Verfasst: Mo 22. Sep 2008, 21:11
Das Problem ist ja nun folgendes: in einer modernen Gesellschaft muss es jedermanns freie Entscheidung sein, ob und welchem religiösen Glauben er anhängt, und inwiefern er seine Lebensführung an den Lehren und Geboten seiner Religion ausrichtet.Die Religionsfreiheit des einen endet dort, wo das Selbstbestimmungsrecht des anderen beginnt, und gerade das ist im Islam vielfach gerade nicht gewährleistet.Original von Montgomery Scott
Natürlich ist besorgniserregend, was manchem Hassprediger so über die Lippen kommt. Aber das ändert doch nichts daran, dass es in einem modernen Staat Selbstverständlichkeit sein sollte, dass jede Glaubensgemeinschaft frei und gleichberechtigt praktizieren kann.
Über die mitunter haarsträubenden Aussprüche z. B. eines Kardinal Meisner mag man sich empören, man kann aber auch einfach über sie schmunzeln, denn niemand wird mit Gewalt seinem Diktat unterworfen.
Es hat hingegen nichts mit "Multikulturalismus" oder der "Abkehr von einem einseitig auf die auch nicht perfekte westliche Welt und ihre Ansichten zentrieten Weltbild" zu tun, sondern ist zwingendes Gebot der Humanität, dass auch für Muslime Religionsfreiheit nicht nur nach islamischen Recht - jeder hat Recht, zum Islam zu konvertieren und kein Muslim darf an der Ausübung seiner Releigion gehindert werden - sondern in jeder Hinsicht besteht: jeder Muslim muss jederzeit frei entscheiden können, ob er weiterhin dieser Religion anhängen will, und inwieweit er sein Leben an deren Lehre ausrichtet. Und das auch für - ich nehme bewusst ein Extrembeispiel - die jugendliche, nach deutschem Recht über das religiöse Selbstbestimmungsrecht verfügende Tochter muslimischer Eltern.
Solange zahlreiche muslimische Gemeinden in Deutschland, islamische Rechtsgelehrte und Interessenvereinigungen usw. ihren Angehörigen und deren Kindern das natürliche Selbstbestimungsrecht über sich und ihre Leben absprechen, als "westliche Verirrung" verwerfen und unter Verweis auf ihre Religionsfreiheit und Respekt vor ihrer Tradition und Kultur das Recht einfordern, Menschen gegen deren Willen ein Leben unter einem toalitären Verständnis des Islam aufzuzwingen kann man nicht so tun, als ließen sich alle Probleme mit einer Führung durch die Moschee und anschließendes Beisammensitzen in der Teestube lösen.
So wie selbstverständlich Nichtmuslime zu respektieren haben, dass wer sich aus seiner eigenen und freien Überzeugung heraus zu diesem Glauben bekennt sich auch für einen Lebenswandel entscheidet, der nach den sog. "westlichen" Maßstäben erschreckend erscheint, so müssen alle, und nicht nur der aufgeklärte Teil der Muslime akzeptieren, dass niemandem unter Verweis auf die Religionsfreiheit der Eltern, des Ehepartners oder der ethnischen Gruppe eines Menschen der Islam aufgezwungen werden darf.