Um noch mal auf die Idee der Zusammenlegung von Ländern zurückzukommen: das ist genau so eine Schnapsidee wie die Abschaffung des Unionsrates oder des Unionspräsidenten. Verschlimmbesserung, Kaputtreformierei - nennt es, wie ihr wollt. Metaphorisch gesprochen zerhackt Ratelon damit seine Substanz zu Kleinholz, um sie zu verheizen.
Seit nun etwa siebeneinhalb Jahren sind die sieben Länder mit ihren jeweils individuellen Charakteren, Ausgestaltungen, Persönlichkeiten und Geschichten (gemeint sind die
realen Geschichten der Länder seit Frühjahr 2001 bis dato, nicht irgendwelche virtuellen Historien, die gerne gegen Ratelon als Ganzes ausgespielt werden

) Bestandteil Ratelons, haben die Geschicke und das Gesicht dieser Micronation mitgeprägt. Ratelon, das ist neben anderen prägenden Säulen auch ganz zentral die Gemeinschaft von Freistein, Heroth, Imperia, Katista, Roldem, Salbor und den Westlichen Inseln, so wie diese Länder sind, so wie sie sich über viele Jahre entwickelt, und mit ihnen das ganze Land entwickelt haben - und nicht als irgendwelche denkbaren Hybriden à la "Deutschland "(Freistein/Imperia/Katista), "Katholisch-Südland" (Freistein/Heroth) oder "Weitweg-Land" (Roldem/WI).
Wer die - die Bemerkung muss sein

- zwar nicht virtuell-, aber doch und gerade realgeschichtlich gewachsenen Länder in ihrem Bestand zur Disposition stellen will, der tastet wirklich die ratelonische Seele an.
Wer argumentiert, die Ausgestaltungen blieben doch erhalten, es ginge ja nur um eine Fusion politischer Strukturen - genau dort sehe ich den Knackpunkt. Die Landespolitik ist doch eigentlich weit weniger wichtig als die Ausgestaltung und das gesellschaftliche Leben in den Ländern. Mal im Ernst, wer weiß schon, was in welchem Land nun eigentlich gesetzlich geregelt ist, und wie. Und vor allem, ob die gleiche Sache zufällig in einem anderen Land auch geregelt ist, und sich durch unterschiedliche Regelungen mal echte
politische Vielfalt ergibt?
Jeder hingegen kennt die Profile und Mentalitäten der Länder, verbindet sie mit typischen Charakteristika, Markenzeichen, Orten usw. Hier besteht echte Vielfalt. Und die ginge in dieser Form einfach verloren, wenn man jetzt herginge und zwei oder mehr Länder zusammenlegte. Da könnte man auch gleich die Länder ganz abschaffen und sagen: "Wir machen Ratelon zwar zu einem Zentralstaat,
aber in der Ecke des Landes sieht die Landschaft so aus und leben solche Leute, in der nächsten Ecke sieht die Landschaft so aus und leben solche Leute usw." - dann bliebe die Ausgestaltung auch erhalten, aber die individuelle Lebendigkeit der Länder wäre futsch.
Und wofür? Damit statt zwei dann vielleicht drei Leute ab und zu mal ein Gesetz durch das Landesparlament winken? Was für ein Gewinn!
Ich finde es offen gesagt nicht so schlimm, dass es in der Landespolitik mancherorts derzeit ziemlich ruhig ist. Das Problem sind nicht inaktive Länderparlamente und -regieren, sondern völlig übersteigerte Erwartungen. Man hat die Länder im Glauben, man müsste ihnen nur mehr zu tun geben, dann ginge es dort rund, mit immer mehr Zuständigkeiten überhäuft, denen sie nie gewachsen waren. Denn mal ganz ehrlich, über die Fragen der "großen" Politik streitet man lieber auf der großen Bühne, mit vielen Leuten, vielen Parteien usw.
Die Länder funktionieren nach wie vor gut als Nachbarschaften mit etwas persönlicheren Atmosphären und unterschiedliche ausgestalterische Bausteine des Landes - und das ist finde ich wichtiger als der ständige Auswurf neuer Landesgesetze worüber auch immer
