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Verfasst: Mi 2. Mär 2011, 10:31
von Kamler Johanssen
Original von Anastasia von Metternich
Ich sollte gerade andere Dinge machen und habe deswegen keine Zeit, Links zu suchen, aber die entsprechenden Debatten über unnötige PhD-Programme gibt es im britischen und amerikanischen Raum ebenso.
Das ist interessant, wusste ich so nicht. Hier ist aber in diesem Fall wichtig, ob es um Karriere-Verbesserung durch Titel/Abschlüsse geht, das ist wohl in den meisten formalisierten bürgerlichen Gesellschaften so. Oder ob es, wie bei unserem Thema, um politisches soziales Ansehen durch formales Titelsammeln geht.
Original von Anastasia von Metternich
Mir war das bekannt. :P Worauf ich hinaus wollte, ist: Auch im Englischen heißt es offiziell-offiziös "Dr. Wolfowitz"
Aber Dr. Bush und Dr. Clinton hieß es nicht - oder etwa doch?

Akademische Würden mit Titeln etc. sind hauptsächlich ein Phänomen der kleinbürgerlichen Gesellschaft. Und damit mindestens eins des historisch bzw. zeitalter-phasenmäßig noch avantgardistischen (wertneutral) Westens.

Natürlich gibt es Doktortitel auch in den USA und auch im Nicht-Westen. Aber ich habe bisher vermutet, dass es in der Nuance, bzw. in dieser Form in Deutschland und Österreich schon sehr ausgeprägt ist, auch noch mal relativ zu vergleichbaren Ländern.

Die interessante Frage ist doch also dann eher, wie viele us-amerikanischen Politikgrößen etc. einen inhaltlich bedeutungslosen Doktortitel gemacht haben, nur um in ihren politischen Status damit verbessern zu können. Daraus könnte man dann eine gesellschaftliche (konstruierte, aber vorhandene) Wertschätzung von formalen Titularien ableiten und diese "soziale Wichtigkeit/Relevanz" auch mit den vermuteten Spitzenreitern Deutschland, Österreich und Italien vergleichen.

Verfasst: Mi 2. Mär 2011, 10:48
von Anastasia von Metternich
George W. Bush hat nur einen (?) Ehrendoktor, sein höchster akdemischer Abschluss ist ein MBA.

Clinton hat einen J.D., taucht aber nirgendwo als Dr. Clinton auf; warum das ist so, müsste ich recherchieren, ich vermute aber Folgendes: Bevor man ihn offiziell überhaupt als irgendetwas titulierte, war der Gute schon Attorney General (J.D. in '73, AG in '76). Aus dem Kopf glaube ich, dass man AGs als AGs tituliert. '78 wurde er Gouverneur, die Anrede "Governor" hätte in jedem Fall Vorrang vor "Dr." und Doppeltitulierungen (à la Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel) gibt es im Englischen meines Erachtens nicht.

Weil es mir gerade einfällt: Die Frau von Vizepräsident Joe Biden wird allenthalben als "Dr. Jill Biden" tituliert, weil sie einen Doctor of Education hat - siehe wh.gov.

Verfasst: Mi 2. Mär 2011, 11:09
von Heinrich Julius von Jagonburg
Dr. Abigail Bartlet?

Verfasst: Mi 2. Mär 2011, 13:26
von Anastasia von Metternich
Original von Orla von der Katzenburg
Nein heißt es nicht.

Insofern ist es ein Argument.
Ich glaube, ich stehe auf dem Schlauch: Du redest über den Master, aber um im Englischen als "Dr." tituliert zu werden, braucht man einen Ph.D. (oder J.D. or M.D. etc.). Ein Master ist weder hüben noch drüben mit dme Doktor vergleichbar.
Ich hasse übrigens französisch Hasser.
Das ist okay für mich. ;)

Verfasst: Mi 2. Mär 2011, 13:27
von Anastasia von Metternich
Original von Heinrich Julius von Jagonburg
Dr. Abigail Bartlet?
Abi war M.D., da dürfte die Titulierung als Dr. relativ unstrittig sein. Aber ansonsten: yeah! :D

Verfasst: Mi 2. Mär 2011, 15:21
von Laura van Middelburg
Original von Anastasia von Metternich
...aber um im Englischen als "Dr." tituliert zu werden, braucht man einen Ph.D. (oder J.D. or M.D. etc.). Ein Master ist weder hüben noch drüben mit dme Doktor vergleichbar.
Nicht ganz zutreffend. ;)

J.D. und M.D. sind sogenannte Berufsdoktorate, also schlicht berufsqualifizierende Abschlüsse von Graduiertenstudiengängen. Sie entsprechen ihrem sozusagen "akademischen Rang" nach dem Master.

Gut erkennbar bei Juristen, für die es als eine wissenschaftliche Qualifikation gleichen Levels auch die Möglichkeit des Erwerbes eines Master of Laws (LL.M.) gibt.

Witzigerweise erwirbt dabei aber in der Regel den J.D., wer nach Abschluss seines Studiums praktisch arbeiten möchte (z. B. als Rechtsanwalt), und den LL.M., wer eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebt.

Ein J.D. würde in den USA niemals als "Doctor" angeredet. Ein als Arzt praktizierender M.D. hingegen durchaus, was im Prinzip aber nicht mal dem deutschen Phänomen entspricht, jeden Arzt als "Herr Doktor" anzureden, auch wenn er "nur" approbierter Arzt ist, aber nicht zum Dr. med. promoviert wurde.

"Doctor" als Anrede für einen nicht promovierten US-Mediziner wäre korrekt übersetzt eigentlich etwa "Herr Arzt".

Ein promovierter US-Mediziner ist, so auch z. B. auf Türschildern in amerikanischen Krankenhäusern zu lesen, "Dr. John Doe, M.D.". Technisch korrekt übersetzt: "Dr. med. Arzt John Doe". Er wird, wie ein nicht promovierter Kollege, als "Doctor" angesprochen, die Anrede bezieht sich dabei aber auf seinen Beruf bzw. seine Funktion, nicht seine Promotion.

Ein promovierter US-Jurist ist entsprechend "Dr. John Doe, J.D./LL.M", übersetzt: "Dr. Ass. iur. John Doe". Angeredet wird er vor Gericht vom vorsitzenden Richter als "Counsel(-or)" ("Herr Anwalt"), ansonsten als "Mr. Doe".

Verfasst: Mi 2. Mär 2011, 15:38
von Anaïs Gribonne-Fritz
Juristen, insbesondere Anwälte werden in den USA außerdem häufig als Esquire (Esq.) tituliert...

Verfasst: Mi 2. Mär 2011, 17:54
von Anastasia von Metternich
Wieder was gelernt.