Original von Montgomery Scott
Ich habe auch nicht behauptet, dass es sich dabei um vorsätzliche Diskriminierung handelt.
Schon klar, das war nur der Teil in dem ich übereinstimme.

Ich bestreite jedoch teilweise, dass ein differenziertes Bildungssystem (das derzeitige deutsche - ist dabei auch nicht meine Idealvorstellung) passiv oder aktiv diskriminiert.
Eine einseitige Interpretation aufgrund einer materialistischen Grundannahme: "Der materielle Umstand bestimmt allein über das Bewusstsein."
Das ist nicht einseitig, das ist in der Sozialisationsforschung seit 100 Jahren Standard und
...nicht aus "einseitigen" Gründen sondern weil es wissenschaftlich geboten ist.
Das jedoch ist nicht einhellige wissenschaftliche Meinung (Wissenschaft definiert sich über Wettbewerb (böses Wort

) von Ideen und Forschung und über verschiedene Ansätze und Meinungen.) und die unexakte Wissenschaft Soziologie ist nicht die einzige Wissenschaft, auch nicht in diesem Bezug.
Dass intelligente Menschen leichter Abitur machen ist z.B. ein Aspekt unabhängig von ihrer materiellen Herkunft.
Du machst es Dir zu leicht. Intelligenz ist eine soziale Konstruktion.[/quote]
Die natürliche Intelligenz nicht. Sie ist nicht klar definiert, das ist auch richtig so. Aber es gibt Intelligenz (messbar über Falsifizierung und Erfolg etc.) und zwar natürlich sozialbezogen, aber auch ohne Sozialisierungskontext. Ansonsten wären die Urmenschen/unsozialisierte Menschen alle gleich schlau gewesen, alle gleich begabt etc.
Das ist keine Ideologie sondern von führenden Bildungssoziologen im letzten Jahrhundert vielfach verifiziert worden.
Nur dass eben die Soziologie nach Meinung vieler anderer Wissenschaftler selbst jahrzehntelang zum Großteil ideologisch motiviert war und zweckgebunden Ergebnisse als Begründung für die vorher schon bestehende Ideologie verwendet wurde.
Das muss nicht heißen, dass alles falsch war, zumindest nicht das, was halbwegs objektiv an Problemanalyse betrieben wurde. Aber was man daraus folgert und was man für Grundannahmen über Mensch und Gesellschaft hat, spielt hier eine große Rolle.
Ich sage aber, dass die eigene Wahl eben durch die Sozialisation sehr stark beeinflusst wird und das ist in meinen Augen eine größere Ungerechtigkeit, als sie jede Bildungsschranke nach äußerer Gesetzgebung je sein könnte.
Der Mensch in der Gesellschaft ist weder 100% Naturprodukt/triebgesteuert, noch 100% Erziehung oder Kultur. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. D'accord.
Aber dass sich ein Talent eher naturgemäß entwickelt sieht man z.B. daran: Diie Eltern, eine traditionelle Arztfamilie, sagen jahrelang ihrem Kind, es müsse Arzt werden. Aber es will nach jahrelanger "Indoktrination" immer noch Anwalt oder Schreiner werden. Dann hat es die Möglichkeit, dies zu tun (wenn es das notwendige Talent und die Leistung dafür mitbringt [Talent ist nicht anerzogen]) oder es wird von seinen Eltern gezwungen Arzt zu werden (wenn es das mit sich machen lässt, in der heutigen offenen Gesellschaft geschieht das immer weniger). Dann wird es aber auch nicht glücklich, auch wenn seine Eltern und sein soziales Umfeld dies positiv honorieren.
Sicher gibt es diesen Faktor aber das größte Sprachgenie endet mit einer Sozialisation, die ihm Bildungschancen verweigert, als Porno-Rapper, wenn ich mir diese Überspitzung erlauben darf.
Es kann z.B., wenn es das will, auch selbst Bücher leihen oder kaufen. Natürlich macht es ein gutes Elternhaus leichter, aber das liegt in der Natur der Sache. Ein Kind mit schwierigeren Startchancen muss etwas mehr leisten, ist dafür aber später auch vielleicht hartnäckiger und leistungsfähiger (und frustrationstoleranter) als von Anfang an verwöhnte Kinder.
Und nach der Pornorapperkarriere, bei der er gut Geld verdient hat, fängt der Jugendliche eine neue Karriere als Autor und Manager an, schreibt über seine wilde Jugend und berät neue jugendliche Talente aus schwierigen Verhältnissen.
Allerdings wird ein sprachlich talentierter Jugendlicher vermutlich gleich als ernsthafter Rapper anfangen. Denn die meisten Porno-Rapper sind das ja aus mangelndem Talent, und kaschieren dieses mit ihren vulgären, schlichten Texten.
Du kannst das jetzt natürlich als Ideologie bezeichnen aber auch dann ist diese Ideologie im Einklang mit 150 Jahren Sozialforschung.
Oder eben andersrum.
