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Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 00:00
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
Nun muss die Veränderung ja aber von irgendwem ausgehen. Insofern ist Dein Ansatz doch nicht schlüssig, weil die Veränderung des Systems Charaktere voraussetzt, die erst aus dem veränderten System hervorgehen. Die Voraussetzung für den Wandel wird erst vom Wandel selbst geschaffen, was aber natürlich logisch unmöglich ist.
Korrekt, ein großes Problem für jede sozialistische Theorie. Der Punkt ist aber, dass sozialistische Positionen von der Mehrheit der Menschen in Deutschland geteilt werden. Gleichzeitig wird die Partei, die annähernd für diese Positionen eintritt, nur von 15% der Menschen gewählt. Eine Umgestaltung zumindest nach oberflächlichen Kriterien ist durchaus mehrheitsfähig, sie wird nur durch die rechtslastige bundesdeutsche Ideologie unterdrückt.

Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 00:08
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Der Punkt ist aber, dass sozialistische Positionen von der Mehrheit der Menschen in Deutschland geteilt werden.
Das sehe ich anders. Die große Masse der Menschen teilt sozialistische Positionen, weil sie selbst zu dumm und faul sind, in ihrem Leben etwas zu erreichen, weil sie Angst vor Wettbewerb und Konkurrenz haben (müssen), weil sie schlicht und ergreifend der natürlichen Selektion und dem survival of the fittest nicht gewachsen sind. Sie sind das, was die Natur aussortieren würde, und lieben deswegen die Ideologie der Schwäche, gewachsen auf dem Müllhaufen der christlichen Kultur. Der Marxismus betet wie das Christentum die Schwäche an. Beides ist degeneriert.

Max Stirner hat die bei weitem überzeugendere Antwort gegeben: Wenn die "Verdammten dieser Erde" sich von ihrem Los befreien wollen, so sollen sie Egoisten werden und ihre Interessen durchsetzen, statt sich dem sozialistischen Altruismus zu unterwerfen. Können sie dies nicht, so verdienen sie es gar nicht anders, als wie der Dreck behandelt zu werden, der sie sind.

Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 01:36
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
Das sehe ich anders. Die große Masse der Menschen teilt sozialistische Positionen, weil sie selbst zu dumm und faul sind, in ihrem Leben etwas zu erreichen, weil sie Angst vor Wettbewerb und Konkurrenz haben (müssen), weil sie schlicht und ergreifend der natürlichen Selektion und dem survival of the fittest nicht gewachsen sind. Sie sind das, was die Natur aussortieren würde, und lieben deswegen die Ideologie der Schwäche, gewachsen auf dem Müllhaufen der christlichen Kultur.
Linke Kritik kommt aber heute weniger als auf die eigene Lage als auf die gesellschaftlichen Zustände bezogen daher. Das ändert im Übrigen nichts daran, dass diese Mehrheit - warum auch immer - nun mal sozialistische Positionen teilt und somit Legitimation für das sozialistische Unternehmen bietet.
Der Marxismus betet wie das Christentum die Schwäche an. Beides ist degeneriert.
Das halte ich für falsch. Marx selbst hätte es ganz ähnlich ausgedrückt wie Du: Die Arbeiterklasse muss sich ihrer Fesseln selbst entledigen und das wird auch geschehen.
Max Stirner hat die bei weitem überzeugendere Antwort gegeben: Wenn die "Verdammten dieser Erde" sich von ihrem Los befreien wollen, so sollen sie Egoisten werden und ihre Interessen durchsetzen, statt sich dem sozialistischen Altruismus zu unterwerfen. Können sie dies nicht, so verdienen sie es gar nicht anders, als wie der Dreck behandelt zu werden, der sie sind.
Sozialismus ist aber nichts Egoistisches. Es geht nicht darum, seine eigene Lage zu verbessern sondern die aller Benachteiligten.

Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 09:03
von Susan Jefferson
Original von Montgomery Scott
Der Punkt ist aber, dass sozialistische Positionen von der Mehrheit der Menschen in Deutschland geteilt werden.
Der These möchte ich aus zwei Gründen widersprechen: erstens ist Demoskopie mehr Psychologie denn Mathematik. Jje nachdem wie ich eine Frage stelle, kann ich die Antworten der Probanden beeinflussen und in gewissem Rahmen ein gewünschtes Ergebnis herbeiführen. Demoskopisch ließe sich ebenso deutliche Zustimmung zu wie Ablehnung von sozialistischen Positionen in Deutschland "beweisen" ;)

Und zweitens sind die Mehrheit der Sozialisten in Deutschland wie überhaupt in der westlichen Welt letztlich doch nur Scheinsozialisten. Sie haben gar keine ernsthaften Vorstellungen davon, wie eine sozialistische Gesellschaft aussähe - und damit meine ich jetzt nicht, dass sie wie die DDR würde. Auch das Leben in einer demokratisch-sozialistischen Gesellschaft - fingieren wir, eine solche sei möglich - sähe betreffend Produktion, Produktpalette, Konsum und Lebensverhältnisse grundsätzlich anders aus als die heutige Gesellschaft.

Die meisten Leute, die die Vorzüge des Sozialismus loben und sich als Sozialisten bezeichnen meinen damit eigentlich nur, dass es "nicht so krasse Gehahltsunterschiede geben soll und die da oben ruhig etwas abgeben können", damit im Ergebnis dann auch und vor allem sie selbst mehr Einkommen zur Verfügung haben, um die materiellen Annehmlichkeiten einer durch und duch marktwirtschaftlichen Volkswirtschaft genießen zu können.

Echte Sozialisten, die nach ernsthaften und grundlegenden gesellschaftlichen Umbrüchen streben, sind doch eine eher kleine Minderheit ;)

Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 11:15
von Montgomery Scott
Original von Susan Jefferson

Der These möchte ich aus zwei Gründen widersprechen: erstens ist Demoskopie mehr Psychologie denn Mathematik. Jje nachdem wie ich eine Frage stelle, kann ich die Antworten der Probanden beeinflussen und in gewissem Rahmen ein gewünschtes Ergebnis herbeiführen. Demoskopisch ließe sich ebenso deutliche Zustimmung zu wie Ablehnung von sozialistischen Positionen in Deutschland "beweisen" ;)
Da ist natürlich was dran, zumal ja gar nicht so klar ist, was denn nun eigentlich alles sozialistische Ziele sind. Ich beziehe mich jetzt darauf, dass (ich glaube vor der letzten Bundestagswahl) sich ca. drei Viertel der Befragten einer repräsentativen Umfrage für die Rücknahme der harten Auflagen für Hartz 4-Empfänger, für Mindestlöhne und für den Rückzug der Armee aus Afghanistan ausgesprochen haben. Diese Forderungen machen natürlich noch lange keinen Sozialismus, sind aber genau die Forderungen, die nach sozialistischen Maximen in der aktuellen Tagespolitik geltend gemacht werden müssen und vorallem sind es die Forderungen, die von den vier Parteien, die das aktuelle System verteidigen, abgelehnt werden.
Und zweitens sind die Mehrheit der Sozialisten in Deutschland wie überhaupt in der westlichen Welt letztlich doch nur Scheinsozialisten. Sie haben gar keine ernsthaften Vorstellungen davon, wie eine sozialistische Gesellschaft aussähe - und damit meine ich jetzt nicht, dass sie wie die DDR würde. Auch das Leben in einer demokratisch-sozialistischen Gesellschaft - fingieren wir, eine solche sei möglich - sähe betreffend Produktion, Produktpalette, Konsum und Lebensverhältnisse grundsätzlich anders aus als die heutige Gesellschaft.

Die meisten Leute, die die Vorzüge des Sozialismus loben und sich als Sozialisten bezeichnen meinen damit eigentlich nur, dass es "nicht so krasse Gehahltsunterschiede geben soll und die da oben ruhig etwas abgeben können", damit im Ergebnis dann auch und vor allem sie selbst mehr Einkommen zur Verfügung haben, um die materiellen Annehmlichkeiten einer durch und duch marktwirtschaftlichen Volkswirtschaft genießen zu können.

Echte Sozialisten, die nach ernsthaften und grundlegenden gesellschaftlichen Umbrüchen streben, sind doch eine eher kleine Minderheit ;)
Gesellschaftliche Umbrüche sind ja auch nicht Zweck an sich sondern Mittel zum Zweck. Zweck sind politische Forderungen wie die, die durchaus von der Mehrheit der Deutschen geteilt werden. Nur sind die gebotenen Mittel eben die, die man den Deutschen seit Generationen von Kindesbeinen an austreibt, nämlich eine Veränderung der bundesrepublikanischen Ordnung, die ja gar nicht so groß sein müsste. Im Wesentlichen müsste man unser Grundgesetz umsetzen (Verbot von Angriffskriegen, Verpflichtung von Eigentum, Menschenwürde). Aber die Linkspartei hat ein gespaltenes Verhältnis zum Grundgesetz, ja ja...

Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 13:37
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Sozialismus ist aber nichts Egoistisches. Es geht nicht darum, seine eigene Lage zu verbessern sondern die aller Benachteiligten.
Ideologie der Schwäche. Quod erat demonstrandum.

Und da sage ich doch mit Nietzsche: "Die Schwachen und Missratnen sollen zu Grunde gehen: erster Satz unserer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen."

Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 13:44
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm

Ideologie der Schwäche. Quod erat demonstrandum.

Und da sage ich doch mit Nietzsche: "Die Schwachen und Missratnen sollen zu Grunde gehen: erster Satz unserer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen."
Keinesfalls Ideologie der Schwäche, da Solidarität Stärke bedeutet. Der Schmied eines Bündnisses ist kein Schwächling.

Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 13:47
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Keinesfalls Ideologie der Schwäche, da Solidarität Stärke bedeutet. Der Schmied eines Bündnisses ist kein Schwächling.
Setzt voraus, dass er dabei SEINE Interessen verfolgt und nicht in Wahrheit seine eigene Aufopferung für die Interessen anderer beschlossen hat.

Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 13:51
von Montgomery Scott
Konkurrenzkampf bedeutet auf Dauer nichts anderes als die Schwächung aller Beteiligten. Deshalb ist die Entwicklung des Sozialen auch evolutionärer Meilenstein für den Menschen. Politisch, also in Bezug auf die allgemein und intersubjektiv gebotenen Grundsätze des Zusammenlebens, sind also Grundsätze zu vertreten, die dazu geeignet sind, allen Individuen das zuzugestehen, was man als die allgemeinen Voraussetzungen für das wahre Leben anerkennt. Und subjektiv ist geboten, sich so zu verhalten, dass diese allgemeinen Grundsätze Geltung erhalten.

Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 14:00
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Konkurrenzkampf bedeutet auf Dauer nichts anderes als die Schwächung aller Beteiligten.
Dreisprachige Antwort: Nicht zwingend, nam vae victis, because the winner takes it all.

Ich würde ja zustimmen, dass eine Gesellschaft, die aus vergleichbar starken Individuen besteht, wohl eine mehr oder weniger sozialistische Gesellschaft wäre. Ich würde davon ausgehen, dass die allermeisten Bereiche in einer solchen Gesellschaft genossenschaftlich organisiert wären. Ein gewisses Maß an Privatheit würde wohl verbleiben.

Nur, eine solche Gesellschaft hat nicht mehr Realitätsbezug als Schlaraffia. Menschen sind nicht gleich, sondern eben fundamental ungleich. Und dieses Machtgleichgewicht verteilt sie in relative Herrschaftsverhältnisse, in Raubtiere und Beute. So sind die Dinge einfach.

Der Glaube, dass der Bodensatz sich jemals erhebt und von seinen Fesseln befreit, ist ja nicht neu, aber sieh Dir die Geschichte der Revolutionen an! Wohl kann der Pöbel durch seine schlichte Zahl eine Ordnung stürzen, aber weh ihm, wenn er dann in Freiheit und Eigenverantwortung existieren soll. Rasch ruft er neue Führer herbei.

Wir werden zu Herren oder zu Dienern geboren, zu Jägern oder zu Beute. So ist es einfach.