Original von Nina Rügen
zu ddr zeiten konnte man noch vom dorf zum strand gehen
Zur DDR-Zeiten war ja bekanntlich alles besser... :rolleyes:
Ich lebe jetzt seit zweieinhalb Jahren in Mecklenburg-Vorpommern, und ich unterhalte mich gerne mit Menschen, die die DDR erlebt haben. Einige unverbesserliche "Ostalgiker" sind darunter, Schwamm darüber, aber auch Menschen die frei von der Seele weg über Armut, Unterdrückung, Bespitzelung und Menschenrechtsverletzungen erzählen:
Wie der Familienvater, der neben seiner regulären Tätigkeit noch einen Nachtwächterjob in einem Schlachthof annehmen musste, um mit den Fleischrationen die ihm die Arbeiter dort "unter der Hand" mitgaben seine fünf Kinder durchzubringen.
Wie der Seemann, der mit seinen Kameraden einer Einladung schwedischer Kamraden zu einem Umtrunk auf deren Schiff Folge leistete, weshalb ihm nach der Rückkehr an Land das Seefahrtsbuch weggenommen, ihm also verboten wurde, zur See zu fahren. Als er einige Zeit später noch immer wütend in einer Kneipe nach einigen Bieren mit dem nächsten einen Trinkspruch auf Honecker, "die rote Sau" ausbrachte wurde er von einem IM verpfiffen und verbrachte die nächsten drei Jahre im berüchtigten Gefängnis "Schwarze Pumpe".
Wie die damals junge Frau, deren damaliger Freund einen offiziellen Ausreiseantrag in den Westen stellte, und über die, obwohl sie damit gar nichts zu tun hatte, die Stasi in den folgenden Wochen und Monaten (es war nicht mehr lange bis zur Wende) eine Akte anlegte die dicker ist als die Akte deines Hausarztes über dich.
Wie die Frau, die als kleines Mädchen bei Nacht und Nebel mit ihrer Mutter aus der DDR fliehen musste, weil ihrer nach jahrelanger Verschleppung aus der UdSSR zurückgekehrten Mutter die erneute grundlose Verhaftung durch die VoPo drohte.
Wie der Mann, der Mitte der achtziger Jahre in seinem letzten Jahr an der POS einen Ausreiseantrag stellte, daraufhin ohne Abschluss von der Schule flog und verdonnert wurde, in einem Tretbootverleih am Schweriner See zu arbeiten (der Ausreiseantrag wurde natürlich abgelehnt).
Das ist keine "rechte Propaganda", das sind wahre Geschichten aus dem Leben echter Menschen, die sie mir bei persönlichen Begegnungen erzählt haben. Hinzu kommen ebenso unstreitige Berichte aus anderen Quellen: über die Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze, über die Bespitzelung und Schikanierung tatsächlicher, mutmaßlicher und vorgeblicher Regimegegner, darunter v. a. bekennende Christen, über die Haftbedingungen in den DDR-Gefängnissen, über die psychologische Folterung politischer Gefangener, über den erbarmungslosen Drill schon von Grundschulkindern zu künftigen Spitzensportlern, über die Militarisierung der Erziehung in Kindergärten, Schulen und Jugendorganisationen, über den Terror gegen Menschen, die nicht wählen gingen oder die Wahlkabinen zur geheimen Wahl in Anspruch nahmen, über Stasi-Überwachungsoperationen wie heimliche Wohnungsdurchsuchungen, über Eltern denen ihre Kinder weggenommen wurden weil sie einen Ausreiseantrag gestellt hatten, über Drohungen der Stasi mit welchen negativen Konsequenzen man zu rechnen hätte wenn man nicht als IM Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde und Verwandte bespitzelte, über die Ausbürgerung missliebiger Kulturschaffender und Intellektueller, über die Knappheit und das Fehlen von Lebensmitteln wie von Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens... über eine Welt "die grau war und nach Braunkohle stank" (O-Ton eines älteren Bekannten). Aber hey, man konnte vom Ortskern Heiligendamms zu Fuß zum Strand gehen! Sozialismus hurra!
Halt besser dein unqualifiziertes Maul, bevor ich dir durch die Leitung komme...