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Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 14:57
von Albert von Romanow-Bernstein
:krach: :love: Interessante Diskussion :) wirklich!

Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 14:57
von Montgomery Scott
Original von Oliver von Palm
Ach, möchte sie auf einmal doch den Kapitalismus? Dann ist sie ja überflüssig, weil man alles so lassen kann, wie es ist.
Auch der Kapitalismus hat sich radikal geändert. In den 50er und 60er Jahren hatte man es mit einem gesteuerten Kapitalismus zu tun, heute mit einem neoliberalen Kapitalismus. Um es mal ganz treffend zu sagen: Was die Linke in ihrem aktuellen Zustand wirtschaftspolitisch vorallem möchte, ist, zurück zum gesteuerten Kapitalismus zu kommen.

Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 15:03
von Oliver von Palm
Auch der Kapitalismus hat sich radikal geändert. In den 50er und 60er Jahren hatte man es mit einem gesteuerten Kapitalismus zu tun, heute mit einem neoliberalen Kapitalismus. Um es mal ganz treffend zu sagen: Was die Linke in ihrem aktuellen Zustand wirtschaftspolitisch vorallem möchte, ist, zurück zum gesteuerten Kapitalismus zu kommen.
Was ist "gesteuerter Kapitalismus"?

Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 15:07
von Rafael van der Linden
Original von Montgomery Scott
Es hat sich geändert, inwieweit sie die Gesellschaft ändern will (die sich ja auch selbst mittlerweile bereits radikal verändert hat) und was man unter dem Begriff Sozialismus versteht, ja.
Die Gesellschaft ist von einer selbigen der Leistungserbringer und Erwirtschafter zu einer Gesellschaft der Verwalter und Leistungsempfänger geworden. Unabhängig von den moralisch-sittlichen Langzeitwirkungen, die so eine Alimentierungsgesellschaft haben könnte/hat.
Aber dass die Finanzierung auf die bisherige Weise zumindest nicht funktioniert sieht man an der Staatsverschuldung.

Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 15:18
von Montgomery Scott
Original von Oliver von Palm
Was ist "gesteuerter Kapitalismus"?
Die ökonomische Epoche, die grob umrissen mit dem frühen Fordismus beginnt und mit der antikorporatistischen Politik der Thatcher-Reagan-Kohl-Generation endet. Oft werden in den Sozialwissenschaften auch "Gesteuerter Kapitalismus" und "Fordismus" synomym gebraucht.

Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 15:21
von Damian Fuller
Original von Montgomery Scott
Oft werden in den Sozialwissenschaften auch "Gesteuerter Kapitalismus" und "Fordismus" synomym gebraucht.
Haben diese Begriffe auch inhaltliche Substanz oder bestätigen sie nur das Vorurteil, dass Sozialwissenschaften zu 90% nur der Legitimation linker Politik und Sichtweisen dienen? ;)

Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 15:21
von Montgomery Scott
Original von Rafael van der Linden

Die Gesellschaft ist von einer selbigen der Leistungserbringer und Erwirtschafter zu einer Gesellschaft der Verwalter und Leistungsempfänger geworden. Unabhängig von den moralisch-sittlichen Langzeitwirkungen, die so eine Alimentierungsgesellschaft haben könnte/hat.
Aber dass die Finanzierung auf die bisherige Weise zumindest nicht funktioniert sieht man an der Staatsverschuldung.
Diese Formulierung ist in Bezug auf die Unterschiede zwischen SED-Blütezeit und Linke.-Ära Quatsch.

Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 15:22
von Montgomery Scott
Original von Damian Fuller
Haben diese Begriffe auch inhaltliche Substanz oder bestätigen sie nur das Vorurteil das Sozialwissenschaften zu 90% zur Legitimation linker Politik und Sichtweisen dienen? ;)
Jaja, die Sozialwissenschaften sind nur eine Pseudowissenschaft, um die Kommunistische Weltverschwörung intellektuell zu stärken. Hab ich für einen Moment vergessen, stimmt.

Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 15:31
von Damian Fuller
Original von Montgomery Scott
Jaja, die Sozialwissenschaften sind nur eine Pseudowissenschaft, um die Kommunistische Weltverschwörung intellektuell zu stärken. Hab ich für einen Moment vergessen, stimmt.
Nein, Kommunismus ist - wie Grimm so schön sagte - abgemeldet.

Ich meinte als Ökonom eher die Frage, warum man in den 50er und 60er-Jahren in Deutschland einen "gesteuerten Kapitalismus" sieht, während man heute überall die neoliberale Politik vermutet. Denn ökonomisch waren die 50er und 60er-Jahre in Deutschland die (relativ) ordoliberalen* Jahre, Staatsquote, Gesetzes-/Regulierungsanzahl, Sozialausgaben und Staatsverschuldung deutlich niedriger als heute.
Interessant auch, dass man heute dem Neoliberalismus unterstellt, er wäre ein korporatistisches System und fordere eine Verflechtung von Staat/Politik und Wirtschaft (in Form der bösen Großunternehmen).

* Der Ordoliberalismus ist die deutsche Mainstream-Variante des in den 30er-Jahren entstandenen im Gegensatz zum Keynesianismus stehenden Neoliberalismus.

Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 15:36
von Montgomery Scott
Da ist im alltäglichen Diskurs einiges durcheinander, da geb ich Dir recht. "Die Sozialwissenschaften" behaupten auch gar nicht, mit dem Neoliberalismus wäre die staatliche Intervention zurückgegangen (der von mir schon einige Male erwähnte James Fulcher hat eine sehr treffende Zusammenfassung verfasst), sie hat sich nur von der Zügelung auf die Revitalisierung verlagert. Dass gerade eine liberale Wirtschaftsordnung im kapitalistischen Zeitalter enorme politische Interventionen benötigt, um stabil zu bleiben (siehe US-Finanzkrise), ist eine interessante Randnotiz dieser Entwicklung. Wie dem auch sei - typisch für die WASG ist, die Rückkehr zur Wirtschaftspolitik des gesteuerten Kapitalismus zu fordern.