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Homosexualität und Gesellschaft

Verfasst: So 3. Feb 2008, 01:50
von Daniel
Ich habe gerade ein ziemlich krasses Gespräch hinter mir mit jemanden aus der Jungen Union in Hessen.
Er hat - in meinen christ-liberalen Augen - recht krasse Ansichten in Bezug auf die Rolle von Homosexuellen in der Gesellschaft.

Da ich seine Positionen nicht unbedingt wiederholen will - nachher unterstellt mir noch jemand, ich würde so denken - hab ich in mal hier in eingeladen.

Ich bin gespannt wie ihr darauf reagiert....

Verfasst: So 3. Feb 2008, 02:34
von Daniel
Seine Freundin hat in geholt. :evil: Er hat versprochen es nachzuholen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass er es zum Beispiel kritisiert die beiden Homosexuellen Westerwelle und Wowereit in solchen hohen Positionen zu sehen. Er kritisiert sie in erste Linie nicht wegen ihrer Politik, sondern wegen ihrer Sexualität. Beide hätten als Politiker eine Art Vorbildfunktion z.B. für Kinder. Wenn solche Personen nun "schwul" sind, dann macht es - wenn ich ihn recht verstanden habe - die Gesellschaft als Ganzes schlechter.

Früher, "vor sechzig Jahren" sei dies kein Problem gewesen, weil die Homosexuellen einfach nicht die Position und Aktzeptanz gehabt haben wie heute. Früher war es in seinen Augen besser denn "Schwule hatten nichts zu melden".

Schwul sein gilt in seinen Augen als Krankheit, eine geistige Störung.

Das sollen angeblich Positionen sein, die in der CDU/CSU durchgehend hoffähig seien.
Ich war 3 Jahre in der CDU NRW und kann das so nicht bestätigen.

Verfasst: So 3. Feb 2008, 04:29
von Palin Waylan-Majere
Was will ich und was willst du? Ein Verbot der CDU!

Verfasst: So 3. Feb 2008, 10:33
von Patrick van Bloemberg-Behrens
Ich kenne auch so eine Person, die in der Union ist und derartig denkt. Ich glaube aber nicht, dass die meisten in der CDU so denken, es sind wohl eher Einzelfälle. Trotzdem ist es traurig, dass es noch Menschen gibt, die so denken. Mal wieder ein Zeichen dafür, dass Akzeptanz in diesem Bereich nämlich noch nicht eine Selbstverständlichkeit ist.

Verfasst: So 3. Feb 2008, 10:42
von Hajo Poppinga
Man muß da glaube ich stark differenzieren. Auf der einen Seite gibt es Menschen, die in der Homosexualität per se etwas schlechtes sehen und für die also auch alle Homosexuellen etwas Schlechtes sind. Das ist aber erstens so nicht haltbar und zweitens auch eindeutig eine absolute Minderheitenposition - in den demokratischen Parteien. Auf der anderen Seite, gibt es aber auch Menschen, die ein festes Wertekonzept, oft christlich geprägt, haben und denen zwar Dinge wie Sexualität und Sexualverhalten ziemlich gleich sind, für die aber die Ehe etwas Heiliges ist und deswegen auch nur in der überlieferten Form ausgestaltet werden sollte - das ist eine in der CDU, zumal im ländlichen Raum, verbreitete Position, die meines Erachtens aber aufgrund verschiedener Umstände ebenfalls nicht mehr mehrheitsfähig ist.

Verfasst: So 3. Feb 2008, 10:44
von Hajo Poppinga
Ach so, Daniel, mal aus Interesse - was sind denn "christ-liberale" Augen? Bibel hinbiegen, so wie's paßt? ;)

Verfasst: So 3. Feb 2008, 10:47
von Amber Marie Ford
Original von Daniel
Schwul sein gilt in seinen Augen als Krankheit, eine geistige Störung.

Das sollen angeblich Positionen sein, die in der CDU/CSU durchgehend hoffähig seien.
Ich war 3 Jahre in der CDU NRW und kann das so nicht bestätigen.
Ich glaube, Verfechter dieser Position finden sich längst nicht nur in CDU und CSU, sondern auch bei SPD, FDP und Linken. Endlich muss auch nicht alles was grün ist, wirklich aufgeklärt und tolerant sein (neben den linksextremistischen "Fundis" um Jutta Dittfurth hat sich im Laufe der Zeit etwa auch ein konservativer Flügel der Gründergeneration abgespalten, und zeitweilig die Fusion mit einer evangelikalen (!) Splitterpartei erwogen).

Von "durchgehender Hoffähigkeit" kann allerdings wohl nirgendwo mehr die Rede sein.
Früher, "vor sechzig Jahren" sei dies kein Problem gewesen, weil die Homosexuellen einfach nicht die Position und Aktzeptanz gehabt haben wie heute. Früher war es in seinen Augen besser denn "Schwule hatten nichts zu melden".
Und da irrt er - gewaltig. Auch vor sechzig Jahren und längerer Zeit gab es ebenso Schwule in Führungspositionen in Politik und Wirtschaft, wie herausragende homosexuelle Künstler und Wissenschaftler (hallo, liebe Neonazis - ihr seid doch so stolz auf den Kruppstahl? Man kolportiert, auch Krupp war schwul! :D). Es gab eben nur noch keinen Klaus Wowereit, für den und seine Fans Homosexualität nicht einfach ein Aspekt der menschlichen Persönlichkeit wie jeder andere auch ist, sondern das Non plus ultra des Lifestyles "of the Poor and the Sexy".

Vor allem in gehobenen und gebildeten Schichten, denen die in Deutschland bis 1968 ("DDR") bzw. 1969 (BRD) andauernde menschenrechtswidrige Verfolgung der Homosexuellen (so der EuGHMR) schon immer zuwider war, konnten Homosexuelle sich auf Grund einer Art "Don't ask, don't tell"-Politik ungestört bewegen.

Verfasst: So 3. Feb 2008, 10:49
von Hajo Poppinga
Es war doch bei Ole von Beust ähnlich. Hätte Schill dessen Privatleben nicht so widerwärtig in die Öffentlichkeit gezogen, wäre das bis heute nur ein leises Gerücht - wenn überhaupt.

Verfasst: So 3. Feb 2008, 10:59
von Baudouin de Billancourt
Original von Daniel
Das sollen angeblich Positionen sein, die in der CDU/CSU durchgehend hoffähig seien.
Das wüsst ich aber. Nicht nur kann ich das nicht bestätigen, ich halte es für Quatsch. Und ich komm aus nem schwarzen Nest mit konservativen Knochen.

Verfasst: So 3. Feb 2008, 11:02
von Amber Marie Ford
Wobei Homosexuelle sich und ihre Partner heute nicht mehr verstecken müssen oder sollten - im Gegenteil. Ob der FDP-Vorsitzende, Hamburgs Erster Bürgermeister oder sonst ein politischer Würdenträger zu offiziellen Anlässen nun allein, mit seiner Partnerin oder eben seinem Partner erscheint, ist doch ganz egal.

Homosexualität ist ein völlig normaler und natürlicher (es liegt eben in der Natur dieser Menschen) Persönlichkeitsaspekt. Er bedeutet weder eine Krankheit oder Abnormalität, noch macht er besonders "cool" oder verehrenswert.

Ich finde es richtig und wichtig, dass Homosexuelle dazu stehen wie sie sind und wen sie lieben, aber ich verachte diese Selbstinszenierung eines Klaus Wowereit als popkulturelle Ikone, nur weil er schwul ist.