Original von Amber Marie Ford
Teilweise stimmt das, wahrscheinlich sogar vollen Umfanges. Wie ich erst durch die Beiträge etwa des Metternich- und des Elián-Spielers verstanden habe, ist die GF offensichtlich keine herkömmliche micronationale Weltkarte, die eben nur Micronationen einen Kartenplatz entsprechend ihrer kulturellen Ausgestaltung zuteilt und nichts weiter. Die GF ist scheinbar eine Art weltpolitisches Planspiel - sie bereitet ein Szenario, vor dessen Hintergrund dann außenpolitische Ereignisse und Krisen simuliert werden, in Anlehung an historische Konstellationen, oder frei nach der Fantasie ihrer Spieler.
Die an diesem Szenario teilnehmenden Micronationen sind etwas anderes als die Demokratische Union, oder die hergebrachten Micronationen überhaupt. Klassischerweise ist eine Micronation der ganze Stolz, das Ein und Alles ihre Gründers. Sie zu gründen und aufrecht zu erhalten ist für ihn die Verwirklichung eines privaten Traumes, und er verfolgt eine kleine Vision, was seine Micronation sein, und wie sie sich entwicklen soll. Ebenso steht für die, teilweise über viele Jahre, angestammten Spieler einer Micronation zunächst diese und das Leben in ihr im Mittelpunkt. Was kann man dort zusammen machen und erleben? Sich einfach in eine Kneipe setzen, ein Bier trinken und ein bißchen Blödsinn spamen? Ja klar, wieso denn auch nicht! Außenpolitik? Natürlich ein Element des Spiels, für das eine wichtiger als für das andere, dem einen Spieler wichtiger als dem anderen. Aber wie gesagt, ein Element - neben all den Facetten der Innenpolitik, neben der Wirtschaft, dem Sport, den gesellschaftlichen Anlässen, der Kultur und der Rechtssprechung. Jede klassische Micronation ist immer ein kleiner, eigener Kosmos, ein Kaladeiskop der Interessen und Aktivitäten seiner Spieler.
Die GF-Nationen scheinen mir etwas anderes zu sein, einerseits eher Faktoren in einem auf Außen- und Sicherheitspolitik fokussierten Planspiel, und andererseits Elemente eines natürlich ein wenig verfremdeten Nachbaus der realen Welt. GF-Nationen sind nicht einfach was und wie sind, wie ihre Spieler sie gestalten, was sie aus ihnen machen, GF-Nationen spielen zum einen Rollen in einem weltpolitischen Planspiel, und sind zum anderen Repräsentanten bestimmter realer Kulturräume in dieser Simulation. Sie werden eher nicht auf Grund der bereits angesprochenen "Visionen" ihrer Gründer geschaffen, sondern um notwenige Rollen im Szenario zu besetzen, und kulturelle Lücken zu schließen. Während der Gründer einer "klassischen" Micronation sich für sein Baby noch krummlegt, und es, wenn er partout nicht mehr als Admin fungieren kann, einem langjährigen und erfahrenen Mitspieler übergibt, der für Kontinuität steht, werden GF-Nationen gehandelt wie auf einem Basar, teilweise wechseln sie nach Übernahmen kurzfristig völlig ihren Charakter - ein trauriges Beispiel ist Caskar, dass im Laufe seiner Geschichte nie wirklich aktiv, aber dafür schon bürgerliche Republik, sozialistische Volksrepublik und Königreich war. Sich einfach mal in einer Kneipe zusammen zu setzen, ein Bier zu trinken und seine Identitäten über was auch immer plaudern zu lassen, um das oben verwendete Beispiel einmal aufzugreifen, ist für GF-Nationen eher untypisch, diese Art der Simulation des täglichen Lebens ist ihnen fremd, in ihnen dreht sich alles darum, an außenpolitischen Szenarien teilzunehmen und seine Ausgestaltung als virtuelles Spiegelbild einer reale Kutlur weiterzuentwickeln.
Und das passt, finde ich, einfach nicht zum Wesen und Charakter der DU - wir sind mehr als ein Darsteller an einem weltpolitischen Szenario, und wir sind auch mehr als Politik-Community. Unsere Demokratische Union ist eine Lebenssimulation. Sie besteht aus vielen unterschiedlichen Charakteren, gesellschaftlichen Schichten, Gruppen und Parteien. Bevor uns Astor, Barnstorvia oder Chinopien interessieren, interessieren uns die Arbeit unseres Unionsparlamentes, die Fußballergebnisse unserer Unionsligen, die Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen der Identitäten unserer Mitspieler, die ausläöndsichen Identitäten, die uns besuchen kommen, das gemütliche Zusammensitzen im Krog oder im Sur la mer, im La Gondola oder im Johnny Daniels. Das einzige GF-Land mit vergleichbarer innerer und gesellschaftlicher Aktivität wie die DU ist Nöresund, dass sich - bekanntlich - aus der weltpolitischen Simulation der GF eher heraushält, und auch enge Verbindungen zu OIK-Staaten unterhält.
Ohne die Leistungen aktiver und erfolgreicher Außenminister wie Montgomery Scott oder Denise Heidenberg in Abrede stellen zu wollen - in den besten Zeiten unserer DU war unser Außenminister so wichtig wie der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (wer weiß - ohne Google oder Wikipedia zu befragen - wer das ist?), denn wir waren einfach mit uns beschäftigt, mit den unendlichen Möglichkeiten, die unser Spiel uns geboten hat, zusammen Sachen zu machen, Dinge zu erleben, Spaß zu haben.
Ich widerspreche deutlich den Darstellungen einiger, unser Spiel wäre auf die Integration in die GF-Gemeinde und die Teilnahme an ihren Szenarien angewiesen! Wir brauchen keine Rolle in den Planspielen der GF, wir müssen zu unseren Wurzeln zurückkehren! Wir müssen wieder selbstständig und unabhängig unser Spiel spielen, wir müssen uns wieder ganz auf unsere Innenpolitik, unser Parteiensystem, unser kulturelles und gesellschaftliches Leben und unsere sportlichen Ereignisse konzentrieren, wir müssen außenpolitische Beziehungen wieder allein mit denjenigen Staaten simulieren, die uns mögen und die gerne mit uns zusammenarbeiten möchten.
Ohne irgendwelche subtilen Vorwürfe gegen die GF erheben zu wollen möchte ich feststellen: wir stehen dieser und ihrem Simulationskonzept doch auch nur im Weg herum! Wir erstrecken uns einmal von Nord nach Süd durch das für deren Simulation strategisch wichtige Ostantica, stellen wir uns in Konflikten neutral, behindern wir die beteiligten Parteien nur. Zudem belegen wir die Kartenplätze solcher Kulturräume, auf welchen die GF aktiv an ihren Szenarien teilnehmende Staaten gut gebrauchen könnte bzw. wichtig für sie wären. Was bringt es uns im Gegenzug? Wenig bis nichts, wir können auch auf einer anderen, oder ganz ohne Weltkarte simulieren, für unsere Bedürfnisse kommt es nicht auf die Darstellung geostrategischer Gegebenheiten an.
Darum spreche ich mich dafür aus, dass wir die GF-Karte verlassen sollten. Und nicht, weil ich der GF die Schuld oder eine Mitschuld am Spielregelbruch einiger Herrschaften gebe.
Da muss ich dir Recht geben. Es ist außerdem auffallend, dass die Staaten am aktivsten sind, die bereits vor der Gründung der GF existierten und das darstellen, wie du es treffend beschrieben hast.