Sozialismus + Liberalismus?
Verfasst: Fr 14. Nov 2008, 16:51
Hallo,
die Fragegestellung, inwiefern die Grundideen von Sozialismus und Liberalismus vereinbar sind, ist schon mehrmals hier aufgetaucht. Ich würde dem gerne nochmal im Detail nachgehen. Als Ausgangspunkt möchte ich die Position des Soziologen Franz Oppenheimer nennen, dem das Konzept des "liberalen Sozialismus" vorschwebte:
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Ich möchte nun zunächst nicht weiter auf Oppenheimer eingehen, da ich mit seinem Konzept nicht näher vertraut bin sondern zunächst auf das usprüngliche Konzept des Ordoliberalismus verweisen. Wie man dieser Seite ("Besprechung 2") entnehmen kann, forderte dieser ursprünglich als Bedingung für sein Freiheitskonzept die "Zerschlagung der Konzerne", was dem Freiheitskonzept der sozialistischen Tradition schon näher kommt, als man es einer liberalen Strömung zutrauen würde.
Ok, bevor ich hier weiter spinne, warte ich mal, was Ihr so zu dem Thema meint. Und ich wäre froh, wenn wir hierbei sachlich und kooperativ bleiben könnte, ich versuche es auch
die Fragegestellung, inwiefern die Grundideen von Sozialismus und Liberalismus vereinbar sind, ist schon mehrmals hier aufgetaucht. Ich würde dem gerne nochmal im Detail nachgehen. Als Ausgangspunkt möchte ich die Position des Soziologen Franz Oppenheimer nennen, dem das Konzept des "liberalen Sozialismus" vorschwebte:
- "Sozialismus", definiert Franz Oppenheimer, "ist der Glaube an und das Streben nach einer von allem arbeitslosen Einkommen erlösten, darum klassenlosen und darum brüderlich geeinten Gesellschaft von Freien und Gleichen."
Diese Definition umschreibt klar und einfach das Ziel "Sozialismus". Sie sagt nichts aus über die Methoden, die Ziele führen. Aber wir erkennen unschwer, dass Liberalismus und Sozialismus dem gleichen Ziele zustreben: der wirtschaftlichen Gerechtigkeit.[1]
- Diese ursprüngliche Akkumulation spielt in der politischen Ökonomie ungefähr dieselbe Rolle wie der Sündenfall in der Theologie. Adam biß in den Apfel, und damit kam über das Menschengeschlecht die Sünde. Ihr Ursprung wird erklärt, indem er als Anekdote der Vergangenheit erzählt wird. In einer längst verfloßnen Zeit gab es auf der einen Seite eine fleißige, intelligente und vor allem sparsame Elite und auf der andren faulenzende, ihr alles und mehr verjubelnde Lumpen. Die Legende vom theologischen Sündenfall erzählt uns allerdings, wie der Mensch dazu verdammt worden sei, sein Brot im Schweiß seines Angesichts zu essen; die Historie vom ökonomischen Sündenfall aber enthüllt uns, wieso es Leute gibt, die das keineswegs nötig haben.[2]
- Was den Kommunismus auszeichnet, ist nicht die Abschaffung des Eigentums überhaupt, sondern die Abschaffung des bürgerlichen Eigentums.
Aber das moderne bürgerliche Privateigentum ist der letzte und vollendetste Ausdruck der Erzeugung und Aneignung der Produkte, die auf Klassengegensätzen,{37} auf der Ausbeutung der einen {38} durch die andern {39} beruht.
In diesem Sinn können die Kommunisten ihre Theorie in dem einen Ausdruck: Aufhebung des Privateigentums, zusammenfassen.
Man hat uns Kommunisten vorgeworfen, wir wollten das persönlich erworbene, selbsterarbeitete Eigentum abschaffen; das Eigentum, welches die Grundlage aller persönlichen Freiheit, Tätigkeit und Selbständigkeit bilde.
Erarbeitetes, erworbenes, selbstverdientes Eigentum! Sprecht ihr von dem kleinbürgerlichen, kleinbäuerlichen Eigentum, welches dem bürgerlichen Eigentum vorherging? Wir brauchen es nicht abzuschaffen, die Entwicklung der Industrie hat es abgeschafft und schafft es täglich ab.
Oder sprecht ihr vom modernen bürgerlichen Privateigentum?
Schafft aber die Lohnarbeit, die Arbeit des Proletariers ihm Eigentum? Keineswegs. Sie schafft das Kapital, d.h. das Eigentum, welches die Lohnarbeit ausbeutet, welches sich nur unter der Bedingung vermehren kann, daß es neue Lohnarbeit erzeugt, um sie von neuem auszubeuten. Das Eigentum in seiner heutigen Gestalt bewegt sich in dem Gegensatz von Kapital und Lohnarbeit. Betrachten wir die beiden Seiten dieses Gegensatzes.
Kapitalist sein, heißt nicht nur eine rein persönliche, sondern eine gesellschaftliche Stellung in der Produktion einzunehmen. Das Kapital ist ein gemeinschaftliches Produkt und kann nur durch eine gemeinsame Tätigkeit vieler Mitglieder, ja in letzter Instanz nur durch die gemeinsame Tätigkeit aller Mitglieder der Gesellschaft in Bewegung gesetzt werden.
|476| Das Kapital ist also keine persönliche, es ist eine gesellschaftliche Macht.
Wenn also das Kapital in ein gemeinschaftliches, allen Mitgliedern der Gesellschaft angehöriges Eigentum verwandelt wird, so verwandelt sich nicht persönliches Eigentum in gesellschaftliches. Nur der gesellschaftliche Charakter des Eigentums verwandelt sich. Er verliert seinen Klassencharakter.
Kommen wir zur Lohnarbeit:
Der Durchschnittspreis der Lohnarbeit ist das Minimum des Arbeitslohnes, d.h. die Summe der Lebensmittel, die notwendig sind, um den Arbeiter als Arbeiter am Leben zu erhalten. Was also der Lohnarbeiter durch seine Tätigkeit sich aneignet, reicht bloß dazu hin, um sein nacktes Leben wieder zu erzeugen. Wir wollen diese persönliche Aneignung der Arbeitsprodukte zur Wiedererzeugung des unmittelbaren Lebens keineswegs abschaffen, eine Aneignung, die keinen Reinertrag übrigläßt, der Macht über fremde Arbeit geben könnte. Wir wollen nur den elenden Charakter dieser Aneignung aufheben, worin der Arbeiter nur lebt, um das Kapital zu vermehren, nur so weit lebt, wie es das Interesse der herrschenden Klasse erheischt.
In der bürgerlichen Gesellschaft ist die lebendige Arbeit nur ein Mittel, die aufgehäufte Arbeit zu vermehren. In der kommunistischen Gesellschaft ist die aufgehäufte Arbeit nur ein Mittel, um den Lebensprozeß der Arbeiter zu erweitern, zu bereichern, zu befördern.[3]
- Die praktische Anwendung dieser Grundsätze, erklärt das "Manifest" selbst, wird überall und jederzeit von den geschichtlich vorliegenden Umständen abhängen, und wird deshalb durchaus kein besonderes Gewicht auf die am Ende von Abschnitt II vorgeschlagenen revolutionären Maßregeln gelegt.
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Ich möchte nun zunächst nicht weiter auf Oppenheimer eingehen, da ich mit seinem Konzept nicht näher vertraut bin sondern zunächst auf das usprüngliche Konzept des Ordoliberalismus verweisen. Wie man dieser Seite ("Besprechung 2") entnehmen kann, forderte dieser ursprünglich als Bedingung für sein Freiheitskonzept die "Zerschlagung der Konzerne", was dem Freiheitskonzept der sozialistischen Tradition schon näher kommt, als man es einer liberalen Strömung zutrauen würde.
Ok, bevor ich hier weiter spinne, warte ich mal, was Ihr so zu dem Thema meint. Und ich wäre froh, wenn wir hierbei sachlich und kooperativ bleiben könnte, ich versuche es auch