Original von Stigman
Sehe ich auch so.
Ich könnte so provokant sein und das Blut einiger Leute mal wieder in Wallung bringen, indem ich - wahrheitsgemäß - darauf hinweise, dass dieses Problem seine zentrale Ursache im Wechsel der DU auf die GF-Karte hat
Damit gäbe ich der GF übrigens die Schuld an gar nichts, sondern stellte einzig eine drastische Fehlentscheidung der DU-Spielergemeinde - und nur dieser - heraus. Denn sie hat sich in einem ob nun von Beteiligten in dieser Form gewollten oder ungewollten Wettstreit zweier unterschiedlicher Systeme auf die für sich falsche Seite gestellt. Nicht auf die falsche Seite im Sinne der moralisch schlechteren oder tatsächlich unterlegenen, sondern im Sinne der nicht zu ihr passenden Seite.
Es bedarf wohl eigentlich keiner ausladenden Erläuterung mehr, dass der Unterschied zwischen OIK- und GF-Karte nicht nur das Bestehen eines Maßstabes sowie vorgegebener Kultur- und Klimazonen (eine festgelegte Form als kugelförmiger Himmelskörper hat die OIK-Karte mittlerweile auch) sind. Beiden Karten liegt ein jeweils eigenes Konzept und Verständnis von Micronationen zu Grunde, die Spielerschaften beider Karten haben unterschiedliche Interessen.
Die OIK-Karte ist letztlich so etwas wie die DU in sehr viel Größer: sie vereint Spieler und Nationen mit den verschiedensten Interessen und Zielen, seien diese nun Politik, Diplomatie, Wirtschaft, Sport, Ausgestaltung oder einfach nur Spaß. So wie eigentlich auch Bayern, Südtiroler und Italiener, Preußen, Friesen, Kanadier und nordamerikanische Ureinwohner, Skandinavier, Franzosen und Hawaiianer nicht in einer föderativen Nation zusammenpassen, in der DU aber dennoch zusammengehören weil sie es wollen, gehören auch auf der OIK-Karte die so gesehen "abenteuerlichsten" Kombinationen von Völkern und Nationen als Nachbarn, Freunde und Verbündete zusammen, einfach weil sie es aus Gründen wollen, die ihnen wichtiger sind als reale Ethnologie und Anthropologie, weil sich ihre Interessen und Ziele ergänzen, und sie aus ihren Interaktionen miteinander lebendige gemeinsame Erinnerungen schöpfen.
Die "echten" GF-Staaten verfolgen demgegenüber einen ganz anderen Ansatz micronationaler Simulation: sie haben zuvörderst ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Homogenität und Realismus, wollen und sollen sich zwar gerade in ihrer Ausgestaltung voneinander unterscheiden, dies jedoch innerhalb eines Rahmens streng gleichartiger simulatorischer Interessen der Staaten und ihrer Spieler sowie den Gegebenheiten des realen Lebens als allumfassendem letztem Maßstab zur Entscheidung der Frage, welche Ausgestaltung und ausgestalterischen Verknüpfungen und welche Ereignissen sinnvoll und möglich sind. Für sie steht nicht die einzelne Micronation als zunächst in sich geschlossener Kosmos im Mittelpunkt, sondern gleich die globalen Zusammenhänge.
Diese Grundverschiedenheit lässt es nicht verwundern, dass die DU im Kreise der GF-Staaten niemals große Aufmerksamkeit genossen hat, mit ihrer Zusammensetzung aus sieben mitunter ausgeprägt unterschiedlichen Gliedstaaten sowie ihrer Fokussierung auf innenpolitische Vorgänge und Ereignisse bei gleichzeitigem ausgeprägtem Desinteresse gegenüber der Partizipation an globalen Krisenszenarien ist die DU für die GF-Staaten letztlich am ehesten ein Ärgernis, das man bestmöglich zu ignorieren versucht. Genauso wie es andersherum für die DU-Spielerschaft vielfach in erster Linie ein Ärgernis ist, in globale Krisenszenarien verstrickt oder mit der Erwartung der Stellungnahme zu Konflikten, die sie innerlich weder interessieren noch betreffen, konfrontiert zu werden.
Andererseits wiederum ist die DU in Folge der auf beiden Seiten mitunter mit erbitterter Härte geführten Rivalität zwischen GF und OIK auch aus dem Fokus der OIK-Staaten und ihrer Spieler verschwunden. Außenpolitische Beziehungen, die aufrecht zu erhalten lohnenswert gewesen wäre gab es in dem Sinne eigentlich sowieso nie, und mit Gründung der GF trat eine doch überwiegende Spaltung der MN-Spieler in OIK- und GF-Spieler ein. Der Schritt in die DU, die zwar schon zu Zeiten einer Karte nie weltpolitisch integriert oder beliebt, aber als größte, aktivste, eine der ältesten und in ihrem politischen System ausgeprägt deutschlandnahe Micronation, letztlich die Aura des sich selbst eine eigene und die ganze Welt Seins doch eine beachtliche Anziehung auf MN-Spieler aus allen Winkeln ausübte, wurde für die zahlenmäßig wesentlich stärkeren OIK-Spieler plötzlich zum Schritt aus ihrer vertrauten Spielumgebung heraus. Denn so eigenbrötlerisch die DU schon immer gewesen war, gerade als hassgeliebter Star und Sonderling der deutschsprachigen MN-Gemeinde gehörte sie ganz elementar und zentral dazu.
Mit ihrem Umzug auf die GF-Karte, zwischen deren Staaten und den Staaten der OIK-Karte seit nun schon Jahren schlicht und ergreift Funkstille und feierliche oder zumindest praktische gegenseitige Nichtbeachtung herrscht, hat die DU sich selbst von ihrem Neumitspielerpotenzial abgekapselt. Die GF-Spieler sind nicht nur zahlenmäßig sehr viel weniger, sie können anders als die OIK-Spieler auch nichts mit der DU anfangen.
So würde den Abschied der DU tatsächlich kaum noch jemand bemerken: die Spieler der GF-Staaten nicht, weil die DU für sie ein störender Fremdkörper ist, den sie sowieso weitestgehend links liegen lassen, und die Spieler der OIK-Staaten nicht, weil die DU für sie sowieso schon längts weg und weitetgehend vergessen ist.