischen auf große Teile des Marktplatzes ausgeweitet. Wolfgang von Fanderkingen konnte sich retten; lief zu seinem Haus und nahm seine Familie mit, um zu verschwinden. Nur mit den Kleidern am Leib verschwand Familie von Fanderkingen so schnell es ging aus der Nähe des Marktplatzes. Die Flucht unter den Menschenmassen erwies sich als schwierig, schnell laufen konnte man nicht, und die Familie musste Angst um ihre Kinder haben, die das Tempo kaum halten konnten. Die schwangere Frau von Fanderkingen hatte es nicht besser – sie konnte gar nicht laufen. So war es eher ein Gang als eine wirkliche Flucht. Nach einer langen, anstrengenden Wanderung schaffte die Familie es endlich, die Stadt zu verlassen. Das ein großer Brand auf dem Marktplatz ausgebrochen ist, wusste inzwischen schon die ganze Stadt, die Nachricht verbreitete sich sehr schnell. Frau von Fanderkingen brach aus Erschöpfung zusammen, konnte durch Glück aber noch ihr Kind behalten.
Zurück zum Marktplatz
Das Feuer breitete sich inzwischen auf die kleinen, nah anliegenden Gassen und Straßen aus, der Marktplatz selbst war total niedergebrannt und sah aus wie ein Schlachtfeld nach der Schlacht. Alle Verkaufsstände und anliegenden Häuser waren zerstört. Ohnmächtige und leider zum Teil auch viele Tote lagen auf dem angeschwärzten Boden des Platzes. Das Feuer griff inzwischen auf die nahe liegenden Wohngebiete über, und breitete sich mit einer hohen Geschwindigkeit aus. Ein großer Teil der Bürger, die sich zuhause aufhielten, konnten fliehen. Die traurige Katastrophe nahm weiterhin ihren Lauf, es sah so aus, als würde dieses Feuer Mixoxa vollständig zerstören. Die vielen Schreie hallten inzwischen durch ganz Mixoxa, die Menschenmassen waren so in Panik wie sonst nie, große Teile der heutigen Hauptstadt von Imperia sahen aus wie in einem fürchterlichen, zerstörerischen und bestialischen Krieg. Zu den Menschen, die vor Panik nicht mehr denken konnten, kamen immer mehr dazu, aber inzwischen fanden sich auch Leute, die in dieser Situation einen klaren Kopf bewiesen und begannen, das Feuer zu löschen. Der erste Versuch schlug gnadenlos fehl, da zu wenige Leute vorhanden waren, die halfen. Der Versuch, das Feuer zu löschen, wurde nicht weiterversucht, dafür wurde aber versucht, den anderen Menschen klar zu machen, dass das Feuer nun gelöscht werden muss, wenn die Stadt nicht ganz zerstört werden soll. Dies klappte ganz gut, es fanden sich nach kurzer Zeit eine Menge Menschen, die tatkräftig halfen, und das Feuer eindämmten. Seit dem Ausbruch des Feuers waren schon 5 Stunden vergangen. Mit vereinten Kräften wurde immer und immer wieder versucht, das Feuer endgültig zu löschen, eine große Menge an Versuchen schlug fehl, das Feuer konnte aber immer stärker eingedämmt werden. Die Menschen stellten sich in Reihen auf, und gaben Wassereimer für Wassereimer an die nächste Person an, bis der Eimer bei der Person ankam, die es auf das Feuer kippte. Anders ging es nicht. Es war eine zeitaufwendige, schwierige und Kräfteraubende Arbeit, die einige in die Ohnmacht trieb. Es war dann aber immer wieder Ersatz zur Hand. Nach ca. zwei Stunden löschen konnte das Feuer vollständig gelöscht werden. Große Rauchschwaden lagen in der Luft, kaum jemand konnte wirklich etwas sehen. Nach einer halben Stunde waren auch die Rauchschwaden zu großen Teilen verschwunden, und den überlebenden Bürgern wurde das Ausmaß dieser Katastrophe klar: Überall auf den Straßen und auf dem Marktplatz lagen die leblosen Körper der Opfer, einige auf brutale Art und Weise verbrannt, andere erstickt durch den Rauch, wieder andere von den Menschenmassen umgerempelt und zu Tode getreten. Ein längerer Moment der Stille trat ein. Die Überlebenden waren konfus von dem Anblick, den sie ertragen mussten. Die überlebenden hatten es zum Teil nicht leicht: Ihre Häuser und ihr Besitz wurden zerstört, viele standen nun da ohne Dach über den Kopf, ohne Bekleidung, bis auf die, die sie am Leib trugen, und nichts zu essen. Innerhalb von wenigen Stunden wurden viele Bürger obdachlos.
Der große Brand – Teil II: Der Wiederaufbau
In meinem ersten Teil dieser Geschichte ging es um den Großbrand, der 1608 große Teile von Mixoxa zerstörte und viele Tote forderte. Damit ist die Geschichte aber lange noch nicht zu ende – schließlich wurde Mixoxa wieder aufgebaut und zu einer intakten Stadt gemacht. Um den Wiederaufbau von Mixoxa wird es in dem Zweiten und letzten Teil dieser Geschichte gehen.
Blicken wir noch mal zurück: Der zentrale Marktplatz und große Teile der Wohngebiete brannten nieder. Nach dem Brand sah Mixoxa aus wie eine Stadt nach einem kriegerischen Angriff. Natürlich blieb nicht aus, dass der Kaiser erfuhr, was sich ereignete: Die Meldung, das Mixoxa zu großen Teilen niederbrennte, erschreckte das Oberhaupt von Imperia sehr. Er behielt aber trotzdem einen kühlen Kopf, und beschloss, der Stadt eine hohe Summe an Geldern zukommen zu lassen, um damit den kompletten Wiederaufbau zu finanzieren. Die schockierten Bürger von Mixoxa erfuhren natürlich davon – wie sehr ihnen diese finanzielle Spritze helfen würde, war ihnen noch gar nicht klar. Viel mehr war ihnen klar, das sie jetzt arbeiten müssen, um ihre Häuser wieder aufzubauen, und um ihre Stadt wieder zu der schönen Perle zu machen, die sie vor dem Katastrophenfeuer war. Das war das Ziel aller überlebender gewesen. Sicherlich war es schwer, sich in solchen Zeiten diese Ziele zu stecken, aber so gut wie jeder war sich darüber im Klaren, das wochenlanges Trauern und viel Selbstmitleid jetzt gar nichts bringt. Viel eher herrschte Aufbruchstimmung. Natürlich waren sich die Bürger darüber im klaren, das sie Verwandte und Freunde verloren hatten, andere verloren ihr Haus und ihr Eigentum, waren obdachlos, und wenn es ganz schlimm kam sogar beides. Das ganze machte die Situation kein bisschen leichter. Die gemischte Stimmung, die nach der Katastrophe herrschte, ist nur schwierig zu beschreiben: Es war ein Trauern, aber genau aus diesem Trauern ging wohl der Wille zum Wiederaufbau, der Wille zum Neuanfang, der Wille zum Fortschritt hervor. Auf Gedanken mussten Taten folgen. Nachdem die leblosen Körper begraben wurden (was auch nicht wenige Zeit dauerte) zeigte sich das Ausmaß der materiellen Zerstörung noch stärker. Der Boden war teilweise durch die Hitze total zerstört wurden, viele Gebäude standen sowieso nicht mehr, und die, die noch standen, waren so stark beschädigt, das sie kurz vor dem Einsturz standen. Familie von Fanderkingen kehrte, nachdem sie davon erfuhr, dass das Feuer gelöscht wurde, zurück in ihre Heimatstadt, und natürlich direkt zu ihre, Haus. Die Familie sah dort etwas, was an diesem Tag viele Menschen sahen und noch sehen würden: An der Stelle, an der damals das Haus der Familie von Fanderkingen stand, konnte man jetzt nur noch Schutt und Asche vorfinden. Für Familie von Fanderkingen war das natürlich noch schlimm: Das nächste Kind würde bald zur Welt kommen, zwei sind schon da, und besonders Wohlhabend waren sie auch nicht – Das abgebrannte Haus schien für Familie von Fanderkingen das Hinfahrtticket (mit schlechter Rückfahrtmöglichkeit) in die unterste Schicht der Armut sein, und dieses Schicksal schien an diesem tag viele, viele Bürger zu treffen. Niemand von den Betroffenen wusste aber, dass diese Situation nicht lange bestehen bleibt, denn innerhalb von 2 Monate konnte Mixoxa zum größten Teil wieder zu dem gemacht werden, was es vor dem Brand war: Einer bildschönen Stadt. 3 Tage Nach dem Feuer, die Menschen arbeiteten bereits wieder am Aufbau, besuchte der Kaiser von Imperia Mixoxa, um sich ein Bild vom Ausmaß des Schadens zu machen. Wenn auch schon einiges getan wurde, sah Mixoxa immer noch fürchterlich aus, und diese Bilder schockierten das Imperianische Oberhaupt dermaßen, das er die Rede, die er zu den Bürgern halten wollte, absagte. Ihm fehlten einfach die Worte. Dafür folgten aber umso bessere Taten: Der Kaiser stellte Mixoxa und seinen Bürgern alle Aufbaumittel zur Verfügung, die sie brauchten. Neben Geld waren das auch speziell Ausgebildete Experten, wie beispielsweise in der Architektur. Genau diese Fachkräfte beschleunigten den Wiederaufbau des Stadtkerns und der zerstörten Stadteile um einiges. Die Architekten vertraten ihre Idee, aus den abgebrannten Stadteilen, die mittelalterlich war, frühklassizistische zu machen. Diese Idee kam bei der Allgemeinheit gut an, so kam es, dass die Stadt nach dem Wiederaufbau ein anderes, neues Auftreten haben würde. Keiner der Menschen lies sich beim arbeiten Zeit; das Ziel war es, Mixoxa so gut und schnell wie möglich wieder vollständig und unzerstört erscheinen zu lassen – Schließlich wollten die Bürger von Mixoxa in einer Stadt wohnen, die nicht halb zerstört ist. Alleine die Baupläne für die Neubauten, wovon es wahrlich viele gab, zu erstellen, dauerte mehrere Wochen – noch dazu kam, dass die Straßen, Gassen, und natürlich der Marktplatz neu aufgebaut werden musste. Denn wie würde es aussehen, wenn alle Bauwerke wieder stehen, aber die Straßen und der Marktplatz in einem miserablen, zerstörten Zustand sind? Sicher nicht schön. Was sich in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten abspielte, war wahrlich unglaublich: Die Stadt sah aus, wie ein Ameisenhaufen, der sich im Aufbau befindet. Jeder, der in Mixoxa war, aus welchen Gründen auch immer, ob er nun dort gelebt hat oder geschäftlich dort arbeitete, packte in irgendeiner Weise an und half beim Aufbau. Unterstützt wurden die Bürger weiterhin von Fachkräften, die ihre Arbeit zuverlässiger, besser und schneller denn je machten – Die Motivation war da, das Können auch, und auch die nötige Energie.
2 Monate später
2 Monate wurde in Mixoxa gebaut, gearbeitet und geschwitzt – alles zum Zwecke vom Wiederaufbau nach der Brandkatastrophe. 2 Monate lang arbeiteten die Bürger und die vom Kaiser entsendeten Fachkräfte an der Perfektion des neuen Mixoxa. Die Bürger, die trotz der Katastrophe nach vorne schauten und arbeiteten, die vom Kaiser entsendeten Experten und die hohen Geldmittel, die an Mixoxa gingen, ergaben eine starke, arbeitsfähige Mischung, die Mixoxa innerhalb von kurzer Zeit zu einer vielleicht noch schöneren Stadt als vorher machten. Nach dem nun Mixoxa wieder vollständig im neuen Glanz erschien, die Obdachlosen Bürger ihre Häuser wieder hatten, und sogar noch Geld erhielten, um erstmal über die Runden zu kommen, besichtigte der Kaiser nochmals die Stadt, um festzustellen, das hier gute Arbeit geleistet wurde, und Mixoxa weiterhin eine wunderschöne Stadt ist. 51 Jahre später wurde Mixoxa die Hauptstadt von Imperia. Bekannt für die Fortschrittlichkeit und den Zusammenhalt der Bürger. Vielleicht ist Mixoxa gerade durch diese Brand so fortschrittlich geworden, vielleicht hatte die Brandkatastrophe für Mixoxa einen guten Beigeschmack – trotzdem darf man nie vergessen, wie viele Leute in dem Feuer starben, wie viel Leid über die Menschen kam, und wie anstrengend es war, Mixoxa wieder zu dem zu machen was es war.