Verfasst: Sa 21. Feb 2009, 20:20
Die katholische Kirche nimmt sich selbst nicht mehr ernst. Eine Religion, die aufhört, einen Absolutheitsanspruch zu vertreten, ist unrettbar verloren.Original von Damian Fuller
Allerdings verweichlicht die Kirche glaube ich in den letzten Jahrzehnten immer mehr. Ein Grund dafür ist auch, dass (auch) die katholische Kirche immer mehr verweltlicht.
Tja, warum glaubt der Mensch... Die neurobiologische Grundlage unserer Empfänglichkeit für Religion liegt in unserem Gehirn verankert. Wir sind zum einen die Spezies mit dem am stärksten ausgeprägten Verständnis für Wirkungszusammenhänge, für Sinn und Ziel, weil wir Kausalitäten erkennen (nicht als einzige, wohlgemerkt, nachgewiesen ist es auch u.a. bei anderen Primaten und in rudimentärerer Form auch bei anderen Säugetieren, aber doch am besten). Wir brauchen für unser eigenes Handeln stets Sinn, sonst Handeln wir nicht. Also ist die Sehnsucht nach einem "Sinn des Lebens" - der Summe aller Handlungen - in unserem Denkprozess angelegt. Zweitens sind wir vermutlich die einzige Spezies, die sich ihrer eigenen Finalität bewusst ist. Wohl nur wir Menschen müssen im Bewusstsein leben, dass wir eines Tages sterben werden; höherentwickelte Tiere haben vielleicht ein gewisses Verständnis von Tod, wenn sie ihn bei vertrauten Wesen erleben, kennen auch sicherlich Todesangst, wenn sie sich in unmittelbarer Lebensgefahr befinden - aber nicht die Furcht vor dem eigenen, unvermeidbaren Ende. Beides beantwortet die Religion und verschafft damit denjenigen, die glauben, einen Selektionsvorteil. Ich kann für mich sagen, der ich nun nicht nur nicht an Gott glaube, sondern auch sonst an die völlige Sinnlosigkeit des Daseins, dass sich dies nicht förderlich auf den Wunsch zur Fortpflanzung auswirkt; ich kenne einige "Atheisten", die naturalistisch meinen, der Sinn des Lebens sei die Weitergabe der eigenen Gene (was in gewisser Weise stimmt, Leben ist gewissermaßen Selbstzweck, aber letztlich das Wort Sinn etwas anders auslegt als die eigentliche Frage nach dem Sinn des Lebens; wenn Leben Selbstzweck ist, hat es immer noch keinen Sinn). Es ist hochinteressant, dass es eine klar negative Korrelation zwischen Religiosität und Geburtenrate gibt; das aufgeklärte Eurasien stirbt. Und ich behaupte: Ohne Ideologie im Allgemeinen und Religion im Besonderen hätte die Menschheit sich nie von der Jäger- und Sammlerepoche verabschiedet. Man nimmt heute an, dass die Sesshaftwerdung tatsächlich auch viel mit der Religion zu tun hat. Denn klar: Wozu soll ein Mensch eigentlich ohne Glauben an einen höheren Sinn als sich selbst irgendetwas errichten, das ihn selbst überdauert?Zum Gottesglauben: Er ist eventuell ein biologischer Defekt, allerdings ist auch in der wissenschaftlichen Diskussion bzw. Forschung, dass Religiösität ein evolutionärer Vorteil sein könnte. Glaube an sich kann beruhigend bzw. sinngebend sein, daher muss er nicht ungesund sein bzw. kann psychisch entlastend sein.
Die konsequenteste Negation jeder Ideologie liefert Stirner. Ich meine, wenn Stirners Gedanken von Anfang an die Welt geleitet hätten, die Menschen würden in ihrem gesamten Verhalten wohl Wölfen ähneln: zu Rudeln zusammengeschlossene, wandernde Raubtiere. Erst die Religion hat uns domestiziert.