Seite 10 von 12

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:13
von Kreittmayr
Original von Konrad Grimm
Charles Darwin, Die Entstehung der Arten, Kapitel 3 "Der Kampf ums Dasein":
Gut, einverstanden, dann sagt Darwin das. Das ändert aber durchaus nichts an dem Fakt, dass es Symbiosen und im Fall des Menschen eine die gesamte Spezies umfassende grundsätzliche Interessenharmonie gibt, welchen ihren Ausdruck darin findet, dass der spezifische Lebensmodus des Menschen - vernunftgeleitete Produktion - in arbeitsteiliger Kooperation fruchtbringender für alle Beteiligten verläuft. Und dabei ist es Wurst, ob Darwin das anerkennt oder nicht. Wir betreiben hier schließlich keine Bibelkunde.

Kampf gibt es dort, wo die Lebensmittel unveränderbar knapp sind. Diesem Schicksal ist der Mensch nicht per se anheim gegeben.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:22
von Rainer Zufall
Also, bei allem Respekt, aber diese Debatte ist ja mal wieder derart typisch deutsch-verkopft =)

In praxi ist es doch wirklich vollkommen unwichtig, ob der Altruismus in re existiert, oder nur ein Hirngespinst ist - oder ist es falsch so zu denken?

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:36
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
Kampf gibt es dort, wo die Lebensmittel unveränderbar knapp sind. Diesem Schicksal ist der Mensch nicht per se anheim gegeben.
Knappheit aller Güter ist Grundtatbestand, Kernaussage der VWL.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:43
von Kreittmayr
Original von Konrad Grimm

Knappheit aller Güter ist Grundtatbestand, Kernaussage der VWL.
Lesen hilft. Das Schlüsselwort hier lautet unveränderbar. Der Fakt, dass Güter knappt sind, sagt gar nichts aus. Der Punkt ist, dass der Mensch nicht auf eine statische Lebensgrundlage angewiesen ist, so dass des einen Gewinn des anderen Verlust wäre, sondern durch vernunftgeleitete Produktion seine Lebensgrundlage verbreitern, Güter herstellen, Lebensmittel vermehren kann. Und da das in arbeitsteiliger Kooperation am effektivsten geht, liegt diese im objektiven Interesse eines jeden Menschen.

Ich habe hier schon beinahe Fremdschämerlebnisse, dass ich gerade Dir diese Grundtatsachen der Ökonomie noch einmal verkauen muss.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:44
von Konrad Grimm
Original von Rainer Zufall
In praxi ist es doch wirklich vollkommen unwichtig, ob der Altruismus in re existiert, oder nur ein Hirngespinst ist - oder ist es falsch so zu denken?
Nein, denn es ist wichtig das zu begreifen:

Altruismus gibt es an sich nicht. Etwas, das es nicht gibt, kann nicht höherwertiger sein, als etwas, das es gibt, denn etwas, das es nicht gibt, kann gar nichts (sein).
Gleichzeitig wird von den Meinungsführern der Altruismus aber gefordert - es gibt ihn nicht, er ist nur eine Fiktion, aber die Unterwerfung unter diese Fiktion wird verlangt.
Verhalten wir uns nun pseudo-altruistisch - also so, wie die Priester des Altruismus die Gebote ihrer Religion beschreiben - handeln wir gegen unsere eigentlichen Interessen. "Liebe deinen nächsten wie dich selbst" sagt der Christ, "Sei solidarisch" sagt der Sozialist, "Du sollst nicht begehren deines Nachbarn Haus" ruft, im Grunde, der Kapitalist, und der eifersüchtige Ehemann fügt eifrig hinzu "... noch sein Weib!!!". "Sei altruistisch!", rufen sie alle im Chor, "diene nicht deinen, diene unseren Interessen!", meinen sie in Wirklichkeit.
Zwar handeln wir auch, wenn wir uns der Illusion des Altruismus hingeben, noch immer in Wahrheit egoistisch, doch Befriedigen wir jetzt Bedürfnisstrukturen in uns, die von anderen geweckt wurden. Wir werden um unseren Egoismus betrogen und dienen dem der anderen, dem Egoismus des Staates, dem Egoismus der Kirche, dem Egoismus des Kapitalisten.

Erst wenn wir begreifen, dass Altruismus gar nicht real ist, werden wir uns selbst wieder entdecken und unsere eigentlichen Wünsche, die teilweise dann immer noch wie Altruismus aussehen werden, aber eben nur teilweise. Den tugendhaften Altruismus aber müssen wir wie Gift, wie ein Geschwür aus unserem Körper und Geist spülen.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:45
von Kreittmayr
Original von Rainer Zufall
In praxi ist es doch wirklich vollkommen unwichtig, ob der Altruismus in re existiert, oder nur ein Hirngespinst ist - oder ist es falsch so zu denken?
Die Theorie bestimmt die Praxis. Die theoretische Interpretation der Welt, die Du vor Augen hast, bedingt deine Schlüsse, was in der Praxis zu tun ist. Theorien sind die Rahmenbedingungen und Richtlinien für die Praxis. Einfach machen ohne zu Fragen funktioniert nicht; auch wenn selbst ein blindes Huhn mal ein Korn findet. Denn ohne korrekte Theorie ist man im Handeln defakto blind.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:46
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
Ich habe hier schon beinahe Fremdschämerlebnisse, dass ich gerade Dir diese Grundtatsachen der Ökonomie noch einmal verkauen muss.
Wirtschaften überwindet die Knappheit nicht, sondern ermöglicht nur den effizientest möglichen Umgang mit ihr. Wirtschaften vermindert Knappheit allenfalls, beseitigt sie aber nicht.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:49
von Kreittmayr
Original von Konrad Grimm
Wirtschaften überwindet die Knappheit nicht, sondern ermöglicht nur den effizientest möglichen Umgang mit ihr. Wirtschaften vermindert Knappheit allenfalls, beseitigt sie aber nicht.
Ja, und das ist völlig ausreichend, um eine objektive Interessenharmonie zu begründen. Wenn ich wirtschafte bin ich selbst letztlich auch besser dran, als wenn ich mich mit allen anderen um einen krümeligen Keks bekriege, selbst wenn ich erfolgreich sein sollte, und den größten Teil vom Keks einheimsen kann. Wenn ich wirtschafte, habe ich am Ende eine ganze Keksdose.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:57
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
Als Illusion ist er real.
Das ist selbstwidersprüchlich. Was macht die Bezeichnung "Egoismus" denn wahrhaftiger? Beides sind immaterielle Denkmodelle, die wir auf die Wirklichkeit anwenden, um das Handeln der Menschen für unseren Verstand fassbar zu machen.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 16:58
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
Ja, und das ist völlig ausreichend, um eine objektive Interessenharmonie zu begründen.
Ich halte es für falsch, hier von Interessensharmonie zu sprechen. Es ist nicht so, dass, wenn A mit dem B das Gut Ga gegen das Gut Gb tauscht, beide eine Interessensharmonie hätten. A möchte in Wirklichkeit wohl eigentlich sein Ga durchaus gerne behalten, und B Gb meist ebenso (Ausnahmen gibt es), gleichwohl A offenbar Gb wertvoller scheint als Ga. Der Tausch ist nun aber nicht Ausdruck von Harmonie, sondern eine Form von Konfliktaustragung. Für beide scheint es offenbar grade vorteilhafter, zu tauschen, als sich gewaltsam das Gut des anderen zu holen. Nichts desto trotz haben sie gerade einen Konflikt.

Wenn ich im Supermarkt Äpfel kaufe, dann ist es nicht so, dass ich für die Äpfel gerne das Zweieurostück auf den Tresen lege. Ich würde es lieber behalten, wiewohl die Äpfel mir mehr wert sind. Hätte ich aber beides, es wäre mir noch lieber. Trotzdem werde ich die zwei Euro hergeben, da mir diese Form der Kosten weniger Unbehagen bereitet als ein "Diebstahl" oder ein "Raub" der Äpfel.

Noch ein Beispiel: Kriegspartei A belagert die Festung von Partei B. A würde die Erstürmung der Festung gelingen, diese wäre aber mit hohen eigenen Verlusten verbunden. B wiederum erklärt sich angesichts der Überlegenheit von A zur Tributzahlung bereit. Ein Geschäft mit beiderseitigem Vorteil.
Hier von "Interessenharmonie" zu sprechen wäre gleichwohl euphemistisch.