Seite 8 von 10

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 14:38
von Nina Rügen
Original von Oliver von Palm
Wären alle Demonstranten so wie es sich gehört friedlich und unbewaffnet, wäre der Zaun nicht nötig. Aber die Erfahrung zeigt, dass dieser Sperrgürtel zur Sicherheit nicht nur der Regierungsvertreter, sondern gerade auch zur Sicherheit der Bürger von Heiligendamm, absolut nötig ist. Auch die Demonstrationsfreiheit endet bei den Rechten anderer. Ich muss also hinnehmen, nicht überall demonstrieren zu dürfen, wenn dies zum Schutze anderer Menschen erforderlich ist.
ach ne is klar

davon hätten die jedem einwohner heiligendams 2 neue häuse bauen können! ausserdem gehört der hotelkomplex dem adlon und diese versperren den einwohnern heiligendams den weg zum strand und alles, die sind auch daraufd nicht gut zu sprechen, zu ddr zeiten konnte man noch vom dorf zum strand gehen

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 15:42
von Amber Marie Ford
Original von Nina Rügen
zu ddr zeiten konnte man noch vom dorf zum strand gehen
Zur DDR-Zeiten war ja bekanntlich alles besser... :rolleyes:

Ich lebe jetzt seit zweieinhalb Jahren in Mecklenburg-Vorpommern, und ich unterhalte mich gerne mit Menschen, die die DDR erlebt haben. Einige unverbesserliche "Ostalgiker" sind darunter, Schwamm darüber, aber auch Menschen die frei von der Seele weg über Armut, Unterdrückung, Bespitzelung und Menschenrechtsverletzungen erzählen:

Wie der Familienvater, der neben seiner regulären Tätigkeit noch einen Nachtwächterjob in einem Schlachthof annehmen musste, um mit den Fleischrationen die ihm die Arbeiter dort "unter der Hand" mitgaben seine fünf Kinder durchzubringen.

Wie der Seemann, der mit seinen Kameraden einer Einladung schwedischer Kamraden zu einem Umtrunk auf deren Schiff Folge leistete, weshalb ihm nach der Rückkehr an Land das Seefahrtsbuch weggenommen, ihm also verboten wurde, zur See zu fahren. Als er einige Zeit später noch immer wütend in einer Kneipe nach einigen Bieren mit dem nächsten einen Trinkspruch auf Honecker, "die rote Sau" ausbrachte wurde er von einem IM verpfiffen und verbrachte die nächsten drei Jahre im berüchtigten Gefängnis "Schwarze Pumpe".

Wie die damals junge Frau, deren damaliger Freund einen offiziellen Ausreiseantrag in den Westen stellte, und über die, obwohl sie damit gar nichts zu tun hatte, die Stasi in den folgenden Wochen und Monaten (es war nicht mehr lange bis zur Wende) eine Akte anlegte die dicker ist als die Akte deines Hausarztes über dich.

Wie die Frau, die als kleines Mädchen bei Nacht und Nebel mit ihrer Mutter aus der DDR fliehen musste, weil ihrer nach jahrelanger Verschleppung aus der UdSSR zurückgekehrten Mutter die erneute grundlose Verhaftung durch die VoPo drohte.

Wie der Mann, der Mitte der achtziger Jahre in seinem letzten Jahr an der POS einen Ausreiseantrag stellte, daraufhin ohne Abschluss von der Schule flog und verdonnert wurde, in einem Tretbootverleih am Schweriner See zu arbeiten (der Ausreiseantrag wurde natürlich abgelehnt).

Das ist keine "rechte Propaganda", das sind wahre Geschichten aus dem Leben echter Menschen, die sie mir bei persönlichen Begegnungen erzählt haben. Hinzu kommen ebenso unstreitige Berichte aus anderen Quellen: über die Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze, über die Bespitzelung und Schikanierung tatsächlicher, mutmaßlicher und vorgeblicher Regimegegner, darunter v. a. bekennende Christen, über die Haftbedingungen in den DDR-Gefängnissen, über die psychologische Folterung politischer Gefangener, über den erbarmungslosen Drill schon von Grundschulkindern zu künftigen Spitzensportlern, über die Militarisierung der Erziehung in Kindergärten, Schulen und Jugendorganisationen, über den Terror gegen Menschen, die nicht wählen gingen oder die Wahlkabinen zur geheimen Wahl in Anspruch nahmen, über Stasi-Überwachungsoperationen wie heimliche Wohnungsdurchsuchungen, über Eltern denen ihre Kinder weggenommen wurden weil sie einen Ausreiseantrag gestellt hatten, über Drohungen der Stasi mit welchen negativen Konsequenzen man zu rechnen hätte wenn man nicht als IM Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde und Verwandte bespitzelte, über die Ausbürgerung missliebiger Kulturschaffender und Intellektueller, über die Knappheit und das Fehlen von Lebensmitteln wie von Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens... über eine Welt "die grau war und nach Braunkohle stank" (O-Ton eines älteren Bekannten). Aber hey, man konnte vom Ortskern Heiligendamms zu Fuß zum Strand gehen! Sozialismus hurra!

Halt besser dein unqualifiziertes Maul, bevor ich dir durch die Leitung komme...

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 15:56
von Fiete Schulze
Bist du nicht ganz klar in der Rübe? Hat der Mistpieler hier irgendwo die DDR gelobt oder als Superstaat hingestellt? Nein, hat er nicht! Er hat einfach nur die Wahrheit über Heiligendamm erzählt. Und ich komme aus dem Landkreis Bad Doberan, ich habe die ganze Diskussion um Heiligendamm mitbekommen. Was da in den letzten Jahren abging, ist ein echtes Unding! Inzwischen hat sich die Fundus-Gruppe den ganzen Ortskern unterm Nagel gerissen und macht fast den ganzen Ort unzugänglich für die "einfachen" Menschen:

Hier könnt ihr mal einen Blick auf das Heiligendamm im Jahre 2007 werfen (vor 10 Jahren dürfte sich noch jeder Bürger dort frei bewegen):

Klick hier

Achso, Ford:

"Halt besser dein unqualifiziertes M..., bevor ich dir durch die Leitung komme... "

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 16:26
von Amber Marie Ford
Original von Fiete Schulze
Bist du nicht ganz klar in der Rübe?
Klarer als so manch anderer, glaub mir... :rolleyes:
Hat der Mistpieler hier irgendwo die DDR gelobt oder als Superstaat hingestellt? Nein, hat er nicht! Er hat einfach nur die Wahrheit über Heiligendamm erzählt.
Er hat seine Meinung über Heiligendamm geäußert, was zunächst natürlich legitim ist. Eine subjektive Meinung als Wahrheit zu verkaufen lässt sich auch noch verkraften, aber mir platzt regelmäßig der Kragen, wenn diese: "In der DDR war das aber besser..."-Pseudoargumente kommen. Was soll das denn anderes bezwecken als den implizierten Vorwurf, an gewissen Entwicklungen die dem Verfechter einer Meinung nicht gefallen seien "die Wessis"/"der Westen", "die Kapitalisten/der Kapitalismus", "die Einheit/die Wiedervereinigung" oder schlicht: Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft schuld?!

Er hätte wie du sagen können: "Vor zehn Jahren", also auch im wiedervereinigten, freiheitlichen, demokratischen und marktwirtschaftlichen Deutschland. Er sagte aber: "In der DDR", also im Staat von Unterdrückung, Bespitzelung, Militarisierung, Umweltverschmutzung, Not, Mangel, Armut, Terror, Freiheitsberaubung, Folter und Mord. Derartige Rhetorik ist eine Frechheit gegenüber den Opfern des SED-Regimes.
Und ich komme aus dem Landkreis Bad Doberan, ich habe die ganze Diskussion um Heiligendamm mitbekommen. Was da in den letzten Jahren abging, ist ein echtes Unding! Inzwischen hat sich die Fundus-Gruppe den ganzen Ortskern unterm Nagel gerissen und macht fast den ganzen Ort unzugänglich für die "einfachen" Menschen
Du lebst länger in M-V als ich, ich nehme daher nicht an, dass ich dir Seebäder aufzählen muss, die jeder durchstreifen kann wie er will, und am Strand entlangspazieren kann solange er will?

Im Übrigen würde ich gerne das Geschrei hören, wenn die Fundus-Gruppe ginge, und ihre Investitionen für die Region sowie die von ihr geschaffenen Investitionen mitnähme!

Aber in der DDR hatte ja schließlich auch jeder Arbeit, wieso schaffen die dummen kapitalistischen Politiker das nicht...?? :rolleyes:

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 16:31
von Fiete Schulze
Also inzwichen möchten die Einwohner von Heiligendam die FundusGruppe lieber heute als morgen aus dem Ort abzischen sehen...das ist die Realität.
Und noch ne kleine Anmerkung: Ja, auch in der DDR gab es Dinge die besser waren als in der BRD. So einfach ist das.
Und in der BRD gibts jede Menge Dinge die besser waren als in der DDR. Also, wo ist das Problem?

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 16:45
von Amber Marie Ford
Original von Fiete Schulze
Also inzwichen möchten die Einwohner von Heiligendam die FundusGruppe lieber heute als morgen aus dem Ort abzischen sehen...das ist die Realität.
Weil sie glauben, sie könnten den Sozialismus wieder einführen, nur diesmal mit westeuropäischem Geld samt "ALDI", "-,real", "MediaMarkt", "H&M" usw. mit prall gefüllten Regalen, von simplen politischen Freiheiten wie in der Kneipe einfach mal einen Witz über "die da oben" erzählen zu dürfen mal ganz zu schweigen. Das ist der andere Teil der Wahrheit, darum muss man die "Bescheidenheit" und "Opferbereitschaft" in Ostdeutschland mit Vorsicht genießen. Die Leute wollen die Nachteile von Demokratie und Marktwirtscaft wieder abgeben, die Vorteile aber behalten... :rolleyes:
Und noch ne kleine Anmerkung: Ja, auch in der DDR gab es Dinge die besser waren als in der BRD. So einfach ist das.
Und in der BRD gibts jede Menge Dinge die besser waren als in der DDR. Also, wo ist das Problem?
Das Problem liegt darin dass die DDR ein verbrecherisches System war, in dem die Obrigkeit die Menschen unterdrückt, entwürdigt, eingesperrt, bespitzelt, verfolgt, terrorisiert, genötigt und ausgebeutet hat. So einfach ist das.

Die Kinderbetreuung mag oberflächlich betrachtet besser gewesen sein, hatte nur bei tieferer Betrachtung den Haken, dass die Kosten für diese volkswirtschaftlich nicht aufgberacht werdne mussten/konnten, und sie zudem nicht aus Menschenliebe aufrecht erhalten wurde, sondern um schon Kleinstkinder ideologisch zu indoktrinieren und zu formen, bevor sie die Chance hatten, eigenständige Persönlichkeiten zu entwicklen.

Brötchen für 4 Pfennig/Stück mögen ebenfalls ganz toll erscheinen, aber auch hier darf nicht vergessen werden, dass dieser Preis nur durch massive, dauerhaft nicht zu verkraftende Subventionen und Preisdiktate aufrecht erhalten wurde, was sich dann rächte indem eine simple Damenstrumpfhose 10% eines Monatsgehaltes kostete.

Das zu den Dingen, die in der DDR "besser waren"...

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 16:54
von Fiete Schulze
Original von Amber Marie Ford

Weil sie glauben, sie könnten den Sozialismus wieder einführen, nur diesmal mit westeuropäischem Geld samt "ALDI", "-,real", "MediaMarkt", "H&M" usw. mit prall gefüllten Regalen, von simplen politischen Freiheiten wie in der Kneipe einfach mal einen Witz über "die da oben" erzählen zu dürfen mal ganz zu schweigen. Das ist der andere Teil der Wahrheit, darum muss man die "Bescheidenheit" und "Opferbereitschaft" in Ostdeutschland mit Vorsicht genießen. Die Leute wollen die Nachteile von Demokratie und Marktwirtscaft wieder abgeben, die Vorteile aber behalten... :rolleyes:
Du urteilst über Leute die du gar nicht kennst.
Du drohst Leuten mit Gewalt und beleidigst sie, weil sie eine andere Meinung haben und nicht deine.

Was macht dich eigentlich anders, als das verecherische System, was du hier so angreifst?

So und jetzt gehe ich zur Jugendweihe - auch so ein verbrecherischer Restposten aus der DDR.

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 17:05
von Amber Marie Ford
Ich unterhalte mich sehr viel und sehr gerne mit den Menschen in meiner Wahlheimat über das Leben, die Politik und die Geschichte, und ich kenne die beiden großen Gruppen, die es hier gibt: einmal diejenigen, denen entweder schon zu DDR-Zeiten klar war oder die nach der Wende verstanden haben, dass der Sozialismus zwangsläufig zu politischer Unterdrückung und wirtschaftlichem Elend führt, und auf der anderen Seite die unverbesserlichen Salonsozialisten, die glauben man könnte den Sozialismus wieder einführen, und er diesmal bedeuten würde dass es neben einem Arbeitsplatz für jeden auf dem keiner wirklich arbeiten muss volle Regale in einem halben Dutzend verschiedener Discounter zur Auswahl, zwei PKW westlichen Fabrikates pro Haushalt, Urlaub auf Mallorca, und volle Meinungsfreiheit auf 30 Fernsehprogrammen gäbe.

Im Übrigen hat die Jugendweihe eine humanistische Tradition und geht bereits auf das 19. Jahrhundert zurück, sie ist keine Erfindung der DDR, und steht auch in keinem ursprünglichen Zusammenhang mit dem Sozialismus.

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 17:10
von Istvan Schwartzwälder
Original von Amber Marie Ford
Im Übrigen hat die Jugendweihe eine humanistische Tradition und geht bereits auf das 19. Jahrhundert zurück, sie ist keine Erfindung der DDR, und steht auch in keinem ursprünglichen Zusammenhang mit dem Sozialismus.
Aus Interesse: Welchen Ursprung? Als säkulares, bzw. religionsfreies Initiationsritual?

Verfasst: Sa 12. Mai 2007, 17:16
von Marko Untrial