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Verfasst: Di 20. Jan 2009, 15:18
von Montgomery Scott
Richtig, die Menschen sind so wie sie sind. Schuld ist die staatliche Wirtschaftspolitik und die individuellen Einzelinteressen der Banken. Das sind die Variablen. Daher ist auch die Strategie der Bundesregierung so scharf zu kritisieren, jetzt Einzelpersonen in der Wirtschaft dafür verantwortlich zu machen um von den grundsätzlichen Systemfragen abzulenken: Ist die ausufernde Deregulierung wirklich der richtige Weg? Und ist es mit dem Gemeinwohl zu vereinbaren, wenn Wirtschaftsgiganten einzig von den Renditeinteressen der Kapitalisten gesteuert sind? Und ist es nicht vielleicht auch problematisch, wenn Herr Ackermann regelmäßig im Kanzleramt mit der Kanzlerin speist und ihr erklärt, welche Wirtschaftspolitik angebracht ist?

Verfasst: Di 20. Jan 2009, 16:19
von Michael Schneider
Original von Montgomery Scott

Nein, die SPD hat auch ausgeschlossen, mit Koch zusammenzuarbeiten.
Koch ablösen heißt für mich nicht mit ihm zusammenzuarbeiten. Oder du hast es net kapiert. Es ging darum dass in einer großen Koalition Koch abgetreten wäre und Bouffier MP geworden wäre mit einer Vize Ypsilanti. Das wollte die aber nicht.

Wer von der Hessen-SPD zur Linken gewechselt hat...lol...das ist wie mit der WASG und der Schillpartei: abgehalfterte Existenzen, Querschläger und geistige Versager, die in etablierten Parteien schon ausgesiebt wurden als vollkommen politisch ungeeignet.

Verlässlichkeit? So wie die in der Öffentlichkeit mit eigenen leuten umgegangen ist? Lol...

Verfasst: Di 20. Jan 2009, 16:55
von Lady Enigma
Original von Palin Waylan-Majere

Es ist ja durchaus so, dass nicht ausschließlich materielle Abwägungen für die Wahlentscheidung sorgen. In dem vorliegenden Fall würde Burgi aber davon profitieren, wenn Hessen in die Tarifgemeinschaft zurückkehrt, wählt aber anders. Zumindest auf diesem Feld also gegen seine Interessen.
Das hat wenig mit 'Weltverbesserern' zu tun. Wobei ich mich frage, was deine Alternative ist: die Weltverschlimmerer?
Was heißt Weltverschlimmerer? Und was" gegen seine Interessen"?
Da man nicht alles haben kann, muß der Bürger eben abwägen, was ihm wichtiger ist. Diese ganze Veranstaltung basiert doch auf der Vermutung , die Wähler wären dazu in der Lage.... Und natürlich auch, daß sie die nötigen Infos haben, die nötige Bildung ihnen ermöglicht wird....

Verfasst: Di 20. Jan 2009, 19:27
von Kreittmayr
Original von Montgomery Scott
Ach übrigens, darüber bin ich gerade auf der HP meiner Uni gestolpert:
http://www.muk.uni-frankfurt.de/news/hp ... index.html
Offenbar muss man in Frankfurt nicht nur Nachhilfe in Wirtschaftstheorie nehmen, sondern auch in Grammatik. "Notleidende Banken" sind zwei Wörter.

Verfasst: Di 20. Jan 2009, 19:32
von Palin Waylan-Majere
Original von Kreittmayr

Offenbar muss man in Frankfurt nicht nur Nachhilfe in Wirtschaftstheorie nehmen, sondern auch in Grammatik. "Notleidende Banken" sind zwei Wörter.
Die bisherigen Unworte waren auch schon vorher immer mal als Wortgruppe vertreten.

Verfasst: Di 20. Jan 2009, 19:57
von Rafael van der Linden
Original von Montgomery Scott
Richtig, die Menschen sind so wie sie sind. Schuld ist die staatliche Wirtschaftspolitik und die individuellen Einzelinteressen der Banken.
Primär die Geldpolitik, nicht die gesamte Wirtschaftspolitik.

Aber wiederum - grob vereinfacht drei menschliche Schwächen -

1. Die menschlich-machtpolitische Schwäche der Regierungen, Geld im (krisenhaften) Übermaß nachzudrucken.

Denn ohne die Entlastung durch Inflation (und damit auch Schuldenentwertung) müssten die Regierungen ihre Schulden und Ausgaben durch massive Steuererhöhungen finanzieren, und das nicht nur bei den "Vermögenden und Reichen", denn diese bezahlen schon den Hauptteil des Steueraufkommens. Das würde massiv den Mittelstand treffen und der würde das als Wählerschaft vermutlich nicht goutieren.
Und selbst das würde in vielen Staaten heute nicht mehr reichen um dem Staatsbankrott zu entgehen, davon abgesehen, dass auch die meisten Steuererhöhungen mittelfristig unter dem Strich nicht mehr Steuereinnahmen bringen.
Da wählte man lieber den schleichenden Staatsbankrott, bzw. die Ausweitung der Geldmenge bis zur "Währungsreform".

2. Die menschliche Schwäche des privaten Bürgers

Besonders (aber nicht nur) in den USA lebten viele auf Pump, konsumierten über das eigentlich an Kapital vorhandene Maß und erhielten - von der Zentralbank ermöglicht, von den Privatbanken (auf die Nachfrage hin) vergeben - Kredite ohne Sicherheiten und realen Werten im Hintergrund.

3. Die Dynamik von (geldpolitisch) falsch gesetzten Signalen, Herdentrieb und menschliche Schwäche u.a. von Bankern

Die Banken sahen die Nachfrage und bedienten diese, ihrerseits mit geliehenem Geld von der staatlich regulierten Zentralbank.
Ebenso sahen viele die vermeintlichen Chancen in Spekulation mit höchst unsicheren Werten und schlecht durchschaubaren (aber daher schon durchaus als riskant einzuschätzenden) Paketen.
Staatsbanker verzockten/verspekulierten sich interessanterweise sogar eher mehr als Privatbanken. Gerade die staatlich/politisch kontrollierten Landesbanken im deutschen Bankwesen haben sich hier nicht rühmlich hervorgetan. Und Finanzminister Steinbrück kritisiert jetzt populistisch die "Gier der privaten Spekulanten und Banken".
Ist die ausufernde Deregulierung wirklich der richtige Weg?
Es gab durchaus Regelungsdefizite. Aber von einer Deregulierungs-Ausuferung zu sprechen ist in den meisten Bereichen übertrieben oder falsch.
Und ist es mit dem Gemeinwohl zu vereinbaren, wenn Wirtschaftsgiganten einzig von den Renditeinteressen der Kapitalisten gesteuert sind?
Rahmenbedingungen sind wichtig, diese kann man bei Bedarf auch ändern. Aber wem eine Firma gehört, der sollte auch entscheiden können, wie er investieren und wirtschaften möchte.
Und ist es nicht vielleicht auch problematisch, wenn Herr Ackermann regelmäßig im Kanzleramt mit der Kanzlerin speist und ihr erklärt, welche Wirtschaftspolitik angebracht ist?
Ich glaube Lobbyismus gibt es von allen Seiten - wiederum menschlich. Und auch Frau Merkel hat glaube ich verschiedene Berater und nimmt auf verschiedene Interessen Rücksicht, allein schon, weil Herr Ackermann alleine keine Stimmenmehrheiten bringt.

Verfasst: Di 20. Jan 2009, 20:07
von Montgomery Scott
Original von Kreittmayr
Offenbar muss man in Frankfurt nicht nur Nachhilfe in Wirtschaftstheorie nehmen, sondern auch in Grammatik. "Notleidende Banken" sind zwei Wörter.
Aber nicht zwei Worte ;)

Verfasst: Di 20. Jan 2009, 20:17
von Montgomery Scott
Original von Rafael van der Linden
Es gab durchaus Regelungsdefizite. Aber von einer Deregulierungs-Ausuferung zu sprechen ist in den meisten Bereichen übertrieben oder falsch.
Was ich meine, ist: Die umfassende wirtschaftliche Deregulierung läuft spätestens seit Ende der 70er. Man verfolgte einen guten Zweck damit aber hat soweit dereguliert, dass der gute Zweck in der Finanzwirtschaft meilenweit verfehlt wurde.
Rahmenbedingungen sind wichtig, diese kann man bei Bedarf auch ändern. Aber wem eine Firma gehört, der sollte auch entscheiden können, wie er investieren und wirtschaften möchte.
Völlig korrekt. Das ist die Frage. Und ich rede hier gar nicht zwingend von Enteignungen. Mit dem Geld, dass der Staat in die Commerzbank gepumpt hat, hätte er sie gleich vier mal kaufen können. Mal überspitzt gesagt: Anstatt Zockerschulden zu begleichen, hätte man die vier größten Banken aufkaufen und zugunsten von Genossenschaften aus Mitarbeitern und Kunden stiften können.
Ich glaube Lobbyismus gibt es von allen Seiten - wiederum menschlich. Und auch Frau Merkel hat glaube ich verschiedene Berater und nimmt auf verschiedene Interessen Rücksicht, allein schon, weil Herr Ackermann alleine keine Stimmenmehrheiten bringt.
Nur sehr eigenartig, dass die Bundespolitik in Sachen Finanzwirtschaft immer recht genau den Vorstellungen von Herrschaften wie Ackermann entspricht. Dass die Regulierungsinstrumente, die im Wesentlichen eine Konsequenz von 1929 waren, nicht einfach sukzessive abgebaut werden dürfen, hat in den 90er Jahren nicht nur die böse PDS gesagt sondern auch viele Stimmen in der SPD. Aber niemand wollte hören.

Verfasst: Di 20. Jan 2009, 21:24
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Nur sehr eigenartig, dass die Bundespolitik in Sachen Finanzwirtschaft immer recht genau den Vorstellungen von Herrschaften wie Ackermann entspricht. Dass die Regulierungsinstrumente, die im Wesentlichen eine Konsequenz von 1929 waren, nicht einfach sukzessive abgebaut werden dürfen, hat in den 90er Jahren nicht nur die böse PDS gesagt sondern auch viele Stimmen in der SPD.
Komisch - die FAZ hat gestern erst wieder dargelegt, dass gerade die strengere Bankenregulierung - Basel II - die Krise erheblich verschärft hat, weil die Kapitalvorschriften von Basel II faktisch wie ein Stop-Loss-Limit an der Börse wirken: Fallen die Wertpapierkurse, muss unlimitiert verkauft werden, was zu weiteren Kursverfällen führt.

Verfasst: Di 20. Jan 2009, 22:08
von Rafael van der Linden
Original von Montgomery Scott
Dass die Regulierungsinstrumente, die im Wesentlichen eine Konsequenz von 1929 waren
Inflationärer Boom, Blasen und drohende Deflation?

Manche Beobachter sagen, dass die damalige Krise teilweise der heutigen ähnelt.

Die Frage ist: Kann der Mensch dazulernen?