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Auslandserfahrung ganz normal?
Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 14:28
von Anastasia von Metternich
Eine kurze, nicht repräsentative Erhebung zu einer Frage, die mich seit einiger Zeit beschäftigt: Wie normal sind Auslandserfahrungen in unserer Generation? Ich meine nicht den zweiwöchigen Urlaub mit Mami und Papi im Touri-Ressort an der Algarve, sondern Praktika, Semester, Studien etc.
Der Hintergrund ist meine Annahme, dass meine Deutschland-Kontakte inzwischen kaum noch repräsentativ für die "breite Masse" sind. Um das an einem Beispiel zu illustrieren: Mein bester Freund und ich haben beide an einer Schule in Berlin Abitur im gleichen Jahrgang gemacht, aber dabei immer weiter auseinander gelebt als in Schottland, wo wir beide inzwischen studieren (jedenfalls, in meinem Fall, normalerweise). Alle meine engeren Freunde haben sprechen mindestens zwei Sprachen fließend, haben in allen möglichen Teilen der Welt studiert, gejobbt oder zumindest einen Sommer verbracht etc.
Wenn ich mir die Abwesenheitsmeldungen meiner MN-Kontakte in den letzten Monaten und Jahren anschaue, scheint sich der Eindruck zu bestätigen, dass das inzwischen eine "neue Normalität" ist. Dann wiederum schaue ich mir meinen Abi-Jahrgang an und weniger als zehn Prozent leben "mein Leben".
Wie sieht's bei euch aus?
Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 14:34
von Alexander Krüger
Naja, ich bin Touristiker. Da liegt es nah, nicht nur in Deutschland rumzuhängen. Ich war für ein Vierteljahr zuletzt in Spanien, in Engalnd war ich auch schon einmal ein paar Wochen. Im nächsten Sommer werde ich mein Studium in den Niederlanden beginnen, dort ist ein Auslandssemester integriert und ein Parktikum, das auch im Ausland absolviert wird. Sprachen lerne ich auch gerne, halb aus Zwang, halb aus Leidenschaft.
PS: Ist es immer noch so, dass es in Schottland keine Studiengebühren für EU-Bürger gibt?

Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 14:48
von Anastasia von Metternich
Original von Alexander Krüger
PS: Ist es immer noch so, dass es in Schottland keine Studiengebühren für EU-Bürger gibt?
Seit diesem Jahr nicht mehr, glaube ich. So genau weiß ich das aber nicht, ich genieße Bestandsschutz und meine schottischen Nicht-Mitbürger bezahlen gerade meine kanadischen Studiengebühren. Alles richtig gemacht.

Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 15:11
von Heinrich Julius von Jagonburg
Schwierige Frage. Ich bin in Belgien aufgewachsen und erst relativ spät in meiner Kindheit wieder nach Deutschland gekommen, daher hab ich sprachlich von vornherein einiges mitgenommen. Längere Auslandsaufenthalte hatte ich danach noch in Südafrika, einerseits weil ich sprachlich mit Niederländisch und Englisch dort nicht eingeschränkt bin, andererseits wegen familiärer Kontakte und dann noch aus politischen Gründen in Israel und aus wissenschaftlichen Gründen in Griechenland. Urlaube zähl ich jetzt mal nicht dazu.
Aus karrieretechnischen Gründen, um es für den Lebenslauf zu haben oder aus einem Gefühl der deutschen Enge heraus, habe ich mich allerdings noch nie im Ausland aufgehalten und ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, ob das die richtige Motivation dafür ist. Deine Einschätzung kann ich soweit auch nachvollziehen. In meinem Freundeskreis gibt es einige Leute, die schon längere Zeit oder auch sehr lange im Ausland verbracht haben und es ist insgesamt auch ein ziemlich polyglotter Haufen. Oliver aus Ozeania beispielsweise hat meinen Briefträger immer wieder mit Postkarten von den unmöglichsten polynesischen Inseln irritiert. Andererseits kenne ich auch Leute, teilweise auch Bekannte aus Schultagen, die ihren Lebtag noch nie Deutschland verlassen haben. Ein kosmopolitisches Leben ist immer auch eine Frage des Geldes und kann daher für die breite Masse einfach nicht normal werden.
Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 15:24
von Anastasia von Metternich
Original von Heinrich Julius von Jagonburg
Ein kosmopolitisches Leben ist immer auch eine Frage des Geldes und kann daher für die breite Masse einfach nicht normal werden.
Das würde ich bejeinen. In gewissen Bahnen stimmt das sicherlich: Mein erstes Auslandsjahr hat mir praktisch meine Familie im Alleingang finanziert. Allerdings habe ich neben dem Auslands-Bafög jetzt auch einen privaten Kredit aufgenommen. Das ist auch eine Frage der persönlichen Prioritätensetzung: Meine Schwester studiert lieber ein, zwei Semester länger, wird dafür am Ende aber dank ihrer Nebenjobs keinen einzigen Cent Schulden haben, während ich fünfstellige Summen abbezahlen muss.
Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 15:34
von Jorge Sanchez
Aus meinem Abijahrgang sind schon einige ins Ausland gegangen, einige wenige davon auch wirklich um dort zu arbeiten, und auch hier in Dar es Salaam sehe ich immer wieder weiße Freiwillige oder Studenten, auch einige davon aus Deutschland - und da ja sogar Vater Staat die Auslandsdienste teilweise finanziert, denke ich dass der Anteil derer mit "echter" Auslandserfahrung immer weiter zunehmen wird - und es muss nicht immer Florida sein, auch Nicht-Touri-Regionen haben ihren ganz besonderen Reiz.
Ich kann jetzt schon sagen dass ich die Zeit hier nicht mehr missen will.
Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 15:53
von Anaïs Gribonne-Fritz
Ich war bisher nur zum Urlaub, auf Besuch oder im Rahmen meines sog. bürgerschaftlichen Engagements außerhalb Deutschlands.
Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 16:08
von Hajo Poppinga
Ich hab ein Auslandsschuljahr sowie mehrere Praktika im Ausland verbracht, allerdings allesamt im europ. Ausland. Wenn's gut geht, dann verbringe ich vielleicht iRd Promotion noch den einen oder anderen Forschungsaufenthalt im Ausland.
Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 16:46
von Maximilian_Schumpeter
Soweit ich es beurteilen kann, hat eher eine Minderheit meines Abiturjahrgangs wirklich Auslandserfahrung gemacht. Auch sonst ist es bei den mir bekannten Studenten nicht die Mehrheit. Kommt vor, aber von der Regel würde ich da nicht sprechen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich überproportional viele Lehramtsstudenten und Juristen in meinem Umfeld habe; besonders bei ersteren ist ein Auslandssemester allenfalls Liebhaberei.
Ich denke, es gehört dann dazu, wenn man auf eine Karriere bei einem internationalen Unternehmen oder einer internationalen Organisation - etwa der EU - aus ist. Wer in den deutschen Staatsdienst oder ein nicht international positioniertes Unternehmen möchte, braucht das nicht (ich halte auch die angeblich durch einen Auslandsaufenthalt erworbenen soft skills für von potentiellen Arbeitgebern weit weniger nachgefragt als es behauptet wird) und wird es in der Regel auch nicht anstreben.
Ich darf hinzufügen: Ich war selbst weder zu Ausbildungs-, Studien- noch sonstigen Berufszwecken im Ausland.
Verfasst: Mo 7. Nov 2011, 22:42
von Pirrrat
Ich glaube mittlerweile verbringt doch jeder dritte spätestens nach dem Abitur einige Zeit im Ausland. Bei uns in der Stufe waren bestimmt 40-50 von 200 Schülern nach der 10. Klasse im Ausland.