Original von Vanessa Garland
Na gut, in der Sekundarstufe I nicht, das stimmt schon. In der Oberstufe aber schon, vor allem im Leistungskurs.
Dazu kann ich nichts sagen aber definitiv nicht im Grundkurs an einem hessischen Gymnasium
Nein, das würde ich deshalb nicht sagen, weil die (normative) Ethik eine Disziplin der Philosophie ist, und sich als solche einmal mit einer klar definierten Fragestellung befasst, die zwar auch in den Curricula des Berliner Schulfaches auftaucht, das sich aber gerade nicht in dieser erschöpft, und sich dabei zum anderen der wissenschaftlichen Methodik bedient, was in dem Schulfach ja wiederum weder der Fall ist, noch sein soll.
Das ist aber schon eine recht beliebige Interpretation. In der Ethik geht es darum, wie man normativ richtig handelt bzw. wie diese Frage überhaupt aufzufassen ist. Und das ist meines Erachtens Kernthema des Ethikunterrichtes, auch wenn es dabei nicht immer um die Grundmotive wissenschaftlicher Ethik geht.
Was privilegiert denn z. B. den in solchen Diskussionen zeitgeschichtlich gerne als Ideal bemühten, weil als vermeintlich nichtspirituell betrachteten Humanismus gegenüber der Religion? Bzw. was legitimiert ihn sogar als geistige Grundlage eines, sagen wir mal nach Hobbes, Gesellschaftsvertrages, der in der Folge die Religion zur öffentlich irrelevanten Privatsache herabsetzt?
Selbst eine konsequent materialistische, jede Metaphysik negierende oder zumindest aus ihrer Betrachtung ausschließende Ethik ist letztlich doch auch eine metaphysische Anschauung. Was hat es mit dem Bildungsauftrag der Schule zu tun, diese zum normativen Maßstab zu erheben?
Nein, Ethik
besteht in der vernünftigen Auseinandersetzung über Fragen des richtigen Handelns. Religion
besteht im Handeln nach dogmatisch vorausgesetzten Wahrheiten, die per definitionem nicht zur Diskussion stehen.
Dass es gerade nicht so ist rührt daher, dass heutzutage wie gesagt verbreitet als dogmatisch antispirituell gesehene gedankliche Konzepte wie etwa der Humanismus ihre Wurzeln tatsächlich in der Religion haben.
Ich habe, wie schon erwähnt, in meiner Schulzeit fast durchgängig Ethik-Unterricht gehabt und wir haben dort thematisch zu einem Großteil religiöse Konzepte behandelt, nur eben auf Meta-Ebene, nicht im Rahmen religiöser Dogmen. Im Übrigen ist Atheismus nicht "dogmatisch antispirituell". Er ist überhaupt nicht dogmatisch, das ist ja sein großer Vorteil.
Natürlich gibt es, wie ebenfalls schon gesagt, auch rein materialistische Ethik, nur muss man sich fragen, ob sie den gesellschaftlichen Bedürfnissen dauerhaft wirklich zu genügen vermag.
Denn ein einzelner Materialist kann durchaus anspruchsvolle sittliche Ideale verfechten, indem er von seiner spirituell beeinflussten Umwelt entwickelte Werte aufgreift und in einen neuen gedanklichen, z. B. positivistischen Kontext, überführt.
Eine ganze Gesellschaft kann das ohne jede Spiritualität meines Erachtens aber nicht, sie kommt bei rein materialistischer Betrachtung zu keinem über minimale Zweckmäßigkeit hinausgehenden Gesellschaftsvertrag, um noch mal Hobbes zu bemühen.
Dass der Atheist nur sittlich ist, weil (und wenn) er religiöse Motive von Sittlichkeit aufgreift, ist eine These, die absolut nicht aufrecht zu erhalten ist. Sittlichkeit lässt sich problemlos aus sozialen Emotionen und aus rationaler Wahl ableiten. Die monotheistischen Religionen haben aber für mich ethisch noch nie mehr ausgesagt, als dass ich mich an die zehn Gebote halten soll, weil Gott mich sonst in der Hölle schmoren lässt. Andernfalls darf ich es mir später mal bei den Engeln gut gehen lassen. Tolle Wurst.