Original von Tony Gold
Und wo genau unterscheidet sich diese Beschreibung des Islam von der katholischen Kirche? Die Kirche, die sich von ihrem religiösen Führer sogar in den HIV-Tod schicken lässt da Kondome ja Teufelswerk sind? Eben die Kirche, die sogar schon mehrfach mit Gewalt die Menschheit auf ihre Seite ziehen wollte? Die Religion die Wasser predigt, aber Wein trinkt (im wahrsten Sinne des Wortes)? Die Religion, deren Anhänger "Ungläubige" nicht selten respektlos behandelt? Die Religion, die sich anmaßt in den meisten westlichen Ländern das allgemeine Leben ALLER zu kontrollieren, nicht nur ihrer Mitglieder?

Ganz ehrlich, gegenüber dem Christentum erscheint mir der Islam nicht selten eher harmlos.
Was wird das denn für ein Argument, wenn es fertig ist?
Zunächst einmal zielst du darauf ab, dass du die Lehren der katholischen Kirche als unklug oder unmoralisch ablehnst. Ich trete dem Islam aber nicht entgegen, weil ich seine Lehren zur persönlichen Lebensführung ablehne - die soll befolgen, wer immer sich dazu seinem religiösen Empfinden gemäß verpflichtet fühlt.
Allerdings hat er dabei zwei zentrale Punkte zu beachten, an denen sich orthodoxe Muslime regelmäßig reiben: erstens ist Religionsfreiheit in Deutschland und Europa ein Individual- und kein Kollektivrecht, also jedem Menschen einzeln gewährleistet, nicht aber den Angehörigen einer bestimmten Religionsgemeinschaft als Gruppe, die sodann argumentieren können, wer in diese hineingeboren sei, habe kein Recht aus ihr auszutreten oder ihre Lehren auf eigene Weise auszulegen, da solches Verhalten Rechte dieser Gruppe verletzte. Es verstößt nicht gegen die Rechte "der Muslime", dass ehemals muslimische Apostaten in Deutschland ihrem Gewissen folgen und ihre Religion wechseln oder aufgeben dürfen.
Zweitens folgt das Recht der Eltern zur religiösen Erziehung ihrer Kinder nicht aus der Religionsfreiheit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG), sondern dem Erziehungsprivileg der Eltern (Art. 6 Abs. 2 S. 1 GG), welches im Konfliktfall wiederum hinter die Individualrechte der Kinder, insbesondere das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 Abs. 1 GG) und die körperliche Unversehrtheit (ebd. Abs. 2) zurückzutreten hat (Art. 6 Abs. 2 S. 2 GG). Das heißt im Klartext: im Interesse des Rechts jedes Kindes, sich zu einer in die hiesige Gesellschaft integrierten Persönlichkeit zu entwickeln, kann es kein Recht von Eltern geben, ihr Kind unter Berufung auf ihre Religionsfreiheit vom Sexualkunde-, Sport- oder Schwimmunterricht abzumelden. Ebenso kann das in Deutschland mit Vollendung des 14. Lebensjahres eintretende religiöse Selbstbestimmungsrecht von Jugendlichen nicht für Kinder muslimischer Eltern suspendiert werden, weil das deren "Rechte" verletzt oder "Traditionen" missachtet. Auch streng orthodoxe muslimische Eltern haben schlicht kein Recht, ihre 14-jährige oder ältere minderjährige Tochter zum Tragen von Kopftuch oder Schleier zu zwingen, wenn sie sich vom Islam abwendet oder dessen Lehre für sich anders auslegt, weder aus nach dem Grundgesetz, noch nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO oder nach der Europäischen Menschenrechtskonvention - denn all diese Gewährlesitungen und Erklärungen richten sich wie gesagt an den Einzelnen, nicht an Gruppen.
So, dass nur als Einschub zu den Grenzen der Religionsfreiheit - Merksatz: "Freiheit ist immer die Freiheit des Andersgläubigen!"

-, nun zurück zur eigentlichen Erwiderung: ich verbiete ja wie gesagt niemandem, in den oben umrissenen Grenzen nach den Geboten des Islam zu leben, wenn er sich dazu gehalten sieht. Ich kritisiere am Islam, dass er nach seinem eigenen Selbstverständnis eben keine bloße Religion ist, die sich wie das Christentum an den einzelnen Menschen wendet und ihn zur Einhaltung ihrer Gebote auffordert, sondern eine Ideologie, die an Staaten und Gesellschaften adressiert ist und deren Gestaltung nach ihren Geboten fordert.
Natürlich wäre es ziemlich unlogisch zu sagen, man sei nicht von der universellen Richtigkeit Lehre einer Religionsgemeinschaft, der man angehört, für letztlich alle Menschen überzeugt. Wer ernsthafte Prinzipien hat, der muss diese gewissermaßen auch werbend gegenüber anderen vertreten, denn wenn er nicht der Meinung ist, es brächte auch anderen einen Gewinn diesen Prinzipien zu folgen stellt sich die Frage, warum er ihnen folgt?
Somit ist es eine Sache, wenn der Papst sagt: "Ich bin überzeugt, dass die künstliche Empfängnisverhütung beim Geschlechtsverkehr moralisch falsch ist, und das gilt für alle Menschen", und das eben als Glaubenslehre vertritt, die zu befolgen er alle Menschen aufruft. Das ist seine glaubhafte Überzeugung, welches Verhalten die Menschen zum Heil führt, und zu dem er sie deshalb aufruft.
Es ist eine andere Sache, wenn der Islam hergeht und aus seiner Überzeugung, den allein richtigen Weg zum Heil zu kennen das Recht und die Pflicht ableitet, jeden Menschen auf Erden seiner Lehre zu unterwerfen, jede menschliche Gesellschaft und jeden Staat nach den Vorgaben seiner Lehre zu gestalten, wenn diese sich nicht freiwillig unterwerfen dann durch Unterwanderung und/oder Gewalt.
Das ist aber gerade der Kern des Islam, darum drehen sich Qur'an, Schari'a, Sunna und Fiqh. Die katholische Kirche hatte weder für die Kreuzzüge, noch für die Verfolgung von Ketzern, noch für ihre bis in das 20. Jahrhundert praktizierte Sanktionierung religiöser Intoleranz und Verquickung von Staat und Religion eine bibliche Grundlage. Im Gegenteil, das Christentum ist dogmatisch eine ausgesprochen staatsferne und unpolitische Religion. Es gibt dem einzelnen Menschen Gebote, an die er sich aus freier Überzeugung, damit dem eigenen Interesse über das diesseitige Leben hinaus zu dienen, halten soll. Aber es fordert nicht dazu auf, diese irgendwem im Wege der weltlichen Gesetzgebung aufzuzwingen. Indem die Hierarchie der katholischen Kirche sich heute für Religionsfreiheit nicht nur für ihre Anhänger, sondern alle Menschen einsetzt, kehrt sie wieder zu ihren Wurzeln zurück.
Das biblische Konzep ist, dass Christen ihrer Obrigkeit gehorchen sollen, wohl im pragmatischen Vertrauen darauf, dafür im Gegenzug das Recht zur privaten Befolgung der Gebote ihres Glaubens zu erhalten. Historisch hat sich nicht das Christentum den Staat genommen, sondern der Staat - zuerst das Römische Reich - hat sich das Christentum genommen.
Das ist ein gravierender Unterschied zum Islam, dem Duldsamkeit gegenüber einer nichtislamischen weltlichen Obrigkeit ebenso fremd ist wie Toleranz gegenüber nichtislamischen Minderheiten im Einflussbereich einer islamischen Obrigkeit. Er ist schon von seinem Stifter und den ersten Exegeten seiner theologischen und philosophischen Quellen essenziell darauf angelegt, den Staat aktiv dazu einzusetzen, das Leben jedes Menschen in allen Belangen seinen Geboten zu unterwerfen.
Natürlich gibt es, von islamischen Theologen bis hinunter zu "einfachen Gläubigen", auch Muslime, die ein Konzept des Islam vertreten, das diesen in Einklang mit einem säkulären, demokratischen Staat, mit Rechten wie Religionsfreiheit und individueller Selbstentfaltung sieht bzw. bringt. Aber man kann gestützt auf diese nicht pauschal behaupten, der Islam sei friedlich und tolerant, und würde nur von einigen Fehlgeleiteten missbraucht, die ihn ja total missverstehen und nur als Vorwand für Gewaltanwendung instrumentalisierten.
Diese "Fehlgeleiteten" - längst nicht nur ein paar Dutzend Islamisten in pakistanischen Terrorcamps, sondern hunderte Millionen orthodoxe Muslime weltweit - sind mit ihren nicht rein religiösen, sondern auf Grund derer Gegenstände dezidiert politischen Ansichten absolut näher am geistigen Ursprung, Ziel und Zweck des Islam, als die sog. "Euro-Muslime", die tatsächliche Minderheit. Diese fördern in ihrer von Humanismus und Aufklärung beeinflussten und bestimmten Auslegung der islamischen Lehre nicht deren buchstäbliche Wahrheit ans Tageslicht - die vertreten Islamisten und Orthodoxe.
Liberale, prowestliche Muslime, die den Islam in das abendländische Wertesystem zu integrieren bemüht sind, verfechten damit eine ungeheuer revolutionäre Idee, die die Grundlagen und das Wesen des Islam grundlegend verändert!